Polyphor-Aktien brechen nach eingestellten Studien ein

Polyphor-Aktien brechen nach eingestellten Studien ein
Polyphor-CEO Giacomo Di Nepi. (Foto: Polyphor)

Zürich – Die Pharmafirma Polyphor muss eine schwere Enttäuschung wegstecken: Wegen starker Nebenwirkungen bei zahlreichen Patienten muss das Unternehmen die Patientenrekrutierung für zwei wichtige Studien mit seinem Schlüssel-Kandidaten Murepavadin vorerst einstellen.

Wie das Unternehmen am Donnerstagabend bereits mitgeteilt hatte, wurde Murepavadin dabei zur Behandlung einer im Krankenhaus erworbenen Lungenentzündung eingesetzt. Der vorübergehende Rekrutierungs-Stopp wurde mit einer überraschend hohen Häufigkeit von Nierenversagen bei den bisher behandelten Patienten erklärt. In 56 Prozent der Fälle sei es dazu gekommen, so die Mitteilung. Erwartet worden sei höchstens ein Wert von 40 Prozent.

Daten werden nochmals genau analysiert
Polyphor-CEO Giacomo Di Nepi zeigte sich am Freitag während einer Telefonkonferenz „enttäuscht“ über diese Entwicklung. Nun müsse man warten, bis die vorhandenen Daten nochmals genau analysiert wurden. Die Ergebnisse stellt der Unternehmensleiter für Juli in Aussicht.

Verwaltungsrat und Chief Medical and Development Officer a.i., Frank Weber, erklärte während der Konferenz auch, dass sich erst mit den Ergebnissen dieser Analyse bestimmen lasse, in welche Richtung es danach weitergehe. Hier sehe er aktuell drei Möglichkeiten. So sei denkbar, die jetzigen Programme wieder aufzunehmen und eventuell nur kleine Veränderungen vorzunehmen, wie eine Warnung oder eine andere Dosierung. Eine zweite Möglichkeit sei es, die Programme verstärkt zu ändern. Die dritte Alternative wäre, die Rekrutierung tatsächlich komplett zu stoppen.

Finanzielle Auswirkung noch nicht absehbar
Auch über die finanziellen Auswirkungen könne man sich erst dann äussern, ergänzt CEO Di Nepi. „Bevor wir die Daten nicht ausgewertet haben, ist es schwer, etwas über die zuletzt gemachten Prognosen zu sagen.“ Immerhin sei man bei der Jahresprognose von einer anderen Ausgangslage ausgegangen. Mitte März hatte Polyphor für 2019 operative Kosten im Bereich von 65 bis 80 Millionen Franken in Aussicht gestellt.

Während die beiden Manager darum bemüht sind, einen Rest Hoffnung zu erhalten, fällt das Urteil von ZKB-Analyst Michael Nawrath ernüchternd aus. Aus Erfahrung müsse er seine 50:50-Chance einer Zulassung für den Kandidaten Murepavadin auf eine Residualchance von 5 Prozent reduzieren, schreibt der Experte. Auch die Detailanalyse im Juli werde kaum den Fakt der in hohen Masse auftretenden Nierenschädigungen ändern können. Als Konsequenz hat Nawrath das Rating für die Papiere auf „Untergewichten“ von „Übergewichten“ gekappt.

An der Börse hat sich der Polyphor-Kurs am Freitag bis 11.00 Uhr auf 12,60 Franken halbiert. (awp/mc/pg)

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