Schweizer Beratungsmarkt entwickelt sich stabil

Schweizer Beratungsmarkt entwickelt sich stabil

Dr. André Wohlgemuth, Titularprofessor an der Universität Zürich.

Zürich – Es wird in der Schweiz nach wie vor intensiv beraten. Der Consulting-Markt entwickelt sich zurzeit stabil, wie die 
ASCO-Beratermarktstudie 2013 nachweist. So erreichte der Honorarumsatz der Beratungsunternehmen in der Schweiz im Jahr 2012 CHF 1,4 Mrd. und damit praktisch das Niveau aus dem Rekordvorjahr (CHF 1,44 Mrd.). Auch die Anzahl der ca. 580 Beratungsunternehmen ist im Vergleich zum Vorjahr gleich geblieben. Von den rund 3’830 Unternehmensberater sind 20% Frauen, wobei der Frauenanteil im Schnitt mit der Grösse des Unternehmens zunimmt und teilweise über 21% beträgt. Die 
ASCO-Beratermarktstudie wird vom Schweizer Branchenverband 
für Beratung ASCO (Association of Management Consultants Switzerland) jedes Jahr in Auftrag gegeben.

Die Consulting-Branche bewegt sich in ihrer Gesamtheit stabil. Blickt man auf die einzelnen Beratungsunternehmen, zeigt sich jedoch ein sehr differenziertes Bild. Von den 40 grössten Schweizer Unternehmensberatungen haben im Jahr 2012 nur deren zwölf ein Wachstum erzielt. Die erfolgreichsten dieser Firmen konnten ihren Erlös um bis zu 32% steigern. Weitere zwölf der Top-Beratungshäuser hielten ihren Umsatz gegenüber 2011 weitgehend unverändert, während 16 von ihnen einen Umsatzrückgang erlitten. Im extremsten Fall brach der Umsatz sogar um 47% ein, wie die ASCO-Beratermarktstudie 2013 dokumentiert. «Die Schweizer Beratungsunternehmen wurden und werden durch die ambivalente Entwicklung der Branche sowie der Gesamtwirtschaft ganz unterschiedlich gefordert. Entsprechend meistern sie die Herausforderungen auch mit unterschiedlichem Erfolg», folgert aus diesen Zahlen Dr. André Wohlgemuth, Titularprofessor an der Universität Zürich. Der Betriebswirtschafter hat die Erhebung zusammen mit Holger Greif (ASCO) als verantwortlicher Co-Studienleiter durchgeführt. Im Erhebungszeitraum März/April 2013 wurden dazu persönliche Interviews geführt sowie eine Online-Umfrage auf Berater- und Kundenseite. Die Studie deckt das Meinungsspektrum von rund 85% des gesamten Beratermarktes ab und ist deshalb sehr aussagekräftig.

Auftraggeber sind professioneller und wählerischer geworden
Generell herrsche in der Branche Optimismus, resümiert Holger Greif eine Grunderkenntnis der Studie. «Die wirtschaftlichen Aussichten werden von den Beratungshäusern als positiv eingestuft, was sich auf eine entsprechend gute Nachfrage 
für Beratung von Seiten der Kunden auswirkt», stellt er fest. Trotzdem würden die Kunden Mandate noch immer eher zögerlich vergeben. Wesentliche Gründe dafür sind einerseits der wettbewerbsintensive Markt sowie der wachsende Einfluss der Konkurrenz aus dem EU-Raum. «Der enorme Druck auf die Profitabilität ist bei allen Kunden nach wie vor eine grosse Herausforderung», sagt André Wohlgemuth. Aus diesem Grund sei auch die Professionalität bei der Vergabe von Beratungsaufträgen gestiegen. «Die Kunden verlangen für ihre Projekte immer öfter sehr erfahrene Berater mit ausgeprägtem Branchen-wissen.»

Berater müssen neue Geschäftsfelder erschliessen
Auf die gestiegenen Ansprüche der Kundschaft müssen die Beratungsunternehmen reagieren. Sie rekrutieren zunehmend gestandene Experten, was natürlich seinen Preis hat. Auch für die interne Förderung wird mehr investiert, zum Beispiel in Weiterbildungsprogramme. «Positiv an dieser Entwicklung ist, dass die Kompetenzen der Berater im Durchschnitt zunehmen, während die Fluktuationsrate bei den Consulting-Firmen zurück-gegangen ist», entnimmt Holger Greif den erhobenen Daten aus der Studie. Diese Entwicklung wirke sich positiv auf das Image der Branche aus. Nicht nur in die Tiefe müssen die Beratungsunternehmen derweil wachsen, sondern auch in die Breite. «Die Beratermarktstudie macht deutlich, dass die Consulting-Unternehmen gefordert sind, neue Geschäftsfelder zu erschliessen, um neue Kunden zu akquirieren und bestehende Kundenbeziehungen zu pflegen», sagt André Wohlgemuth.

Neue Stellen für 2013 geplant – nicht alle besetzt
Die optimistische Grundstimmung im Markt drückt sich auch 
im vorhandenen Drang zur Expansion aus. So hat die ASCO-Beratermarkstudie ergeben, dass die Schweizer Consulting-Firmen im Laufe des Jahres insgesamt 650 neue Unternehmensberater einstellen. 260 davon sind Hochschulabsolventen. Auch die Rekrutierung von Beratern mit Berufserfahrung ist nach wie vor im Trend. 20% der Neueingestellten haben bis drei Jahre Beratungserfahrung, 30% sogar drei Jahre und mehr. Gleichwohl könnte die Branche mittelfristig auf ein Nachwuchs-problem zusteuern. «Nur 65% der befragten Unternehmen konnten die geplanten Neueinstellungen für dieses Jahr vollständig realisieren», gibt André Wohlgemuth zu bedenken. Der Grund: Es sind zu wenig erfahrene Consultants im Markt verfügbar. Auch auf diese Herausforderung haben sich die Beratungsunternehmen einzustellen. (ASCO/mc/hfu)

ASCO
Die ASCO, Association of Management Consultants Switzerland, repräsentiert als Standesvertreterin der Schweizer Unternehmensberater 2‘170 Beraterinnen und Berater im Bereich des klassischen Management Consulting, was einem Marktanteil von 57% entspricht. Sie sichert als Schweizer Instanz – unter anderem auch mit der individuellen und international anerkann-ten Zertifizierung von Unternehmensberatern CMC (Certified Management Consultants) – die Qualität der Beratung.


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