LafargeHolcim mit hohem Verlust nach Abschreibungen

LafargeHolcim mit hohem Verlust nach Abschreibungen
LafargeHolcim-CEO Jan Jenisch. (Foto: LafargeHolcim)

Jona – Der Baustoffkonzern LafargeHolcim weist nach hohen Wertberichtigungen einen tiefroten Verlust aus. Bei Umsatz und Betriebsgewinn wurden hingegen klare Verbesserungen erzielt. Zudem präsentiert der Konzern eine Neubestimmung der strategischen Ziele und rechnet mit weiterem Wachstum. Die Aktien reagieren mit einem Kursrutsch.

«Wir haben 2017 ein Wachstum erzielt, das über der Steigerung des BIP liegt», sagte Jenisch an der Bilanzmedienkonferenz am Freitag in Zürich. «Wir bewegen uns in einem vorteilhaften Marktumfeld und das Wachstum wird anhalten».

Der Umsatz stieg im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 2,7% auf 6,70 Mrd CHF. Auf vergleichbarer Basis (like for like) wurde ein Plus von 6,2% ausgewiesen. Der um die Merger- und Einmalkosten adjustierte betriebliche EBITDA fiel mit 1,70 Mrd 2,7% höher aus, allerdings resultierte auf vergleichbarer Basis ein Minus von 1,7%. Die entsprechende Marge wird mit zum Vorjahr unveränderten 25,4% angegeben.

Unter dem Strich verblieb ein den Aktionären zurechenbarer Verlust von 3,12 Mrd CHF, verglichen mit einem Gewinn von 453 Mio CHF im Vorjahr. Das Unternehmen hat Wertminderungen im Umfang von 3,83 Mrd vorgenommen. Die eingehende Prüfung des Portfolios, und insbesondere der Risiken in den einzelnen Ländern, hätten zu diesen Abschreibungen geführt, hiess es. Die Wertminderungen betrafen hauptsächlich Goodwill und Vermögenswerte aus Unternehmenszusammenschlüssen. Bereinigt um den Abschreiber und den Einfluss von Devestitionen resultiert derweil ein Gewinn von 270 Mio (VJ 393 Mio).

Jenisch sieht die hohen Abschreibungen eher als eine bilanztechnische Angelegenheit. Die Leistungsfähigkeit des Konzerns sei dadurch nicht betroffen. «Ich bin zuversichtlich, dass keine weiteren Wertberichtigungen notwendig sein werden», sagte er. Die Neubewertung würde dabei helfen, nach vorne blicken zu können.

Den Aktionären schlägt der Verwaltungsrat eine Dividende von zum Vorjahr unveränderten 2 CHF je Titel vor. Jenisch hofft, die Ausschüttung in den kommenden Jahren steigern zu können. «Hierfür ist der Free Cash Flow entscheidend», so der Konzernchef. Das Aktienrückkaufprogramm wird nach Erreichung von 581 Mio CHF beendet.

Für 2018 wird ein Wachstum von 3 bis 5% erwartet. Der bereinigte betriebliche EBITDA soll auf vergleichbarer Basis um 5% zulegen und die Investitionen sollen unter der Marke von 2 Mrd CHF bleiben.

Neue Strategie bis 2022 formuliert
Der CEO will eine neue strategische Richtung einschlagen. Unter dem Motto «Building for Growth» soll das positive Marktumfeld für profitables Wachstum genutzt werden. Die Konzernstruktur soll vereinfacht werden und die Länderorganisationen mehr Eigenverantwortung erhalten.

Gleichzeitig werden neue Mittelfristziele für die kommenden fünf Jahre gesetzt. So soll ein jährliches Wachstum des Nettoverkaufsertrags von 3 bis 5% und des wiederkehrenden EBITDA von mindestens 5% erreicht werden. Der Free Cashflow soll auf über 40% des wiederkehrenden EBITDA steigen und bei der Kapitalrendite (ROIC) wird ein Wert von über 8% angestrebt.

Dabei geht LafargeHolcim von einem Marktwachstum aus. Man werde gezielt in Märkte mit grösserem Potenzial investieren und bei Investitionen selektiver vorgehen. Bei Zuschlagstoffe und Transportbeton sollen aggressivere Marktstrategien verfolgt werden und das Segment Solutions & Products werde neu aufgebaut.

Vereinfachung der Konzernstruktur
Die Vereinfachung der Konzernstruktur soll zudem Kosten sparen. Der Fokus der Corporate-Light-Struktur liegt stärker auf den Ländern. Neu werden 35 statt zuvor 20 Märkte direkt der Konzernleitung unterstellt. Die lokalen Manager sollen so mehr Entscheidungsgewalt erhalten und agiler Handeln können.

Die Konzernstandorte in Miami und Singapur werden bis Mitte 2018 geschlossen. Auch sei es denkbar, sich aus zwei bis drei Märkten zurückzuziehen. Das Programm soll bis zum ersten Quartal 2019 abgeschlossen werden und die Vertriebsgemeinkosten (SG&A) dadurch um 400 Mio CHF pro Jahr sinken. Zudem werden neue Key Performance Indicators mit neuen Anreizen formuliert.

Die Analysten werten die operativen Zahlen als besser als erwartet. Die Wertberichtigungen seien keine grosse Überraschung gewesen. Die Strategie und die Ziele werden begrüsst und der Ausblick als realistisch eingeschätzt. Viele Punkte der neuen Strategie würden dem Führungsstil von Jenisch bei seinem alten Arbeitgeber ähneln.

Die Aktien brachen am Freitag in einem schwachen Gesamtmarkt um 7,5% auf 50,86 CHF ein. (awp/mc/ps)

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