Schweizer Aussenhandel stagniert im November auf hohem Niveau

Schweizer Aussenhandel stagniert im November auf hohem Niveau
(Bild: © Binkski / AdobeStock)

Zürich – Der Schweizer Aussenhandel hat sich im letzten Monat erneut in beide Richtungen rückläufig entwickelt. Die Exporte sanken dabei auf breiter Front, während es in Bezug auf die grossen Absatzmärkte ein Plus nach Nordamerika gab. Insgesamt stagnieren die Ausfuhren weiterhin, allerdings auf hohem Niveau.

Konkret gingen die Ausfuhren im November saisonbereinigt (zum Vormonat) um 1,7 Prozent auf 18,9 Milliarden Franken zurück, real – also preisbereinigt – war der Rückgang mit 0,8 Prozent etwas geringer. Die Einfuhren sanken nominal um 1,1 Prozent auf 16,2 Milliarden Franken (real +0,5%). Damit resultierte laut den Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) vom Donnerstag in der Handelsbilanz ein Überschuss von 2,21 Milliarden Franken.

Die Exporte befänden sich wieder auf dem Stand vom Jahresbeginn, während die Importe wertmässig fast eine Milliarde Franken unterhalb lägen, so die EZV. Die Novemberzahlen zeigten insgesamt aber keine grossen Überraschungen, sagte Matthias Pfammatter von der EZV im Gespräch mit der Nachrichtgenagentur AWP. Sie seien jedoch wegen der Chemie-Pharmabranche weiterhin relativ volatil.

Der Grund für die zum Teil starken Schwankungen dort sind die hier typischen Produktionszyklen. Die Pharma- und Chemieindustrie produziert zum Teil hohe Mengen oder eine ganze Produktgruppe in einem bestimmten Monat und exportiert sie dann – ein Volumen, das dann im folgenden Monat möglicherweise wieder wegfällt, was zu grossen monatlichen Schwankungen führen kann.

Hohe Schwankungen von Monat zu Monat
Im letzten Halbjahr gab es etwa entsprechend hohe Export-Wachstumsraten im Juni (+8,4%) und September (+8,5), während die Monate Juli (-3,9%), August (-4,3%) und Oktober (-5,4%) einen relativ klar negativen Trend zeigten. Nach den zuletzt zwei negativen Monaten wäre es gemäss Beobachtern daher auch gut möglich, dass die Raten im Dezember wieder deutlich besser ausfallen.

Auch im November waren die chemisch-pharmazeutischen Produkte für einen guten Teil der Bewegung bzw. des Minus verantwortlich, wobei sich die Ausfuhren von Medikamenten deutlich verringerten, während die Exporte von pharmazeutischen Wirkstoffen weiter zunahmen. Rückläufig entwickelten sich ausserdem die Ausfuhren von Bijouterie und Juwelierwaren (-7,2%), Maschinen und Elektronik (-2,3%) sowie Uhren (-2,9%).

Auf den drei grossen Absatzmärkten stieg einzig der Umsatz in Nordamerika. Derweil unterschritten die Ausfuhren nach Europa und nach Asien das Vormonatsergebnis. In Europa standen laut EZV deutlichen Minderexporten nach Deutschland und nach Grossbritannien kräftig gestiegene Ausfuhren nach Belgien gegenüber. In Asien zog der hohe Exportrückgang nach China das Gesamtergebnis ins Minus.

Drei-Monats-Entwicklung
Die konjunkturelle Bedeutung der Monatszahlen ist aufgrund der Volatilität etwas schwierig einzuschätzen. Die UBS beispielsweise schaut sich entsprechend jeweils den Durchschnitt über die letzten drei Monate an. Das Wachstum der Exporte über diese Periode sei immer noch stabil, aber es zeige sich eine deutliche Verlangsamung in der Wachstumsdynamik, sagte Alessandro Bee, verantwortlicher Experte bei der Grossbank.

Während die Pharmaexporte im entsprechenden Zeitraum mit plus 15 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode noch immer stark zugelegt hätten, seien die fünf nächstgrösseren Branchen im entsprechenden Zeitraum um 3 Prozent geschrumpft. Mit einer Abkühlung des Exportwachstums in der Pharma dürfte in den nächsten Quartalen die schwierige Position der anderen Exportbranchen auch auf die Gesamtexporte und damit das Wachstum der Schweizer Wirtschaft durchschlagen, glaubt Bee.

Die Situation erinnere stark an 2016, als die Exporte dank einer starken Pharmabranche ebenfalls deutlich gewachsen seien, während die andern Branchen Volumeneinbussen hinnehmen mussten. Diese habe damals zu einem deutlichen Abbau in der Industriebeschäftigung geführt. „Das könnte der Industrie nun auch im 2020 drohen“, so der UBS-Ökonom. (awp/mc/pg)

EZV

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