Roche überrascht mit Zahlen und Chefwechsel

Roche überrascht mit Zahlen und Chefwechsel
Thomas Schinecker, bisheriger Leiter der Division Diagnostika bei Roche, soll im März 2023 als CEO auf Severin Schwan folgen. (Bild: Roche)

Basel – Die Überraschung ist dem Pharmakonzern Roche gelungen. Statt wie erwartet nur über die Halbjahreszahlen zu berichten, kündigte der Riese auch gleich einen Chefwechsel an.

Die Halbjahresbilanz spielt an diesem Donnerstag denn auch eher eine untergeordnete Rolle. Immerhin soll der jetzige CEO Severin Schwan im März 2023 der neue Verwaltungsratspräsident werden und damit Christoph Franz ablösen.

Neuer Roche-CEO wiederum soll Thomas Schinecker werden, seit 2019 Leiter der Diagnostik-Sparte. Mit dieser Entscheidung setze man auf Kontinuität, erklärte Schwan am Donnerstag im Gespräch mit Journalisten.

Zu einer strategischem Neuausrichtung soll es daher unter der künftigen Leitung von Schinecker auch nicht kommen. Vielmehr sei es sein Ziel, «dass die Pharma- und Diagnostik-Sparte künftig noch enger zusammenarbeiten».

Diagnostik-Sparte wächst
Dass auch der künftige CEO etwas von dem Job versteht, zeigen die ebenfalls am Donnerstag vorgelegten Zahlen. Denn einmal mehr ist der Gruppenumsatz von Roche vor allem dank eines überraschend starken Diagnostik-Geschäftes gestiegen.

So lag der Konzernumsatz für die ersten sechs Monate 2022 bei 32,3 Milliarden Franken, was einem Plus von 5 Prozent entspricht. Zu konstanten Wechselkursen legten die Verkäufe ebenfalls um 5 Prozent zu.

Allerdings fallen die Wachstumsraten zwischen dem ersten und zweiten Quartal sehr unterschiedlich aus. Ist der Umsatz in den ersten drei Monaten noch um 11 Prozent gewachsen, hat er im zweiten Quartal stagniert. Die ist vor allem einer nachlassenden Nachfrage nach Corona-Tests und -Medikamenten geschuldet.

Wie Roche-CEO Schwan denn auch im Video-Interview mit AWP erklärte, ist auch im restlichen Jahresverlauf mit einem weiteren Nachfragerückgang zu rechnen.

Umsatzerosion schwächt sich ab
Von den beiden Sparten steuerte Pharma 22,4 Milliarden Franken bei (+3%). Während sich die Umsatzerosion durch Nachahmerprodukte für die altgedienten Blockbuster Avastin, Herceptin und MabThera/Rituxan abschwächte, leisteten die wichtigsten neueren Mittel wie das Blutermedikament Hemlibra oder Evrysdi zur Behandlung von SMA einen massgeblichen Beitrag zum Wachstum.

Die kleineren Diagnostik-Sparte weist für die ersten sechs Monate einen Umsatz von 9,9 Milliarden Franken aus, was um 10 Prozent über dem Vorjahreswert liegt. Hier habe sich insbesondere das Basisgeschäft weiter stark erholt, teilte Roche mit. Aber auch das Geschäft mit Covid-Tests legte gegenüber dem Vorjahreszeitraum nochmals zu.

Unter dem Strich blieb ein Konzerngewinn nach IFRS von 9,1 Milliarden übrig, ein Plus von 12 Prozent zur Vorjahresperiode. Hierin enthalten sei ein positiver Effekt aus der Beilegung eines Patentstreits in Japan sowie aus dem Rückkauf der eigenen Aktien vom Konkurrenten Novartis. Der operative Kerngewinn, auf den Analysten vornehmlich schauen, stieg um 9 Prozent auf 12,7 Milliarden.

Ausblick bestätigt
Für das Geschäftsjahr 2022 bleibt das Roche-Management bei seinem vorsichtigen Ausblick. Zu konstanten Wechselkursen peilt der Konzern ein Verkaufswachstum im stabilen bis niedrigen einstelligen Prozentbereich an. Der Kerngewinn je Titel soll im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen. Ausserdem bleibt die Gruppe bestrebt, die Dividende in Schweizer Franken zu erhöhen. (awp/mc/ps)

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