Nestlé klammert Russland-Risiko aus Prognose aus
Vevey – Nestlé lässt mögliche finanzielle Folgen der russischen Zwangsverwaltung in seiner Jahresprognose unberücksichtigt. Der Nahrungsmittelkonzern prüfe die Auswirkungen auf sein Russland-Geschäft weiterhin, teilte das Unternehmen am Montag in einem sogenannten Aide-Mémoire im Vorfeld der Neunmonatszahlen mit.
Ungeachtet des Russland-Vorbehalts bestätigt das Dokument die Erwartungen für das laufende Jahr: Für 2026 erwartet der Konzern ein organisches Umsatzwachstum von 3 bis 4 Prozent. Das zugrunde liegende operative Ergebnis soll sich im Vergleich zu 2025 verbessern und der freie Geldfluss mehr als 9 Milliarden Franken erreichen.
Entlastung verspricht sich Nestlé von tieferen Kaffee- und Kakaokosten sowie weiteren Einsparungen. Höhere Transport- und Energiekosten infolge des Nahostkonflikts wirken dagegen belastend.
Das Aide-Mémoire fasst bereits öffentlich gemachte Aussagen des Unternehmens zusammen. Es soll Investoren auf die Veröffentlichung der Neunmonatszahlen am 22. Oktober vorbereiten.
Russland übernimmt operative Kontrolle
Der Konzern betreibt in Russland sechs Fabriken und beschäftigt rund 7000 Personen. Das Land steht Schätzungen zufolge für gut 1 Prozent des Konzernumsatzes.
Russlands Präsident Wladimir Putin hatte Mitte September zwei russische Nestlé-Gesellschaften unter eine vorübergehende externe Verwaltung gestellt. Die operative Kontrolle ging damit an die weitgehend unbekannte Gesellschaft L.E.V. Management über. Hinter der Firma steht laut Medienberichten ein General des russischen Innenministeriums. Die Eigentumsrechte verbleiben formal bei Nestlé. Es handelt sich den Behörden zufolge nicht um eine Verstaatlichung.
Vergleichbare Zwangsverwaltungen endeten in Russland allerdings teilweise mit Verkäufen an kremlnahe Investoren. Nestlé prüft deshalb seine rechtlichen und finanziellen Möglichkeiten.
Unter der neuen Verwaltung teilte die Führung von Nestlé in Russland mit, sie führe ihre Geschäftstätigkeit vollständig fort und erwarte von der Zusammenarbeit mit L.E.V. Management unter anderem Effizienzsteigerungen. (awp/mc/pg)