SBB hat erneut mehr Passagiere

Andreas Meyer

SBB-CEO Andreas Meyer.

Bern – Die Zahl der SBB-Passagiere ist im vergangenen Jahr weiter um 2,7% angestiegen, doch der Ertrag beim Personenverkehr ist um 27% zurückgegangen. Das Konzernergebnis der SBB ist mit 339 Mio CHF rund 40 Mio besser als im Vorjahr. Verwaltungsratspräsident Ulrich Gygi appellierte an der Bilanzmedienkonferenz vom Donnerstag in Zürich an Politik und Volk, die wichtige Vorlage zu «Finanzierung und Ausbau der Bahninfrastruktur» (FABI) nicht scheitern zu lassen. Es sei der «Lebensnerv des künftigen Bahnverkehrs».

Nur schon eine Verzögerung der Vorlage habe einschneidende Auswirkungen auf die Qualität des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz. Verteilschlüssel und Prioritäten der einzelnen Projekte sind heftig umstritten. Gygi mahnte die Regionen zu «Mässigung und Weitsicht im nationalen Interesse». Das Volk wird voraussichtlich 2013 oder 2014 über die Bahnfinanzierungsvorlage abstimmen.

Bald eine Million Passagiere täglich

Die SBB-Passagierzahlen haben in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen, im letzten Jahr um 26’000 auf 977’000 pro Tag, wie SBB-Chef Andreas Meyer sagte. Auch der Marktanteil im Wettbewerb mit anderen Verkehrsmitteln sei leicht angestiegen, insgesamt von 25,2 auf 25,4%, im Pendlerverkehr von 32,7 auf 34,1%. Zum Konzerngewinn steuerte der Personenverkehr 214 Mio CHF bei, 79 Mio weniger als im Jahr zuvor. Die höhere Billettpreise hätten die vom Bundeserat beschlossenen höheren Trassenpreise nur zur Hälfte abfedern können.

Weil diese Trassenkosten in zwei Schritten nochmals steigen werden, seien weitere Effizienzsteigerungen nötig, sagte Meyer. Nach den Worten von Gygi werden auch Tariferhöhungen nicht zu vermeiden sein. Doch auch Angebot und Service würden ausgebaut. Auf die Formel «für mehr Geld erhält der Kunde auch mehr Bahn» fasst dies der Verwaltungsratspräsident zusammen.

Güterverkehr definitiv sanieren

Sorgenkind ist noch immer der Güterverkehr. Dieser stagnierte wegen eines rückläufigen Binnenmarktes und unter dem Druck des starken CHFs. SBB Cargo und SBB Cargo International transportierten letztes Jahr 195’000 Tonnen Güter pro Tag, 5’000 Tonnen weniger als 2010. Die Ausgliederung des internationalen Güterverkehrs habe sich postitiv auf das Konzernergebnis ausgewirkt, sagte Finanzchef Georg Radon. Das Defizit beim Güterverkehr sank auf 46 (Vj 64) Mio CHF. Meyer strebt bis im Jahr 2013 schwarze Zahlen beim Güterverkehr an. In den letzten zehn Jahren habe SBB Cargo Verluste von insgesamt 800 Mio CHF eingefahren, sagte Verwaltungsratspräsident Ulrich Gygi. Die SBB unternähmen gegenwärtig den dritten grossen Sanierungsversuch, und dieser müsse der letzte sein.

Laut Meyer gäbe es ohne Sanierungsmassnahmen 2013 dreistellige rote Zahlen. Der SBB-Chef will den kombinierten Güterverkehr im Inland fördern. Für die Sanierung müsse man auch den Mut haben, alte Zöpfe abzuschneiden. Mit ihren Immobilien erzielte die SBB einen Gewinn von 183 Mio CHF. Bei der Infrastruktur gab es einen Überschuss von 72 Mio. Die verzinslichen Schulden sind leicht abgebaut worden, aber mit fast acht Milliarden CHF immer noch sehr hoch.

Gut genutztes Netz

Keine andere Bahn der Welt nutzt ihr Schienennetz besser als die SBB. Über jeden Kilometer Gleis fuhren pro Tag durchschnittlich 96,3 Züge. Auch bei der Pünktlichkeit habe die SBB zugelegt: 89,8% der Passagiere erreichten ihr Ziel mit maximal drei Minuten Verspätung (2010: 87%). Und in 97,7% aller Fälle hätten die Anschlüsse gewährleistet werden können. Diese Werte seien höher als je zuvor, rühmt sich die SBB. (awp/mc/ps)

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