Agrochemiekonzern Syngenta macht ernst mit Börsenplänen

Erik Fyrwald
Syngenta-CEO Erik Fyrwald. (Foto: Syngenta)

Shanghai – Die Vorbereitungen für einen Börsengang (IPO) des Agrochemiekonzerns Syngenta Group in China gehen in die heisse Phase. Wann genau es soweit ist, bleibt aber weiterhin offen.

Die begleitenden Investmentbanken hätten bei der zuständigen Regulierungsbehörde China Securities Regulatory Commission (CSRC) ein vorbörsliches Evaluierungsgutachten («Pre-Listing Tutoring Report») für ein mögliches IPO an der Technologiebörse STAR Market in Shanghai eingereicht, teilte Syngenta am Montag mit.

Zum zeitlichen Ablauf äusserte sich die Firma mit Sitz in Basel, die zum chinesischen Staatskonzern ChemChina gehört, nicht. Bis Syngenta tatsächlich an die Börse geht, dürften Experten zufolge allerdings noch Monate verstreichen, denn die Milliarden-Transaktion muss noch von den Behörden genehmigt werden.

Das sogenannte «Tutoring» ist eine Eigenheit von Börsengängen in China. Dabei bereiten die Banken die Firma auf eine solche Transaktion vor, indem sie die Manager trainieren und sicherstellen, dass alle regulatorischen Vorgaben eingehalten werden. Im Fall von Syngenta übernähmen die Investmentbanken China International Capital (CICC), die zur Bank of China gehörende BOC International sowie CITIC Securities diese Aufgabe. Der Schritt erfolgt vor einem offiziellen Antrag auf Zulassung der Wertpapiere zum Börsenhandel.

Mögliche Zweitkotierung an der SIX
Die im Besitz von ChemChina stehende Syngenta hatte bereits mehrfach angekündigt, bis Mitte 2022 an die Börse gehen zu wollen. Erst kürzlich hatte Syngenta-Chef Erik Fyrwald in einem Interview angedeutet, dass es schneller gehen könne. «Ich hoffe, wir schaffen es bis Ende 2021.»

Finanzmarktkreisen zufolge könnte Syngenta einschliesslich Schulden auf einen Wert von rund 60 Milliarden Dollar kommen, abzüglich Schulden auf etwa 50 Milliarden. Syngenta fasst früheren Angaben zufolge eine Zweitkotierung ins Auge, die einige Monate nach der Erstnotiz über die Bühne gehen könnte. Mögliche Börsenplätze dafür wären Zürich, London oder Hongkong, erklärte ein Insider.

Die aus der Syngenta AG aus der Schweiz, Adama aus Israel sowie den landwirtschaftlichen Aktivitäten der chinesischen Sinochem bestehende Syngenta Group war erst vor einem Jahr aus der Taufe gehobenen worden. Der Konzern sieht sich als Weltmarktführer im Bereich Pflanzenschutz und als Nummer drei im Bereich Saatgut. Die wichtigsten Konkurrenten sind die deutschen Konzerne Bayer und BASF sowie die amerikanische Corteva. 2020 erwirtschaftete Syngenta bei einem Umsatz von 23,1 Milliarden Dollar ein operatives Ergebnis (Ebitda) von 4,0 Milliarden Dollar.

Syngenta war früher an der Schweizer Börse gelistet, wurde dann 2017 aber für 43 Milliarden Dollar von ChemChina geschluckt. Die Transaktion war Teil einer Konsolidierungswelle in der Chemiebranche, die auch in China voranschreitet. Ende März hatte die chinesische Regierung den seit Jahren im Raum stehenden Zusammenschluss von Sinochem Group und ChemChina bewilligt. Mit der Transaktion entsteht der weltgrösste Anbieter von industrieller Chemie. (awp/mc/pg)

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