Oerlikon verkauft Getriebe-Sparte an US-Konzern Dana

Roland Fischer
Oerlikon-CEO Roland Fischer. (Foto: Oerlikon)

Pfäffikon – Oerlikon trennt sich nach dem geplatzten Börsengang auf anderem Wege von seiner Getriebesparte. Der Industriekonzern verkauft das Segment Drive Systems an den US-Autozulieferer Dana. Die Getriebesparte wird dabei mit 600 Millionen Franken bewertet.

So viel Bargeld soll denn auch nach Abschluss der Transaktion in die Oerlikon-Kassen fliessen, wie aus einer Mitteilung des Konzerns vom Montag hervorging. Das Geld will Oerlikon in den Ausbau seiner beiden verbleibenden Kernbereiche Oberflächenlösungen und moderne Werkstoffe investieren.

Abschluss bis Frühjahr 2019 geplant
Der Verkauf soll bis Ende des Jahres oder im ersten Quartal 2019 abgeschlossen werden, wie es weiter hiess. In mehreren Ländern müssen noch die Kartellhüter ihren Segen erteilen.

Ab dem zweiten Quartal 2018 wird Oerlikon das Segment nun als «nicht fortgeführte Aktivitäten» ausweisen. Drive Systems erwirtschaftete 2017 einen Umsatz von 730 Millionen Franken und erzielte einen Betriebsgewinn auf Stufe EBITDA von 78 Millionen Franken. Weltweit arbeiten über 5’100 Mitarbeitende für das Segment. Die Sparte wurde erst kürzlich einer Neuausrichtung unterzogen.

Verstärkung bei E-Mobilität für Dana
Der Käufer Dana ist ein amerikanischer Zulieferer für die Auto-, Lastwagen- und Baumaschinenindustrie. Das Unternehmen setzte 2017 mit über 30’000 Mitarbeitenden 7,2 Milliarden Dollar um. Unter anderem verkauft Dana Achsen, Antriebswelle und Getriebe an Autohersteller wie Ford, Fiat-Chrysler oder Nissan. Rund die Hälfte seines Umsatzes erzielt der US-Konzern in Nordamerika, Europa folgt mit 30 Prozent.

Mit dem Zukauf will Dana die eigene Produktpalette erweitern, stärker vom E-Mobilitätstrend profitieren und mit der Produktion näher an Wachstumsmärkte wie China, Indien und die USA rücken. Drive Systems hat seine Fertigungsschwerpunkte mit der Marke Fairfield in den USA und mit Graziano in Italien. Aber auch in China und Indien ist das Unternehmen vertreten, in der Volksrepublik werden derzeit zwei neue Produktionswerke gebaut.

Auch punkto Abnehmerindustrien verhilft Drive Systems Dana zu einer grösseren Breite. Ein Fokus des bislang zu Oerlikon gehörenden Geschäfts sind Komponenten für Maschinen und Fahrzeuge für Bergbau, Bau, oder den Bereich Öl und Gas. Dana erzielte bislang mit drei Fünfteln den Löwenanteil des Umsatzes mit Personenautos, je ein Fünftel verteilen sich auf Lastwagen und «Off-Highway» wie Traktoren und Bergbaumaschinen.

Börsengang wegen Unsicherheit an Märkten abgesagt
Oerlikon hatte seine Getriebesparte eigentlich am 11. Juli unter dem Namen GrazianoFairfield an die Schweizer Börse bringen wollen. Geplant war, 87 Prozent der Anteile zu platzieren. Dabei strebte das Unternehmen eine Marktkapitalisierung von 480 bis 620 Millionen Franken an.

Allerdings wurde der Börsengang kurzfristig wegen der Unsicherheit an den Finanzmärkten verschoben. Bei der Absage hiess es damals, zu einem späteren Zeitpunkt solle ein neuer Anlauf genommen werden.

Die Zukunft der Getriebesparte stand bereits seit längerem auf dem Prüfstand. In den vergangenen Quartalen wurde hier der Umsatz zwar deutlich gesteigert, und auch die Marge erreichte wieder einen ansehnlichen Wert. Trotzdem hatte das Management immer wieder betont, für den Bereich eine andere Lösung finden zu wollen. Im März des laufenden Jahres wurde dann auch die Option eines Börsenganges ins Spiel gebracht, der dann vor zwei Wochen angekündigt wurde.

Bei den Anlegern kam der Verkauf nun sehr gut an. Analysten begrüssten, dass Oerlikon sich nun dem Ausbau seiner beiden Kernbereiche widmen kann. Bis am Mittag zog die Aktie in einem insgesamt freundlichen Gesamtmarkt um 4,2 Prozent an. (awp/mc/pg)

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