Sonova will nach Umsatzeinbruch sparen und baut Stellen ab

Arnd Kaldowski
Sonova-CEO Arnd Kaldowski. (Foto: Sonova/Flickr)

Stäfa – Der Stäfner Hörgerätehersteller Sonova hat in der Coronakrise die Talsohle durchschritten. Nach einem drastischen Umsatzeinbruch im April geht es derzeit wieder aufwärts. Allerdings zieht der Konzern die Sparschraube an. Hunderte Stellen gehen verloren. Die Publikation kam überraschend: Normalerweise veröffentlicht das Unternehmen keine Quartalszahlen.

Konkret hat der Konzern im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2020/21 (April bis Juni) in Lokalwährungen einen Umsatz in der Höhe von knapp 60 Prozent des Niveaus der Vorjahresperiode erzielt, wie er am Montag in einem Communiqué schrieb. Der deutliche Einbruch entspreche allerdings bereits wieder einer starken Erholung. Der Tiefststand wurde im April erreicht, mit einem Umsatz von bloss 35 Prozent des Vorjahreswerts.

Die schrittweise Erholung des Marktes von den Auswirkungen der Pandemie in den letzten Wochen sei ausserdem schneller als erwartet verlaufen, schrieb das Unternehmen. Gespart werden muss laut dem Management jedoch trotzdem. Die Kosten sollen um jährlich 50 bis 70 Millionen Franken sinken.

Abbau beim Personal
Zu spüren bekommen wird dies das Personal. Derzeit beschäftigt der für die Marke Phonak bekannte Konzern etwa 15’000 Mitarbeiter, wie CEO Arnd Kaldowski am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur AWP sagte. Von diesen werden vier bis fünf Prozent ihre Anstellung verlieren. Die Reduktion soll – wenn immer möglich – über natürliche Fluktuation erfolgen.

Bisher hatte das Unternehmen vom Instrument der Kurzarbeit Gebrauch gemacht, das nun jedoch wieder zurückgefahren werden soll. Mit dem Stellenabbau ebenfalls verknüpft ist in einigen Ländern eine „Straffung“ des Netzwerkes an Fachgeschäften.

Die Abbaupläne haben auch Auswirkungen auf die Schweiz, wo aktuell rund 1’300 Personen für das Unternehmen arbeiten. Das Land sei „in durchschnittlichem Ausmass“ betroffen, sagte Kaldowski. Will heissen: Etwas mehr als 60 Stellen dürften hierzulande dem Sparhammer zum Opfer fallen.

Mittelfristig optimistisch
Mit Blick nach vorne gab sich das Management trotz oder vielleicht gerade wegen dieser Massnahmen optimistisch. „Wir glauben fest an die mittelfristige Entwicklung des Marktes“, betonte der CEO in dem Gespräch.

Grundsätzlich sei der Nutzen von Hörgeräten unbestritten und der Bedarf für die Produkte von Sonova vorhanden. Die Frage sei nun jedoch, wie schnell sich die Zielgruppe, also die Senioren, nach der Pandemie wieder in die Geschäfte getraue.

Kein konkreter Ausblick
Einen konkreten Ausblick gibt der Konzern aufgrund der anhaltend grossen Unsicherheit nur für die nächsten drei Monate. Insgesamt erwartet das Management für das erste Semester 2020/21 (bis Ende September) ein Umsatzniveau von etwa 65 bis 75 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode.

Beim operativen Ergebnis (bereinigter EBITA) will Sonova in konstanten Wechselkursen eine positive Marge im einstelligen Bereich erreichen.

Coronavirus bleibt Thema
Was danach kommt hänge auch vom weiteren Verlauf der Pandemie ab, sagte Kaldowski weiter. Da die Infektionsraten mit dem Coronavirus in einigen Märkten weiter anstiegen, sei noch nicht klar, wie sich das Kaufverhalten der Sonova-Kunden in allen Märkten entwickeln werde.

Ein Thema dürfte für den Konzern auch das Verhalten der Konkurrenz sein. Vor neuen Playern wie Apple fürchtet sich Sonova allerdings nicht. Der Computer- und Smartphoneproduzent ist seit einiger Zeit auf dem Hörmarkt aktiv, seine Kopfhörer AirPod können teils als Hörhilfe verwendet werden.

Solche Produkte seien einem Hörgerät aber in fast jeder Hinsicht unterlegen, betonte Kaldowski. „Apple treibt das Bewusstsein für die Hörgesundheit voran und bringt neue Menschen auf den Hörgerätemarkt. Doch sind solche Produkte kein Ersatz für ein richtiges Hörgerät.“

An der Börse kamen die Neuigkeiten von Sonova gut an: Der Aktienkurs legte bis Börsenschluss um 5,4 Prozent zu. (awp/mc/pg)

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