Nationaler Trauertag in Gedenken an die Opfer von Crans-Montana
Crans-Montana VS – Nach dem verheerenden Brand in Crans-Montana VS mit 40 Toten und 119 Verletzten soll der kommende Freitag, 9. Januar, ein nationaler Gedenktag für die Opfer der Katastrophe sein. Das gab Bundespräsident Guy Parmelin in der Presse vom Sonntag bekannt.
Der Bund plane gemeinsam mit den Schweizer Kirchen für kommenden Freitag einen nationalen Trauertag, sagte der Bundespräsident in Interviews mit dem «SonntagsBlick» und der «SonntagsZeitung».
Schweizweit sollen demnach als Zeichen der nationalen Verbundenheit um 14 Uhr die Kirchenglocken läuten. Zudem sei zu diesem Zeitpunkt eine Schweigeminute vorgesehen, sagte Parmelin. «In diesem Moment der Einkehr können alle Menschen in der Schweiz persönlich der Opfer der Katastrophe gedenken», sagte er.
Zeitgleich wird eine Trauerfeier in Crans-Montana beginnen. Parmelin werde mit einer Delegation des Bundesrats und den Walliser Behörden an der Gedenkzeremonie teilnehmen, kündigte er in der «SonntagsZeitung» an. In den Interviews drückte Parmelin den Betroffenen erneut sein Mitgefühl und Beileid, den Einsatzkräften seine Bewunderung aus. Die Fahnen auf dem Bundeshaus wurden bereits am Neujahrstag für fünf Tage auf Halbmast gesetzt. Verschiedene Kantone und Städte folgten dem Beispiel.
«Allein nicht zu meistern»
Welche ausländischen Delegationen an der Trauerfeier in Crans-Montana teilnehmen werden, ist laut Parmelin noch nicht bekannt. Nach der Brandkatastrophe in einer Bar in dem Ferienort hätten ihn viele Staats- und Regierungschefs persönlich angerufen, sagte er. Die Nachbarländer boten ihre konkrete Unterstützung an, etwa durch medizinische Spezialisten. «Es ist klar, dass kein Land eine solche Ausnahmesituation allein meistern kann», sagte der Bundespräsident. Die Schweiz habe deshalb, wie es international vorgesehen sei, um Unterstützung ersucht.
Über den EU-Katastrophenmechanismus koordiniert die Europäische Union Hilfe bei grösseren Katastrophen in Mitgliedsstaaten und gewissen Nicht-EU-Ländern. «Verbrennungsopfer können bis Sonntag aus Schweizer Spitälern in spezialisierte Kliniken für Brandverletzte in verschiedenen europäischen Ländern aufgenommen werden», sagte Parmelin zur «SonntagsZeitung». Damit solle die bestmögliche Versorgung gewährleistet werden. Die Behandlungen dürften Monate dauern. «Es ist weiterhin ein Wettlauf gegen die Zeit», sagte er zu «SonntagsBlick».
Insgesamt rund 50 Patientinnen und Patienten sollen innert weniger Tage in ausländische Fachkliniken verlegt werden, wie die Behörden am Freitag mitteilten. Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien und weitere Länder haben Hilfe angeboten.
Rasche Aufklärung
Während die medizinische Betreuung der Verletzung weitergeht, untersucht die Justiz, die Hintergründe und Verantwortlichkeiten für die Brandkatastrophe in der Silvesternacht. «Wir müssen alles klären, und zwar so rasch und gründlich wie möglich», sagte Parmelin. Das sei man den Opfern und ihren Angehörigen schuldig. Ihm sei bewusst, dass die Ungewissheit für Angehörige extrem schwierig sei, sagte er zu «SonntagsBlick».
Die Walliser Staatsanwaltschaft eröffnete eine Strafuntersuchung gegen die beiden Barbetreiber. Ihnen werden fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst vorgeworfen. Das teilte die Kantonspolizei Wallis am Samstag mit. Sie wies darauf hin, dass bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung gilt. Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud hatte am Freitag vor den Medien erklärt, alles deute darauf hin, dass das Feuer von «Wunderkerzen» ausging.
Noch zu früh für Massnahmen
Die Frage, welche Massnahmen der verheerende Brand mit sich zieht, lässt sich laut Parmelin noch nicht beantworten. Zunächst müsse das Geschehene gründlich analysiert werden. «Wir dürfen nicht vergessen: Crans-Montana kann überall sein», sagte der Bundespräsident zur «Sonntagszeitung». Der Bund werde gemeinsam mit den Kantonen und den Gemeinden schauen, welche Massnahmen ergriffen werden könnten, um eine solche Katastrophe in Zukunft zu verhindern. (awp/mc/ps)