Micronas vor Übernahme durch japanischen TDK-Konzern

Micronas

Zürich – Der Halbleiterhersteller Micronas wird wohl Teil des japanischen Elektronikkonzerns TDK. Dieser hat am Donnerstag ein öffentliches Übernahmeangebot lanciert. Der Micronas-Verwaltungsrat empfiehlt seinen Aktionären, dieses anzunehmen. Auch Analysten sprechen von einem attraktiven Preis.

Die Tage von Micronas als eigenständiges Unternehmen sind gezählt. 27 Jahre nach der Gründung kommt es nächstes Jahr aller Voraussicht nach in japanische Hände. «Wir haben die mögliche Entwicklung als Teil von TDK und als weiterhin unabhängiges Unternehmen verglichen», sagte Verwaltungsratspräsident Heinrich Kreutzer am Donnerstag an einer Telefonkonferenz. «Wir haben dabei festgestellt: Eine Kombination mit TDK führt zur erheblichen strategischen, operativen und finanziellen Vorteilen.»

Ausserdem biete TDK einen «sehr attraktiven Preis», betonte er weiter. Der Verwaltungsrat von Micronas unterstützt die Offerte daher gemäss einer Mitteilung einstimmig.

Konkret sind die Japaner bereit, den Micronas-Aktionären 7,50 CHF pro Aktie in bar bezahlen. Zum Vergleich: Am Mittwochabend war die Aktie bei einem Kurs von 4,60 CHF aus dem Handel gegangen. Am Donnerstag kletterte sie dann in die Nähe des gebotenen Preises. Die Transaktion hat gemäss den Angaben ein Volumen von rund 214 Mio CHF. Die Marktkapitalisierung vor Bekanntgabe der Offerte betrug lediglich 137 Mio CHF.

Schwierige Monate hinter sich
Micronas hat schwierige Monate hinter sich. So litt das Unternehmen zuletzt unter einer schwächeren Nachfrage im Hauptmarkt Japan sowie unter der Wechselkursentwicklung. Für das laufende Geschäftsjahr stellte das Management daher schon vor einiger Zeit rote Zahlen in Aussicht. 2013 und 2014 waren vergleichsweise bescheidene Gewinne ausgewiesen worden.

Laut Micronas-CEO Matthias Bopp ist die Unterstützung des TDK-Angebots aber kein Eingeständnis, die früher genannten Margenziele nicht auch allein erreichen zu können. «Im Verbund mit TDK geht es einfach viel schneller», betonte er. Unter anderem sei dank des Zusammenschlusses eine andere Kostenstruktur möglich, so VRP Kreutzer.

Verschiedene Sensortechnologie
TDK will mit der Übernahme das Geschäft mit Sensoren weiter ausbauen, indem die eigene Magnet-Technologie mit der sogenannten Hall-Technologie von Micronas kombiniert wird. «Wir glauben, dass diese Akquisition eine perfekte Kombination ist, die Synergien in Produktion und Umsatz innerhalb beider Firmen ermöglicht», liess sich TDK-Manager Shigenao Ishiguro zitieren.

TDK ist im Vergleich mit Micronas ein Riese. Das Unternehmen beschäftigt 88’000 Mitarbeiter und erzielte im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz von umgerechnet 8,8 Mrd CHF.

Frist startet um den 12. Januar
Die Angebotsfrist an die Micronas-Aktionäre startet voraussichtlich um den 12. Januar 2016 und endet am oder um den 10. Februar. Bereits Anfang März soll die Transaktion gemäss den Plänen abgeschlossen sein. Die Publikation der Jahresergebnisse 2015 und die GV wurden auf ein unbestimmtes Datum verschoben.

Die Transaktion bedarf noch der Zustimmung der Kartellbehörden. Eine weitere Voraussetzung ist, dass mindestens 67% der ausstehenden Micronas-Aktien angedient werden.

Ein ehemaliger Highflyer
Analysten bezeichneten den gebotenen Preis als attraktiv. Alternative Übernahmeangebote seien daher nicht zu erwarten, und die kartellrechtlichen Hürden seien wohl kein Problem. Dem Unternehmen habe es an der kritischen Masse gefehlt, hiess es zudem in einem Kommentar der Bank Vontobel.

Nun zeichnet sich somit auch das Ende des Handels mit Micronas-Aktien an der SIX ab. Das Unternehmen war seit 1996 an der Schweizer Börse kotiert. Viele Investoren dürften dem Titel allerdings keine Tränen nachweinen. Die Aktie war einer der Highflyer während des Technologiebooms um die Jahrtausendwende. Damals kostete eine Micronas-Aktie zweitweise über 100 CHF – also fast das gut 13fache des jetzt gebotenen Preises und das gut 25fache des Kurses vom Mittwochabend. (awp/mc/upd/ps)

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