sgv sagt Nein zu Geschenken an die Strombarone

Hans-Ulrich Bigler
sgv-Direktor Hans-Ulrich Bigler. (Foto: sgv)

sgv-Direktor Hans-Ulrich Bigler. (Bild: sgv)

Bern – Mit dem Vorschlag des Bundesamtes für Energie (BfE), die Stromversorgungsverordnung zu revidieren, werden die Stromnetzversorger fürstlich beschenkt: Gar 200 Millionen Franken sol­len sie mehr einnehmen ohne, dass sich ihre Leistungen verbessern müssen. Der Schweizeri­sche Gewerbeverband sgv lehnt die Revision entschieden ab.

Für den grössten Dachverband der Schweizer Wirtschaft ist es nicht nachvollziehbar, warum dieses fürstliche Geschenk an die Strombarone erfolgen muss, zumal die Netzversorger eine dreifache Ga­rantie geniessen: Erstens erhalten Netzbetreiber eine explizite oder implizite Staatsgarantie. Zweitens haben sie in ihrem lokalen bzw. natürlichen Monopol eine Abnahmegarantie. Drittens leben sie mit einer realen Gewinngarantie, die sich aus dem stets positiven Kapitalkostensatz ergibt.

Netzversorger vor Verlusten gefeit
Mit der angepeilten Revision möchte das BfE diese garantierte Rendite noch weiter erhöhen und den Stromkonsumenten einen Kostensprung von circa 200 Millionen Franken zumuten. Kernstück der Re­vision der Stromversorgungsverordnung ist die Berechnung der zulässigen Kapitalkosten, welche mit dem Konzept des WACC (gewichteter durchschnittlicher Kapitalkostensatz) erfolgt. Darin wird festge­legt, wie hoch die anrechenbaren Renditen sind. Es liegt in der Natur dieser Rechnung, dass diese Renditen immer positiv ausfallen. Mit anderen Worten: Netzversorger können in ihrer Kernaufgabe keine Verluste einfahren.

Höhere Gewinne führen nicht zwingend zu höheren Investitionen
Auch die Begründung für die Revision ist nicht einleuchtend. Es wird gesagt, dass nur mit einer höhe­ren Rendite Neuinvestitionen getätigt werden. Was verschwiegen wird ist: Höhere Renditen führen zunächst zu höherem Gewinn – und über die Gewinnverwendung entscheidet immer noch der Aktio­när. Es ist naheliegend anzunehmen, dass Aktionäre bei höherem Gewinn auch höhere Dividenden wollen.

Sollte der höhere Kapitalkostensatz aber notwendig sein, um im Rahmen der Energiestrategie 2050 Stromnetze dezentral zu gestalten, dann fordert der sgv eine Zweckbindung dieser WACC-Mehrerträge an Investitionen. Mehr noch: erfolgen diese Investitionen nicht, ist die Mehreinnahme des WACC an die Stromkonsumenten zurückzuerstatten. Der sgv setzt sich für eine freie Wirtschaft ohne Marktverzerrungen zu Gunsten von Monopolisten ein.

Die Nummer 1:
Als grösste Dachorganisation der Schweizer KMU-Wirtschaft  vertritt der sgv 250 Verbände und gegen 300’000 Unternehmen.

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