Lage der Schweizer Maschinenindustrie wird noch ungemütlicher

Swissmem
(Photo by Christopher Burns on Unsplash)

Zürich – Für die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM) wird die Lage noch ungemütlicher. Die rückläufige Auftragslage schlägt sich nun auch zunehmend in den Umsätzen nieder. Und der Ausblick bleibt trüb.

Die Befürchtungen hätten sich bestätigt, erklärte der Branchenverband Swissmem am Freitag. Die Auftragseingänge der im Verband zusammengeschlossenen Firmen sackten im dritten Quartal 2019 gegenüber dem Vorjahr um 14,7 Prozent ab. Sie schrumpften damit bereits das fünfte Quartal in Folge – die Industrieunternehmen spüren die Folgen der abkühlenden Weltkonjunktur.

„Der Abschwung in der MEM-Industrie erfolgte schnell und massiv“, schreibt denn auch Swissmem. Damit brach der Bestellungseingang innerhalb von 15 Monaten um 27 Prozent ein. Bemerkenswert sei der Umstand, dass der Rückgang fast ausschliesslich auf das Konto der Auslandsaufträge gehe, welche knapp 80 Prozent des Volumens ausmachen würden.

Wohl vor diesem Hintergrund bekräftigte Swissmem seine Kritik an den Schweizer Banken. Deren Druck auf die Negativzinsen sei „kontraproduktiv“. Es dürfe nicht zu einer starken Aufwertung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro kommen.

Talfahrt beim Umsatz beschleunigt
Das schwache Umfeld schlägt nun auch verstärkt auf die Verkäufe durch. Die Umsätze der Verbandsfirmen tauchten im dritten Quartal um 7,4 Prozent. Im ersten Semester hielt sich der Umsatzrückgang mit einem Minus von 1,9 Prozent noch einigermassen im Rahmen, weil die Unternehmen noch lange von einem hohen Auftragsbestand zehren konnten. Von Januar bis September nahmen die Umsätze um 3,7 Prozent ab.

Vom Umsatzrückgang waren laut Swissmem vor allem Grossunternehmen betroffen. Das könnte laut dem Verband damit erklärt werden, dass die Kunden der MEM-Industrie in einem unsicheren Umfeld lieber auf ihre bestehenden Anlagen setzen würden, statt eine neue Maschine zu kaufen.

Beschäftigungslage beginnt zu kippen
Immerhin hat sich die negative Entwicklung bisher noch nicht auf die Beschäftigung ausgewirkt. Im ersten Semester – neuere Zahlen sind noch nicht vorhanden – stieg die Zahl der Beschäftigten in der MEM-Industrie um 5’000 auf 325’500.

Die Beschäftigungslage dürfte sich aber ebenfalls bald eintrüben, denn die Kapazitätsauslastung der Betriebe nehme stetig ab. Lag sie im Ende 2018 noch bei sehr hohen 91,6 Prozent, sank sie zuletzt auf noch 83,7 Prozent. Dieser Wert liegt laut Swissmem deutlich unter dem langjährigen Mittelwert.

Auch die Zahl der Betriebe mit Kurzarbeit steige deutlich. Bereits im August hatte der Verband von sich häufenden Anfragen im Zusammenhang mit Kurzarbeit berichtet. Dazu passen die jüngsten Gewinnwarnungen börsenkotierter Unternehmen wie Autoneum, Schmolz+Bickenbach, Tornos oder Klingelnberg.

Trüber Ausblick
Der Blick nach vorne bleibt wenig verheissungsvoll. Es gebe kaum Hinweise auf eine baldige Trendwende, erklärte der Branchenverband. Eine Chance für eine Stabilisierung der Lage bestehe nur, wenn sich die Konjunktur in den Hauptmärkten nicht weiter abkühle und es weltweit zu keinen politischen und wirtschaftlichen Verwerfungen komme.

Dass sich die Industrie in einem garstigen Umfeld bewegt, bestätigte auch der Verband Swissmechanic, in dem die kleineren MEM-Betriebe zusammengefasst sind. Der Auftragseingang habe im Jahresverlauf kontinuierlich nachgelassen und über 70 Prozent der Unternehmen würden die Lage als ungünstig einschätzen, hiess es in deren ebenfalls am Freitag publizierten Wirtschaftsbarometer.

Dass die kleineren Firmen offenbar weniger leiden, lässt auch die Swissmechanic-Umfrage erahnen. In dieser würden die Unternehmen keine weitere Verschlechterung der Lage in diesem Jahr erwarten. Und ab 2021 sei gar eine Erholung möglich.

Längere Kurzarbeit
Swissmem wiederholte seine Forderungen an die Politik. „Wir brauchen keine Subventionen. Aber wir brauchen bessere Rahmenbedingungen“, wurde Swissmem-Direktor Stefan Brupbacher in der Mitteilung zitiert. Dieser bemängelte die restriktive Praxis einiger Kantone bei der Bewilligung von Kurzarbeit und forderte eine Reduktion der Karenzzeit für Kurzarbeit auf einen Tag sowie die Verlängerung der Bezugsdauer um sechs auf 18 Monate. (awp/mc/pg)

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