Stadler Rail strebt an die Börse – Genauer Zeitpunkt noch unklar

Peter Spuhler
Stadler-Konzernchef Peter Spuhler. (Foto: Allreal)

Bussnang – Lange war über einen Börsengang von Stadler Rail spekuliert worden. Am Dienstag war es soweit: Firmenpatron und Alt-SVP-Nationalrat Peter Spuhler kündigte ein Initial Public Offering (IPO) in den nächsten Monaten an. Der Anteil, den er selbst am Unternehmen hält, soll sich beim Börsengang halbieren.

Den Thurgauer Zughersteller Stadler hat Peter Spuhler 1989 gekauft. Innert 30 Jahren hat er aus dem Unternehmen einen Grosskonzern geformt, der nicht nur in der Schweiz, sondern auch in anderen Ländern Europas bereits ein bedeutender Player ist.

Der geplante Börsengang an der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange sei ein logischer nächster Schritt in der Geschichte von Stadler, erklärte Spuhler an der Bilanzmedienkonferenz des Unternehmens in Bussnang. Er solle helfen, die langfristige Wettbewerbsposition des Unternehmens zu stärken. Gerade im angelsächsischen Raum gelte die Kotierung an einer Börse als Gütesiegel, sagte er.

Spuhlers Anteil soll sinken
Aktuell hält Spuhler 80 Prozent an der Firma. Im Rahmen des Börsengangs sollen ausschliesslich bestehende Aktien aus seinem direkten und indirekten Besitz angeboten werden. Im Anschluss an das IPO werde sein Anteil noch bei mindestens 40 bis maximal 49 Prozent liegen, führte Spuhler aus.

Der langjährige Firmenchef, der 2018 von Thomas Ahlburg in der Rolle des CEO abgelöst wurde, bleibt somit Ankeraktionär. Er behält die Kontrolle über das Unternehmen und bleibt auch auf absehbare Zeit Verwaltungsratspräsident, wie er an der Bilanzmedienkonferenz bekräftige.

Über einen mögliche Preisspanne der Aktien wollte Spuhler derweil noch nicht spekulieren. «Natürlich erhoffe ich mir einen guten Preis, doch es geht beim Börsengang vielmehr darum, die Kapitalmarktfähigkeit des Unternehmens herzustellen», führte er aus.

Unklar blieb der genaue Zeitpunkt des IPO. «Wenn wir nicht sicher wären, dass der Börsengang bald stattfindet, hätten wir ihn nicht kommuniziert. Wir ziehen das durch», betonte Spuhler. Ein präzises Datum könne man jedoch keines nennen, das hänge von den Marktkonditionen ab.

Nummer drei in Europa
Stadler stellt unter anderem Regionalzüge, Hochgeschwindigkeitszüge, U-Bahnen und Trams her. Eine starke Position hat das Unternehmen in Europa, wo es gemäss eigenen Angaben drittgrösster Hersteller von Schienenfahrzeugen ist. Derzeit arbeiten 8’500 Mitarbeiter für Stadler.

Am Dienstag berichtete das Management jedoch nicht nur vom Börsengang, das Unternehmen publizierte auch seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2018. Stadler erwirtschaftete einen konsolidierten Netto-Umsatz von 2,0 Milliarden Franken, nach 2,4 Milliarden im Jahr zuvor.

«Wir haben in unserem Geschäft immer wieder Schwankungen», erklärte Spuhler gegenüber AWP die Abnahme. «Es kommt vor, dass wir grosse Auftragsbestände übers Jahresende hinaus verschieben.» Doch sei man sicher, bis 2020 eine Umsatzverdoppelung zu erreichen.

Die Firma war 2015 von der Aufhebung der Euro-Untergrenze durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) hart getroffen worden. Damals sackte der Umsatz auf 1,8 Milliarden Franken ab, nach 1,9 Milliarden Franken im 2014 und 2,5 Milliarden Franken im 2013.

Mit Blick auf den Börsengang hat Stadler Rail am Dienstag auch zum ersten Mal Gewinnzahlen veröffentlicht: Demnach lag der Gewinn vor Steuern, Zinsen sowie Abschreibungen (EBITDA) 2018 bei 208 Millionen Franken nach 245 Millionen im Jahr davor.

Der EBIT des Unternehmens betrug 151 Millionen Franken nach 191 Millionen Franken im Vorjahr. Die entsprechende Marge lag 2018 somit bei 7,5 Prozent. Sie ist damit zwei Jahre in Folge etwas gesunken. «Bis 2020 wollen wir wieder einen Wert von 8,5 Prozent erzielen», sagte Spuhler.

Keine Rückkehr in die Politik
Aufgrund des anstehenden Börsengangs von Stadler bekräftigte Spuhler vor den Medien seine Absage an eine Rückkehr in die Politik. Bereits vor kurzem hatte der Alt-SVP-Nationalrat diese damit begründet, dass er weiter für die strategische Entwicklung des Unternehmens verantwortlich sei.

Dafür nimmt mit der Sozialdemokratin Barbara Egger-Jenzer eine ehemalige Politikerin Einsitz im Verwaltungsrat von Stadler, wie das Unternehmen mitteilte. Weitere Ex-Politiker in dem Gremium sind der Deutsche Friedrich Merz sowie Werner Müller, der unter Alt-Kanzler Gerhard Schröder deutscher Wirtschaftsminister und danach Aufsichtsratvorsitzender der Deutschen Bahn war. (awp/mc/ps)

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