SNB warnt vor erhöhten Risiken im Hypogeschäft – Lob für Grossbanken

Jean-Pierre Danthine

Jean-Pierre Danthine, Mitglied des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank SNB. (Copyright: SNB)

Bern – Nach dem letztjährigen Rüffel insbesondere an die Credit Suisse lobt die Schweizerische Nationalbank (SNB) Fortschritte der beiden Grossbanken bei der Kapitalstärke. Besorgt zeigt sie sich nun vorab über Inlandbanken mit Fokus auf dem Hypothekengeschäft.

Sollten die Risiken auf den Schweizer Hypothekar- und Immobilienmärkten zunehmen, könnten weitere regulatorische Massnahmen nötig werden, schreibt die Nationalbank in ihrem am Donnerstag publizierten Jahresbericht zur Stabilität des Schweizer Finanzwesens. Die SNB werde regelmässig prüfen, ob der antizyklische Kapitalpuffer erhöht werden solle. Auf Antrag der SNB hat der Bundesrat per 30. September einen solchen Puffer verhängt, der von den Banken zusätzliche Eigenmittelhinterlegung für Hypotheken von 1 Prozent verlangt. Der Satz könnte auf bis zu 2,5% erhöht werden.

Hohes Zinsänderungsrisiko
Die SNB rate den inlandorientierten Banken zu grosser Vorsicht, sagte Direktoriumsmitglied Jean-Pierre Danthine an der Medienkonferenz in Bern. Denn deren Hypothekenvolumen sei innert Jahresfrist um weitere rund 5% gestiegen. Das Wachstum sei weiterhin stärker, als es durch Einkommens- und Bevölkerungswachstum gerechtfertigt wäre. Laut SNB ist auch das Risiko einer «grösseren Preiskorrektur» gestiegen. Trotzdem sei die Risikobereitschaft der Banken bei der Kreditvergabe unverändert hoch. Zahlreiche Hypotheken würden mit einem Belehnungsgrad von über 80% vergeben, sagte Danthine.

Namen solcher Banken nannte er nicht. Bekannt ist aber, dass nicht zuletzt Raiffeisen sowie einige Regional- und Kantonalbanken stark im Hypogeschäft expandieren. Ihre Kapitalisierung hätten die Inlandbanken zwar verbessert, sagte Danthine. Das Risiko einer Zinsänderung befinde sich aber auf einem historischen Höchst und viele Institute seien sehr einseitig auf den Hypothekarmarkt ausgerichtet. Zudem könnten bei steigenden Zinsen auch Spargelder rasch abfliessen und damit eine Finanzierungsquelle versiegen.

Transparentere Risikobewertung
Bei den beiden Grossbanken anerkennen die Währungshüter Fortschritte bei der Kapitalstärke und empfehlen, dass die kommunizierten Pläne und Ziele vollständig umgesetzt werden. Vergangenes Jahr hatte die SNB insbesondere die Kapitalisierung der CS als ungenügend kritisiert. Inzwischen hätten Credit Suisse und UBS ihre risikogewichteten Kapitalquoten deutlich erhöht, sagte Danthine. Diese lägen im internationalen Vergleich nun im oberen Bereich. Verbessert werden müsse aber die Transparenz der Risikobeurteilung.

So drängt die SNB darauf, dass die Grossbanken die gesamten Risiken beziffern und publizieren. Für die Gewichtung der Risiken sollen die Banken nicht mehr nur eigene, sondern auch standardisierte Verfahren anwenden, damit ein Vergleich möglich ist.

Weiterer Kapitalaufbau angebracht
Die SNB legt den Finger auf die Leverage-Ratio, das Verhältnis der weitgehend ungewichteten Bilanzsumme zum Eigenkapital: Die Credit Suisse habe ihre Leverage-Ratio zuletzt beträchtlich, die UBS moderat erhöht. Zum Ende des ersten Quartals 2013 betrug sie bei beiden Grossbanken 2,3%. Credit Suisse und UBS planten zwar eine weitere substanzielle Verbesserung bis Ende 2014. Angesichts der verschiedenen Risiken im Umfeld sowie der in der Finanzkrise beobachteten Verluste seien die gegenwärtigen Leverage-Ratios aber weiterhin tief. So habe die UBS in der Finanzkrise Verluste von 2% der Bilanzsumme erlitten. (awp/mc/ps)

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