Megadeal im Reisedetailhandel: Dufry übernimmt Nuance Group

Julían Díaz
Dufry-CEO Julían Díaz.

Dufry-CEO Julián Díaz.

Zürich – Dufry setzt seinen Expansionskurs fort und übernimmt für insgesamt 1,55 Mrd CHF den Schweizer Mitbewerber Nuance. Damit wird Dufry zum grössten Duty-Free-Händler der Welt. Finanziert werden soll die Übernahme einerseits über die Ausgabe einer Wandelanleihe und andererseits über eine Kapitalerhöhung. Die Aktie setzt nach der Ankündigung zu einem Höhenflug an.

«Das ist die grösste und wichtigste Übernahme von Dufry», sagte ein zufriedener Firmenchef Julián Díaz an einer Telefonkonferenz. «Nuance ist ein grosser Gewinn für uns und bedeutet eine einschneidende Transformation für die ganze Branche.» Die Geschäfte von Nuance würden die Präsenz von Dufry geographisch sehr gut ergänzen.

Neuer Weltmarktführer
Der neue Duty-Free-Riese wird gemäss den Berechnungen einen Umsatz von rund 5,56 Mrd CHF erzielen. Nach der Übernahme wird Dufry künftig auf allen Kontinenten, in 63 Ländern rund 1’750 Shops betreiben und nach eigenen Angaben einen globalen Marktanteil von nahezu 15% aufweisen. «Es war nicht unser Ziel, Marktführer zu werden», sagte Díaz. Aber es bringe gewisse Vorteile, beispielsweise bei Vertragsverhandlungen mit in den Shops vertretenen Marken oder bei Konzessionsvergaben.

Australien auf dem Prüfstand
2013 erwirtschaftete die ehemalige Swissair-Tochter Nuance einen Umsatz von 2,1 Mrd CHF. Der EBITDA belief sich in diesem Zeitraum auf 156 Mio CHF – unter Ausklammerung der Konzessionen in Australien, die im Februar 2015 auslaufen. «Zu den bestehenden Konditionen werden wir diese Konzessionen dort nicht erneuern», so Diaz weiter. Nuance hat 2013 in Australien mit einem Umsatz von 487 Mio einen Verlust von 25 Mio CHF auf Stufe EBITDA verbucht.

Finanzierung mittels Ausgabe von Wandelanleihe und Kapitalerhöhung
Die Übernahme lässt sich Dufry 1,55 Mrd Franken kosten. Finanziert werden soll sie einerseits über die Ausgabe einer Wandelanleihe und andererseits über eine Kapitalerhöhung. Dufry lanciert eine Wandelanleihe im Umfang von bis zu 275 Mio CHF und wird dafür bereits vorhandenes bedingtes Aktienkapital einsetzen, wie aus der Mitteilung vom Mittwochabend hervorgeht. Die Papiere verpflichten bis am 18. Juni 2015 zur Wandlung in Aktien. Desweiteren soll den Aktionären an der ausserordentlichen Generalversammlung vom 26. Juni eine ordentliche Kapitalerhöhung von rund 725 Mio CHF vorgeschlagen werden, heisst es weiter. Dabei werde den Aktionären ein Bezugsrecht gewährt.

Der Abschluss der Transaktion wird im Verlauf des dritten Quartals 2014 erwartet. Vollkommen integriert soll Nuance innerhalb der nächsten 12 bis 18 Monate werden, wobei Integrationskosten in Höhe von 30 Mio CHF anfallen werden. «Durch die Grösse von Nuance ist der Prozess der Integration komplex», sagte Julián Díaz. «Aber wir haben Erfahrung mit Übernahmen.»

Management erwartet substantielle Synergien
Tatsächlich ist Dufry in den letzten Jahren stark akquisitorisch gewachsen. Im vergangenen Jahr etwa hat der Konzern die griechische Hellenic Duty Free Shops (HDFS) für insgesamt 892 Mio EUR übernommen. Neben Akquisitionen stehe für Dufry weiterhin der Gewinn neuer Konzessionen sowie organisches Wachstum im Fokus, hiess es.

Die neueste Errungenschaft soll nun «substanzielle Synergien» bringen. Alleine bei Nuance rechnet das Management mit Synergien von bis zu 70 Mio CHF pro Jahr. Bereits 2015 geht das Management von einem «robusten» Gewinnbeitrag der Nuance Group aus. Zahlen für Dufry konnte Díaz am Mittwoch noch nicht liefern; diese würden aktuell berechnet. Nach Abschluss der Integration soll das Niveau einer EBITDA-Marge von rund 14% im Jahr 2013 wieder erreicht werden.

Aktie auf Allzeithoch
Die Investoren reagierten auf den neuesten Zukauf von Dufry begeistert. Die Aktie des Unternehmens gewann am Mittwoch bei grossen Volumen 6,4% auf 155 CHF und erreichte bei 158,60 CHF ein neues Allzeithoch. (awp/mc/pg)

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