Schweizer Wirtschaft wächst in garstigem Umfeld weiter

Konjunktur
(Fotolia - cacaroot)

Bern – Die Schweizer Wirtschaft ist im Startquartal 2022 leicht gewachsen. Die Erholung vom Corona-Einbruch ging damit trotz des Ukraine-Kriegs, der Lieferkettenprobleme und der steigenden Inflation weiter. Möglicherweise setzt sich das so fort.

Alles in allem stieg das Bruttoinlandprodukt (BIP) in der Periode von Januar bis März 2022 gegenüber dem Vorquartal um 0,5 Prozent, wie das das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Dienstag mitteilte. Gegenüber dem Vorjahresquartal, in dem noch stärkere Corona-Beschränkungen galten, stieg das BIP um 4,4 Prozent.

Der Anstieg kommt damit am oberen Rand der Erwartungen zu liegen. Von der Nachrichtenagentur AWP befragte Ökonomen hatten die Entwicklung zum Vorquartal nämlich bei +0,2 bis +0,5 Prozent gesehen.

«Das Wachstum überrascht», fasst Experte Thomas Gitzel von der VP Bank die Meinung der Ökonomenzunft zusammen. «Zum einen fiel es unerwartet stark aus, zum anderen überrascht die Zusammensetzung.»

Industrie im Hoch
Zum Wachstum trug laut dem Seco insbesondere der Industriesektor bei. Aber auch der Bereich Finanzen und Versicherung wuchs. Teile des Dienstleistungssektors, insbesondere das Gastgewerbe, seien zu Beginn des Quartals hingegen durch die jüngste Corona-Welle und die damit einhergehenden Massnahmen im In- und Ausland gebremst worden.

«Die Omikron-Welle war vor allem im Januar spürbar», sagte Ronald Indergand, Leiter des Ressorts Konjunktur beim Seco gegenüber AWP. Mit den Lockerungen im Februar sei es dann aber zu einer raschen Erholung gekommen. «Alles in allem sind wir nach wie vor im Erholungsprozess vom Covid-Einbruch», fasst Indergand die Entwicklung im gesamten Quartal zusammen.

Covid-Ersparnisse stützen Konsum
Daran haben weder der Ausbruch des Ukraine-Kriegs, die Lieferkettenprobleme noch die steigenden Inflationszahlen grundlegend etwas geändert. Zwar sei zum Beispiel die Bauwirtschaft wegen des Mangels an Vorprodukten im Startquartal leicht geschrumpft. Beim wichtigen Konsum hingegen wirkten sich diese Entwicklungen bislang wenig aus.

«Die Schweizerinnen und Schweizer haben in der Pandemie insgesamt sehr hohe Ersparnisse angehäuft», so Indergand. Diese seien noch längst nicht aufgebraucht. Dazu komme, dass die Einkommen zuletzt gestiegen seien. Beides stütze den Konsum. Der Seco-Beamte geht davon aus, dass dies auch in den kommenden Quartalen der Fall sein wird.

Keine Rezession in Sicht
Indergand erwartet deshalb auch keine Rezession. «Es mag im zweiten Quartal zu einer Abschwächung kommen, einen eigentlichen Einbruch der Wirtschaft erwarte ich aber nicht», meint er. Es sei allerdings derzeit schwierig, die unterschiedlichen Signale einzuordnen, räumt er ein. «Es gibt Kräfte, die ziehen nach oben, und es gibt Kräfte, die ziehen nach unten.»

Die Unsicherheit sei zudem gross. Kurzfristig würde ein Lieferstopp von russischem Gas und Öl die positiven Erwartungen zunichte machen, so Indergand. Ein «vielleicht noch grösseres Risiko» sei China. Sollte die dortige Null-Covid-Politik das Land in eine schwere wirtschaftliche Krise stürzen, hätte dies auch Folgen auf die hiesige Konjunktur. (awp/mc/ps)

Seco

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