Petroplus steht vor der Pleite

Jean-Paul Vettier

Petroplus-CEO Jean-Paul Vettier.

Zug – Der angeschlagene Raffineriebetreiber Petroplus hat in den seit Ende Dezember laufenden Verhandlungen mit den Kreditgebern keinen Erfolg erzielen können und muss nun die Nachlassstundung vorbereiten. Dies gab das Unternehmen am Dienstag bekannt. Petroplus sei für Schuldverschreibungen und Anleihen im Volumen von 1,75 Mrd USD technisch zahlungsunfähig geworden, teilte das Unternehmen mit.

Der Schritt zur Nachlassstundung würde sowohl in der Schweiz als auch in jenen Ländern eingeleitet, in denen Petroplus mit Tochterfirmen vertreten ist, also in Deutschland, Grossbritannien, Frankreich und Belgien. Das Ziel müsse es nun sein, dass alle Operationen sicher heruntergefahren werden und möglichst viel Wert für die verschiedenen Stakeholders erhalten werden könne.

Seit Dezember unter Druck
Der Raffineriebetreiber war Ende Dezember in massive Schwierigkeiten geraten, nachdem dessen kreditgebende Banken noch nicht bezogene Kredite in Höhe von 1 Mrd USD (rund 932 Mio CHF) eingefroren hatten und das Unternehmen kein Rohöl mehr zur Verarbeitung kaufen konnte. Petroplus hatte seitdem mit den Kreditinstituten verhandelt und zeitweise auch den Verkauf der Anlagen im französischen Petit-Couronne erwägt sowie den Verkauf der Anlagen in belgischen Antwerpen und im schweizerischen Cressier zumindest nicht ausgeschlossen.

Bange Stunden für die Angestellten
Am Standort Cressier im Kanton Neuenburg beschäftigt das Unternehmen rund 260 Mitarbeitende. Was mit ihnen genau passieren wird, ist derzeit noch unklar. Anfragen der Nachrichtenagentur sda waren vom Unternehmen mit dem Hinweis auf später folgende Angaben nicht beantwortet worden. Am vergangenen Freitag hatte Petroplus in einem internen Memo ausserdem auch einen möglichen Stellenabbau in der Konzernzentrale im Kanton Zug angedeutet mit dem Hinweis, dass die Arbeitsbelastung abnehmen dürfte. Gesamthaft beschäftigt Petroplus über seine verschiedenen Länderniederlassungen verteilt rund 2500 Angestellte. Bis zum Beginn der Schwierigkeiten verarbeitete der Konzern 667’000 Barrel Rohöl pro Tag.

Käufer für Erdölraffinerie Cressier im Gespräch
Der Neuenburger Staatsrat Thierry Grosjean bleibt im Hinblick auf die Zukunft der Erdölraffinerie Cressier optimistisch – trotz der möglichen Pleite des derzeitigen Betreibers Petroplus. Das Ziel sei es, durch einen Weiterbetrieb potenzielle Käufer anzulocken.

Interesse grosser ausländischer Konzerne
«Es gibt fünf bis zehn interessierte Käufer», erklärte Grosjean am Dienstagnachmittag anlässlich einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz in Neuenburg. Er nannte zwar keine Namen, bestätigte jedoch, dass es sich bei den Interessenten um grosse ausländische Konzerne handle, die auf das Betreiben von Raffinerien spezialisiert seien.

Man wisse derzeit noch nicht genau, zu welchem Preis und zu welchen Konditionen die potenziellen Käufer zu einem Einstieg bereit wären, präzisierte das Mitglied der Kantonsregierung. Für den Kanton sei es von oberster Priorität, den Wert des Standorts zu erhalten. (awp/mc/pg/ps)

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