Perfect Holding hat endlich einen Partner gefunden

Perfect Holding hat endlich einen Partner gefunden
(Bild: Perfect Holding)

Lausanne – Die Westschweizer Perfect Holding schreibt seit bald neun Jahren konstant Verluste. Und die Gesellschaft, die Geschäftsflugzeuge vermietet, sucht seit dem ersten Tag ihrer Existenz nach einer anderen Firma, mit der sie sich zusammenschliessen kann. Nun könnte es tatsächlich so weit sein.

Man habe am (gestrigen) 26. September eine vertrauliche Absichtserklärung für den möglichen Kauf eines kürzlich gegründeten Unternehmens unterzeichnet, teilten die Lausanner am Freitag mit. Das Zielobjekt, ein Schweizer Technologie- und Softwareunternehmen, sei ebenfalls im Bereich Luftfahrt tätig. Und es sei profitabel.

Etwas, das Perfect nicht von sich behaupten kann. Das Unternehmen meldet sich üblicherweise nur zwei Mal pro Jahr: mit dem Jahres- und dem Halbjahresabschluss. Und seit dem Geschäftsjahr 2012 weist die Gesellschaft jeweils einen kleinen Verlust aus. Nicht anders im ersten Halbjahr 2019: Bei einem Umsatz von 7,7 Millionen Franken stand unter dem Strich ein Verlust von 0,6 Millionen zu Buche.

Schattendasein an der Börse
Ansonsten fristet die Gesellschaft ein Schattendasein an der Schweizer Börse. Auch heute: Trotz der „News“ wurden die Papiere an der SIX am Berichtstag noch nicht gehandelt. Und Analysten deckten die Firma ohnehin nie ab.

Zuletzt wurden am Donnerstag 1,4 Rappen für eine Aktie bezahlt. Als die Firma 2010 erstmals als „Perfect Holding“ firmierte, kosteten sie noch 30 Rappen. Seither geht es nur noch abwärts. Das ist ein Klacks im Vergleich zu den Jahren davor, als die Firma noch anders hiess und einen anderen Gesellschaftszweck hatte. Aber dazu später mehr.

Und ebenfalls seit Jahren schliesst das Communiqué üblicherweise mit dem Satz, man wolle „die Suche nach Gesellschaften für mögliche Zusammenschlüsse fortsetzen“. Nun ist die Perfect Holding also offenbar fündig geworden.

Aussicht auf Diversifikation
Auf Anfrage von AWP wollte das Unternehmen jedoch keine weiteren Angaben zu der möglichen Transaktion machen. Einzelheiten würden zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben. Bekannt ist damit einzig, dass eine Übernahme via einen Aktientausch erfolgen würde. Und dass es zu einer Verwässerung für die Altaktionäre kommen würde. Das hört sich möglicherweise nach einer Kapitalerhöhung an.

Dafür winkt Perfect mit der Aussicht auf die Diversifikation „in ein neues und vielversprechenderes Geschäftsfeld“ – eines mit besseren Margen und mehr Wachstumspotenzial.

„4M Technologies“ neu erfunden
Wer als Aktionär schon sehr lange bei Perfect dabei ist, hat nicht nur eine Diversifikation mitgemacht, sondern eine komplette Transformation des Unternehmens. Bevor man nämlich in den Bereich Flugzeugmanagement- und Leasing eintrat, firmierte die Gesellschaft noch bis Ende 2009 unter dem Namen „4M Technologies“, hatte den Firmensitz noch in Yverdon und war in der Herstellung von Produktionsanlagen für CD-ROM und DVD tätig.

Hatte 4M 1999 noch einen Gewinn von gut 10 Millionen Franken ausgewiesen, kämpfte sie bereits zwei Jahre später ums Überleben. Weltweite Überkapazitäten hatten das Unternehmen in Bedrängnis und an den Rand des Ruins getrieben, dazu kam der Konkurrent Internet. Ein Kollaps konnte 2001 nur durch eine Nachlassstundung und Neukapitalisierung verhindert werden.

4M gehörte zu jenen Hightech-Firmen, die mit viel Vorschusslorbeeren am „Neuen Markt“ der Schweizer Börse gestartet waren, dann aber abstürzten. In den besten Tagen, im Februar 1999, hatten die 4M-Aktien 880 Franken gekostet. So viel zum erwähnten „Klacks“.

Der „Swiss New Market“, er sollte als schweizerisches Gegenstück zur amerikanischen Nasdaq etabliert werden, wurde dann Mitte 2003 zu Grabe getragen. In seinen besten Zeiten waren 17 Unternehmen im Index vertreten, zuletzt waren es noch neun. (awp/mc/pg)

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