Post hat trotz Gewinnzuwachs Sorgen bei den Poststellen

Susanne Ruoff
Susanne Ruoff, zurückgetretene Post-Chewfin. (Foto: Die Post)

Post-CEO Susanne Ruoff. (Foto: Die Post)

Bern – Die Schweizerische Post hat im vergangenen Jahr einen Gewinn von 645 Mio CHF erwirtschaftet und damit 7 Mio mehr als im Vorjahr. Dennoch blicken die Verantwortlichen mit Sorgenfalten in die Zukunft.

Das Betriebsergebnis auf Stufe EBIT legte um 20 Mio auf 823 Mio CHF zu. Grund dafür sind Buchgewinne auf Finanzanlagen, der Wegfall von Buchverlusten des Vorjahres und ein stark gestiegenes Handelsergebnis wegen der Aufhebung des Euro-Mindestkurses. Der Betriebsertrag verringerte sich um 147 Mio auf 8,22 Mrd CHF. In drei der vier Märkte entwickelte sich der Umsatz stagnierend oder rückläufig, wie die Post am Donnerstag anlässlich ihrer Bilanzmedienkonferenz bekanntgab. Dem Bund sollen wiederum 200 Mio CHF als Dividende ausgeschüttet werden.

Schaltergeschäft rentiert nicht
Im Kommunikationsmarkt, der PostMail, Swiss Post Solution und die Poststellen sowie den Verkauf umfasst, verzeichnete die Post für das Jahr 2015 ein Betriebsergebnis von 263 Mio CHF – 17 Mio mehr als im Vorjahr. Die geringeren Erträge – etwa wegen sinkender Mengen beim Brief und im Schaltergeschäft – wurden grösstenteils mit Effizienzsteigerungen oder geringerem Personalaufwand wettgemacht.

Die Menge adressierter Briefe sank um 1,4%. 2014 betrug das Minus noch 2,5%. Negativ entwickelte sich die Zahl der Sendungen ohne Adressen: Das Minus betrug 2015 insgesamt 1,7%. Ein Jahr zuvor hatte dieser Geschäftszweig einen Zuwachs von 2,6% verzeichnet.

Sorgenkind der Post sind die Poststellen und der Verkauf. Das Betriebsergebnis sank auf minus 110 Mio CHF. Begründet wird dies mit den rückläufigen Mengen bei den Brief- und Paketaufgaben sowie mit weniger Einzahlungen.

Unpopuläre Entscheide
Die Führungsetage der Post wurde an der Bilanzmedienkonferenz denn auch nicht müde, von „unpopulären Massnahmen“ zu sprechen, welche die Post bezüglich der Poststellen treffen müsse. Zwar gebe es keinen Plan, welche Poststelle wann geschlossen werde, sagte Verwaltungsratspräsident Peter Hasler. Aber es müsse gehandelt werden; das defizitäre Privatkundengeschäft akzeptiere der Post-Verwaltungsrat nicht. Gemäss Hasler gilt es, rasch zu reagieren. „Wir bitten um Verständnis, wenn wir soziale Treffpunkte in abgelegenen Gemeinden nicht aufrechterhalten.“

Post-Chefin Susanne Ruoff betonte wiederholt, dass die Poststelle nur ein Angebot in einem dichten Netz an Kundenzugangspunkten sei. Mit 1447 Poststellen, 747 Postagenturen, 1303 Ortschaften mit Hausservice habe die Post europaweit das dichteste Netz.

„Wir wollen weiterhin einen guten Service bieten. Es ist aber nicht mehr der, den wir vor zehn Jahren hatten“, sagte Ruoff. Aber dank neuen, kostengünstigeren Formaten bleibe die Post im Dorf und im Quartier präsent. Und die Grundversorgung bleibe damit auch in Zukunft finanzierbar. Um das Ziel zu erreichen, will sie die Effizienz und die Zahl der Zugangsstellen steigern, die den verschiedenen Kundenbedürfnissen einer zunehmenden 24-Stunden-Gesellschaft gerecht werden.

Postfinance verzeichnet Geldabfluss
Vor Herausforderungen steht auch die PostFinance. Hansruedi Köng, Vorsitzender der Geschäftsleitung, zeigte sich am Donnerstag „sehr zufrieden mit dem Ergebnis, aber hochbesorgt bezüglich der Zukunft“. Das Betriebsergebnis betrug 459 Mio CHF – 77 Mio mehr als im Vorjahr und liegt gemäss König über den Erwartungen.

Grund dafür sind Sondereffekte wie die Auflösung von Wertberichtigungen und die Zunahme der Transaktionen nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses. Die Gesamtkapitalquote lag bei 20,1%, die Leverage Ratio bei 4,6%. Damit übertreffen beide Kennzahlen die Anforderungen der Eidg. Finanzmarktaufsicht (FINMA) an systemrelevante Banken, zu welchen die PostFinance seit vergangenem Jahr gehört.

Bei den Kundengeldern vermeldete König ein Novum: Erstmals gingen die Kundengelder zurück und zwar im Umfang von 2,8 Mrd CHF. Allerdings war dies angesichts der im vergangenen Jahr eingeführten Negativzinsen gewollt, wie König erklärte. So wurde bei Grösstkunden Guthabengebühren eingeführt. Dank einem hohen Freibetrag beliefen sich die Negativzinsen für die PostFinance auf einen mittleren einstelligen Millionenbetrag.

Fast 3 Millionen Kunden
Die Zahl der Kunden hingegen stieg um 13’000 auf 2,95 Mio an, die Zahl der Transaktionen auf über eine Milliarde. Sorgen bereitet dem PostFinance-Chef das anhaltende Tiefzinsniveau, das wegen des Verbots des Bundes nicht mit Kreditvergaben kompensiert werden könne. Deshalb setzt die PostFinance auf neue Geschäftsfelder im digitalen Bereich wie Twint oder Swissquote.

Mehr Pakete – höherer Druck auf Margen
PostLogistics hatte 2015 mit Abgängen von Kunden im Stückguttransport und im Lagerbereich sowie mit tieferen Erträge im Treibstoffgeschäft zu kämpfen. Mit mehr Paketen und optimiertem Betriebsaufwand wurden die sinkenden Umsätze wettgemacht. Sorgen bereiten Ruoff der internationale Wettbewerb, die tiefen Margen und der hohe Preisdruck.

Auch bei PostAuto erwartet die Post-Chefin zunehmenden Preisdruck, da der öffentlichen Hand als Bestellerin der Verkehrsleistung immer mehr Mittel fehlen. Im vergangenen Jahr haben die Postautos 142 Mio Kilometer zurückgelegt und 145 Mio Menschen transportiert – das sind je drei Prozent mehr Kunden und Kilometer. (awp/mc/pg)

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