MEM-Industrie legt kräftig zu

MEM-Industrie legt kräftig zu
Auszubildender in der MEM-Industrie. (Foto: Swissmem)

Zürich – Für die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM) läuft es momentan rund. Die Unternehmen steigerten im ersten Semester 2018 sowohl die Umsätze als auch den Auftragseingang klar im zweistelligen Bereich, womit die Entwicklung im zweiten Quartal gegenüber dem ersten stabil blieb. Und die Aussichten bleiben auch für die kommenden Monate gut. Als grösste Risikofaktoren macht der Dachverband den Fachkräftemangel, den politischen Druck auf den freien Handel sowie das mögliche Scheitern eines Rahmenabkommens mit der EU als wichtigstem Export-Markt aus.

Die Umsätze legten im ersten Halbjahr im Vergleich zur Vorjahresperiode um 16,4 Prozent zu, wie der Industrieverband Swissmem am Dienstag mitteilte. Noch besser sieht es beim Bestellungseingang aus: Die Auftragseingänge, welche die künftigen Umsätze darstellen, kletterten um 24,1 Prozent. Dies sind die höchsten Wert seit zehn Jahren.

Die Lage der Schweizer MEM-Industrie präsentiere sich «insgesamt als sehr erfreulich», heisst es denn auch in der Mitteilung von Swissmem. Und dies wirke sich auch positiv auf die Beschäftigung aus. So arbeiteten im ersten Quartal (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) 325’000 Menschen in der MEM-Industrie, was gegenüber der Vorjahresperiode einem Anstieg um 2,6 Prozent entspricht.

Erst ein Teil der «SNB-Jobverluste» wieder aufgeholt
Die Aufhebung des Mindestkurses durch die SNB im Jahr 2015 hat die MEM-Industrie zu einem guten Teil – aber dennoch nicht ganz – verdaut. Zwei Drittel der durch die Massnahme der SNB verursachten Jobverluste wurden innerhalb eines Jahres wieder wettgemacht. Dazu lässt sich Swissmem-Präsident Hans Hess in der Mitteilung folgendermassen zitieren: «Ich freue mich sehr, dass es dem Gros der MEM-Firmen wieder besser geht.»

Die Kapazitätsauslastung als wichtiger Kennwert für die Unternehmen lag mit knapp 92 Prozent im zweiten Quartal deutlich über dem langjährigen Durchschnitt von 86,4 Prozent.

Die Güterexporte stiegen im ersten Semester um 7,5 Prozent auf knapp 35 Milliarden. Swissmem stützt sich dabei auf Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung. Alle wichtigen Absatzmärkte und Produktbereiche hätten zugelegt, «besonders erfreulich» sei die Entwicklung aber in Europa (+9,1%) und den USA (+7,3%) gewesen. Die Ausfuhren nach Asien fielen mit einem Plus von 1,5 Prozent trotz einer starken Entwicklung in China bescheidener aus. Rückläufig waren die Exporte in die übrigen asiatischen Länder sowie insbesondere in den Mittleren Osten.

Betrachtet man die einzelnen Produktbereiche, sieht man bei den Metallen (+11,1%) und dem Maschinenbau (+9,2%) das etwas höhere Exportwachstum als bei den Präzisionsinstrumenten (+7,9%) und der Elektronik/Elektrotechnik (+7,0%).

Fachkräftemangel akut, Konjunkturabflachung am Horizont
Mit Blick nach vorne sieht es konjunkturell zwar vorläufig noch gut aus, es drohen aber politische Risiken und Engpässe wegen Fachkräftemangel. Hess geht davon aus, dass die «gute Geschäftsentwicklung noch sechs bis zwölf Monate anhalten wird. Danach könnte es zu einer Abflachung der Konjunktur kommen, zumal frühzyklische Branchen bereits eine Verlangsamung der Wachstumsdynamik verspüren».

Als «eine der grössten Herausforderungen für die MEM-Industrie» bezeichnet Swissmem den Fachkräftemangel in den kommenden Jahren. Um hier Gegensteuer zu geben arbeitet der Verband an einer Umschulungsinitiative, welche Erwachsenen eine Zweitausbildung in einem neuen Berufsumfeld ermöglichen soll. Ausserdem werden die Unternehmen über Änderungen im Gesamtarbeitsvertrag zur Förderung und Weiterbildung von Mitarbeitern angehalten, was die Attraktivität der MEM-Branche als Arbeitgeberin erhöhen soll. Empfehlungen gibt es seitens des Verbandes auch für die Unterstützung von jüngeren Menschen, Frauen und älteren Mitarbeitern sowie zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Nebst den konjunkturellen macht Swissmem wie meist auch politische Unwägbarkeiten aus. Der Freihandel stehe derzeit sowohl «innen- und weltpolitisch unter grossem Druck», heisst es mit Blick auf die globalen Handelskonflikte. Da die MEM-Industrie 80 Prozent der Güter exportiere, sei die Sicherung, bzw. der Ausbau eines möglichst diskriminierungsfreien Zugangs zu den weltweiten Märkten von höchster Priorität.

Und der mit Abstand wichtigste Absatzmarkt ist die EU. Swissmem wirbt entsprechend für ein Rahmenabkommen, welches den Zugang zum europäischen Binnenmarkt erhalten und die Rechtssicherheit erhöhen würde. (awp/mc/ps)

Swissmem

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