Schweizer Industrie: Dünnere Auftragsbücher

Industrie-Konjunktur

Zürich – Der procure.ch Purchasing Managers‘ Index (PMI) gab im Mai erneut nach und notierte mit 45.4 Zählern den zweiten Monat in Folge unterhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Damit muss in den kommenden Monaten mit einem Rückgang der Industrieak­tivität gerechnet werden, wie die Grossbank Credit Suisse am Freitag mitteilte.

Der Blick auf die Subkomponenten zeigt, dass insbesondere die Auftragsbücher dünner geworden sind. Der Auftragsbestand nahm erneut ab, die entspre­chende Subkomponente schloss um 5.2 Punk­te tiefer unter der Wachstumsschwelle auf 42.7 Punkte. Ein tieferer Auftragsbestand führt in der Regel in den folgenden Monaten zu schwächerer Produktion. Ebenfalls stark ver­ringert haben sich die Bestände der Einkaufs­lager. Die Subkomponente „Lager Einkauf“ notierte nach einem Rückgang um 5.3 Punkte noch auf einem Stand von 39.3 Zählern – dem tiefsten Stand seit November 2009.

Subkomponente „Produktion“ steigt als einzige signifikant an
Der beschleunigte Lagerabbau kann zwei Ursachen haben: Entweder eine unerwartet robuste Produktion, oder geringere Einkäufe in Antizipation einer zukünftig schwächeren Nachfrage. Beides war im Mai der Fall, wes­halb keine eindeutige Aussage möglich ist: Die Subkomponente „Produktion“ stieg als einzige signifikant an; um 2.7 Punkte auf 48.9 Zähler. Gleichzeitig verringerten die Unternehmen ihre Einkaufsmenge, die entsprechende Subkom­ponente sank um 1.4 Punkte auf 41.8 Zähler. Quasi unverändert schlossen die Subkompo­nenten, welche die Lieferfristen (-0.2 Punkte) bzw. die Beschäftigtenzahl messen (-0.3 Punkte). Damit dauerten sowohl die Stagnation der Lieferfristen (Subindexstand 50.6 Punkte), was auf eine ausgeglichene Kapazitätsauslas­tung hinweist, als auch der Personalabbau (Subindexstand 44.4 Punkte) an.

Produktion
Die Produktion nahm im Mai den zweiten Monat in Folge ab, der Rückgang verringerte sich aber deutlich. Die Subkomponente „Produktion“ stieg als einzige Subkomponente signifikant an, um 2.7 Punkte auf 48.9 Zähler. Der vergleichsweise schwache Rückgang der Produktion spiegelt die trotz widrigen Umständen nach wie vor relativ solide Industriekonjunktur wider.

Auftragsbestand
Der Auftragsbestand hat erneut abgenommen, dies den zweiten Monat in Folge. Die Subkomponente „Auftragsbestand“ schloss um 5.2 Punkte tiefer unter der Wachstumsschwelle auf nunmehr 42.7 Punkte. Ein tieferer Auftragsbestand führt in der Regel in den Folgemonaten zu schwächerer Produktion.

Einkaufsmenge
Die Unternehmen kauften auch im Mai weniger ein als im Vormonat, wie sie es seit bereits einem Jahr tun. Die Subkomponente „Einkaufs­menge“ verlor unterhalb der Wachstumsschwelle erneut an Terrain (-1.4 Punkte). Offensichtlich haben die Unternehmen auf die Abschwä­chung der Nachfrage mit einer weiteren Verringerung der Einkaufsmenge reagiert.

Einkaufspreise
Vorprodukte wurden im Mai deutlich billiger. Die Subkomponente „Einkaufspreise“ schloss erstmals seit Oktober 2011 wieder deutlich unter­halb der Wachstumsschwelle auf 44.1 Zählern (Indexrückgang um 5.5 Punkte). Preissenkend haben sich die Preisnachlässe auf den globa­len Rohstoffmärkten ausgewirkt.

Lieferfristen
Im Mai waren die Kapazitäten offenbar angemessen. Überkapazitäten würden nämlich zu einer Abnahme der Lieferfristen führen, Kapazitäts­engpässe zu einer Zunahme. Doch die Subkomponente „Lieferfristen“ schloss beinahe unverändert (-0.3 Punkte) marginal über der Wachs­tumsschwelle (50.6 Zähler).

Lager Einkauf
Die Bestände der Einkaufslager wurden massiv verringert. Die Subkomponente „Lager Einkauf“ sank im Mai deutlich (-5.3 Punkte) und schloss mit 39.3 Zählern auf dem tiefsten Stand seit November 2009. Der beschleunigte Lagerabbau kann zwei Ursachen haben: Entweder eine unerwartet robuste Produktion oder geringere Einkäufe in Antizipation einer zukünftig schwächeren Nachfrage.

Lager Verkauf
Auch die Bestände der Verkaufslager wurden abgebaut. Die Subkomponente „Lager Verkauf“ notierte beinahe auf dem gleichen Stand wie im Vormonat und damit weiterhin unterhalb der Wachstumsschwelle auf 48.1 Zählern.

Beschäftigung
Der Personalabbau dauerte im Mai an, die Dynamik hat sich nur unwesentlich verändert. Die Subkomponente „Beschäftigung“ schloss quasi unverändert (-0.3 Punkte) auf 44.4 Zählern. (Credit Suisse/mc/ps)

Über procure.ch Purchasing Managers‘ Index 
Der procure.ch Purchasing Managers‘ Index (PMI) ist ein Gemeinschaftswerk des Fachverbandes für Einkauf und Supply Manage­ment procure.ch und der CREDIT SUISSE. Er beruht auf einer monatlich durchgeführ­ten Umfrage bei procure.ch-Mitgliedern. Deren Erhebung und Auswertung erfolgt nach den Vorgaben der International Feder­ation of Purchasing and Materials Manage­ment, die sich in den Vereinigten Staaten schon seit Jahrzehnten bewährt haben. Während der Verein procure.ch mit der Erhebung der Umfrage betraut ist, obliegt der CREDIT SUISSE deren Auswertung und Publikation.

Über procure.ch
Der Verein procure.ch ist ein branchenübergreifender Fachverband mit internationalen Verbindungen. Er wird von rund 1’100 Firmen getragen und setzt sich im Interesse der Schweizer Wirtschaft für eine effiziente Beschaffungs-und Logistikfunktion im Unternehmen ein. Procure.ch will durch ein breites Schulungsangebot auf allen Stufen einen Beitrag zur Erhaltung und Verbesserung der Wettbewerbsfähig­keit der Industrie-und Handelsfirmen sowie der öffentlichen Dienste leisten, indem er insbesondere auch das bereichsübergreifende Den­ken und das Kosten-Management in der Beschaffung fördert. Der Verein ist auch der Organisator der höheren Fachprüfung für Einkäu­fer, die er unter Bundesaufsicht durchführt.

Über Credit Suisse  
Die Credit Suisse AG bietet ihren Kunden Dienstleistungen in den Bereichen Investment Banking, Private Banking und Asset Ma­nagement an. Dieses Dokument wurde vom Economic Research der Credit Suisse hergestellt und ist nicht das Ergebnis einer/unserer Fi­nanzanalyse. Daher finden die „Richtlinien zur Sicherstellung der Unabhängigkeit der Finanzanalyse“ der Schweizerischen Bankier­vereinigung auf vorliegendes Dokument keine Anwendung. Diese Publikation dient nur zu Informationszwecken. Die darin vertretenen Ansichten sind diejenigen des Economic Research der Credit Suisse zum Zeitpunkt der Drucklegung (Änderungen blei­ben vorbehalten).

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