Nestlé gibt trotz Corona Gas

Mark Schneider
Nestlé-Konzernchef Mark Schneider. (Foto: Nestlé)

Vevey – Die Coronakrise hat 2020 vieles auf den Kopf gestellt – auch für Nestlé. Das zuvor wachsende Geschäft mit der Verpflegung unterwegs und die Schwellenländer wurden stark ausgebremst. Dennoch konnte der weltgrösste Nahrungsmittelriese auch 2020 profitabel wachsen.

Angesichts der Pandemie und den weltweiten Lockdowns oder Einschränkungen blieben mehr Leute zuhause. Sie gaben weniger Geld für Restaurants, Reisen und Verpflegung für unterwegs aus, konsumierten dafür aber umso mehr zuhause. Und oft setzten sie dabei auch auf vierbeinige Gefährten. Davon profitierte Nestlé 2020: Der Nahrungsmittelriese konnte insbesondere deutlich mehr Hunde- und Katzenfutter, Kaffee und Vitamine verkaufen.

Aus eigener Kraft wuchs Nestlé im vergangenen Jahr um 3,6 Prozent. Das ist ein Tick mehr als von Nestlé prognostiziert und von Analysten erwartet. Der ausgewiesene Umsatz ging allerdings wegen Firmenverkäufen und des starken Frankens um knapp 9 Prozent auf 84,3 Milliarden Franken zurück.

Am Umsatz verdiente Nestlé auf Stufe Betriebsgewinn 17,7 Prozent und damit etwas mehr als noch im Vorjahr mit 17,6 Prozent. In absoluten Zahlen sank der bereinigte Betriebsgewinn um 8,3 Prozent auf 14,9 Milliarden und der Reingewinn um 3,0 Prozent auf 12,2 Milliarden Franken. Die Aktionäre sollen eine um 5 Rappen erhöhte Dividende von 2,75 Franken je Aktie erhalten.

Ausserhaus-Geschäft gebremst
Konkurrenten von Nestlé hatten deutlich mehr zu kämpfen: So schaffte Rivale Unilever mit 1,9 Prozent ein deutlich kleineres Wachstum. Die französische Danone gibt ihre Jahreszahlen erst am (morgigen) Freitag bekannt, dürfte nach einem organischen Minus von 1,6 Prozent nach neun Monaten aber kaum mehr zu Nestlé aufschliessen können.

Alle drei Konzerne litten darunter, dass Corona einiges auf den Kopf gestellt hat. Nestlé aber konnte die Folgen davon durch die breite Aufstellung abfedern. So machte Danone besonders der Einbruch des Ausserhaus-Geschäfts infolge der Lockdowns zu schaffen. Bei dem Konzern macht das Geschäft mit abgefülltem Wasser einen deutlich grösseren Anteil als bei Nestlé aus. Bei Nestlé steuert das ganze Ausserhaus-Geschäft insgesamt gegen 15 Prozent zum Umsatz bei.

„Das Ausserhaus-Geschäft wird sich erholen, allerdings könnte das durchaus zwei bis drei Jahre dauern“, sagte Nestlé-Chef Mark Schneider am Donnerstag an einer Medienkonferenz. Die Welt werde aber auch nach der Pandemie eine andere sein: Das flexible Arbeiten im Home-Office etwa werde bleiben. Nestlé stellt sich darauf etwa ein, indem der Konzern vermehrt auf Lieferdienste für Fertigmahlzeiten setzt, so mit dem Zukauf der US-Firma Freshly oder der Mehrheitsbeteiligung an der britischen Mindful Chef.

Schwellenländer ziehen wieder an
Auch bei den Regionen wirbelte die Corona-Pandemie einiges durcheinander: Die Schwellenländer, die zuvor jahrelang als Wachstumstreiber galten, wurden stark durch die Pandemie gebremst, während in den Industrieländern Hamsterkäufe das Geschäft auf Touren brachten. Diese Dynamik belastete die stark in den Schwellenländern vertretene Unilever.

Nestlé dagegen erzielt den Grossteil seiner Umsätze (2020: 59%) weiterhin in den Industrieländern. Diese beschleunigten 2020 ihr Wachstum auf 3,8 von 2,6 Prozent, während sich das Tempo in den Schwellenländern auf 3,4 von 4,7 Prozent verlangsamte. Allerdings zeigte sich hier zum Jahresende bereits wieder eine Erholung. Die Schwellenländer dürften in den nächsten Jahren denn auch ein Schlüssel-Wachstumstreiber bleiben, sagte Nestlé-Finanzchef François-Xavier Roger.

Optimistisch für die Zukunft
Für andere Trends, die durch Corona lediglich beschleunigt wurden, sieht sich Nestlé derweil gut aufgestellt: So beim Onlinewachstum, der Nachfrage nach qualitativ hochstehenden Produkten sowie mehr Nachhaltigkeit und pflanzenbasiertem Fleischersatz.

Nestlé-Chef Mark Schneider zeigte sich daher zuversichtlich, 2021 noch eine Schippe drauflegen zu können beim Wachstum: Möglich sei sogar, dass die Marke von 4 Prozent geknackt werde. Damit würde Nestlé in die mittelfristig angepeilte Wachstumszone vorstossen. Der Konzern hat sich zum Ziel gesetzt, organisch ein anhaltendes Wachstum im mittleren einstelligen Bereich zu erzielen, was 4 bis 6 Prozent entsprechen würde. Auch die Profitabilität soll sich „kontinuierlich moderat“ verbessern.

Für Analysten hat Nestlé einmal mehr seine Widerstandsfähigkeit unter Beweis gestellt. Grössere Überraschungen blieben aber aus. An der Börse schlugen die Neuigkeiten daher keine hohen Wellen. Die Nestlé-Titel gingen in einem schwachen Gesamtmarkt mit minus 1,1 Prozent aus dem Handel. (awp/mc/ps)

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