Angehörige und Amtsträger gedenken der Brandopfer von Crans-Montana
Martigny – Familien, Freunde, Politiker und Einsatzkräfte haben am Freitag in Martigny VS der Verstorbenen der Silvester-Tragödie von Crans-Montana VS gedacht. Neben Bundespräsident Guy Parmelin und dem Walliser Staatsrat Mathias Reynard erhielten auch betroffene Jugendliche das Wort.
Rund 700 Gäste nahmen an der Gedenkfeier teil, darunter 150 Angehörige der Opfer sowie Amtsträger und Rettungskräfte. Der Walliser Journalist Benoît Aymon eröffnete die Zeremonie offiziell. Immer wieder wurden Momente der Besinnung und musikalische Einlagen geboten.
Wie auch im Rest der Schweiz war um 14 Uhr im Kongresszentrum in Martigny nicht mehr zu hören als Stille. Anlässlich des nationalen Trauertags wurde landesweit mit einer Schweigeminute der Opfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana gedacht.
«Schweiz in Trauer vereint»
«Am Neujahrstag hat uns ein unvorstellbares Unglück getroffen, ein Unglück, das – ich möchte es betonen – die ganze Schweiz in Trauer vereint hat», sagte Parmelin in seiner Rede. Er könne wohl im Namen des ganzen Landes sprechen, wenn er sage, dass man an diesem Tag zusammengekommen sei, um die Last dieses Unglücks gemeinsam zu tragen. «Sie wird dadurch nicht leichter werden, aber wenn dieser Tag auch nur ein wenig dazu beitragen kann, unsere unendliche Trauer zu lindern, so hat er seinen Sinn bereits erfüllt.»
Diese Tragödie habe in der Schweiz tiefe Bestürzung ausgelöst. «Die Schweiz verneigt sich vor denen, die nicht mehr unter uns sind, und steht denen zur Seite, die eine lange und beschwerliche Genesung vor sich haben.»
Für Parmelin widerspiegelt sich letztendlich in den Worten «undenkbar, unaussprechbar, unsichtbar» die Fassungslosigkeit, «die wir angesichts der Katastrophe noch immer empfinden».
«Undenkbar, weil ein Land, in dem Gründlichkeit und Zuverlässigkeit einen so hohen Stellenwert haben wie in unserem, in der Lage sein muss, die Risiken zu erkennen, die immer und überall lauern können.» Unaussprechbar, weil Worte nicht ausreichten, um den Verlust, den Kummer und das Leid zu beschreiben oder gar zu bemessen. Unsichtbar, weil so viele junge Menschen nicht mehr lebten.
Staatsrat verspricht Aufklärung
Reynard versprach bei der Gedenkveranstaltung volle Aufklärung der Ursachen und Verantwortlichkeiten der Brandkatastrophe in der Silvesternacht. «Heute sind wir hier, um Euch zu ehren, um Euch zu sagen: Wir werden Euch nie vergessen. Aber Worte und Schweigen werden nicht reichen. Heute müssen wir auch reden – darüber, wer die Verantwortung für das Unglück trägt», sagte der Politiker mit bewegter und teils gebrochener Stimme.
Reynard dankte den Rettungskräften, den Spitälern im In- und Ausland, allen, die solidarisch waren. An die Jugend gerichtet, sagte er: «Ihr dürft weinen, aber ihr dürft auch wieder lachen.» Aus der gemeinsamen Erinnerung könne Kraft gewonnen werden.
Neben weiteren nationalen Amtsträgern wie den Bundesräten Beat Jans und Ignazio Cassis waren auch Präsidenten aus dem Ausland in Martigny anwesend. So etwa die Präsidenten Frankreichs, Emmanuel Macron, und Italiens, Sergio Mattarella. Beide drückten ihre Anteilnahme unter anderem mit einem Schreiben im offiziellen Kondolenzbuch aus.
Jugendliche erhalten das Wort
Unter den 40 Todesopfern und zahlreichen Verletzten befanden sich vor allem Jugendliche und junge Erwachsene. Drei von ihnen, welche sich am Abend des Unglücks vor Ort aufhielten, sprachen an diesem Freitagnachmittag.
«Dieser Abend, der den Beginn eines Neuanfangs markieren sollte, endete in einem Alptraum», sagte Maria Albrecht vor den versammelten Gästen. Mit leichtem Herzen und unbeschwertem Geist seien sie an diesem Abend gegenüber der Bar «Le Constellation» gewesen, als sich ihnen unerträgliche Bilder boten. «Was wir an diesem Abend gesehen haben, werden wir nie vergessen, aber wir können es in Kraft verwandeln», sagte sie weiter.
Die heutige Generation wachse in einer fragilen, harten und manchmal ungerechten Welt auf, sagte Aline Morisoli. «Wir bewundern zutiefst die jungen Menschen, die nicht aufgeben und ihren Leidenschaften und Werten folgen. Wir sind stolz auf euch, lasst euch nicht unterkriegen und geniesst jeden Moment in vollen Zügen». Jede Anstrengung zähle – auch jene, die nicht gesehen werde. (awp/mc/pg)