Steigender Druck auf die Unternehmen der MEM-Industrie

Hans Hess

Swissmem-Präsident Hans Hess.

Zürich – Seit nunmehr fünf Quartalen verzeichnet die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM-Industrie) rückläufige Auftragsein­gänge. Die Umsätze stagnieren und sowohl Preis- wie Margendruck hal­ten an. Aufgrund der trüben Konjunkturprognosen in der EU, dem wich­tigsten Absatzmarkt, ist keine Erholung in Sicht. Noch zeigen sich die Unternehmen erstaunlich widerstandsfähig. Zusätzliche Belastungen wären für viele Unternehmen nicht mehr zu absorbieren.

Im Gegensatz zur allgemein guten Wirtschaftslage in der Schweiz zeigt sich die Lage in der stark exportorientierten MEM-Industrie weiterhin angespannt. Beim Auftragseingang musste die MEM-Industrie im zweiten Quartal 2012 im Vergleich zur Vorjahresperiode einen Rückgang von 4,3% hinnehmen – dies nach einem Minus von 16,8% im ersten Quartal (gesamtes erstes Halbjahr 2012: -11,1%). Damit sind im Vergleich zu den jeweiligen Vorjahresperioden die Auftragseingänge in der MEM-Industrie seit fünf Quartalen rückläufig.

Die schwach positiven Umsatzzahlen (erstes Halbjahr 2012: +1,4%) sind noch eine Folge des starken Auftragseinganges von Anfang 2011. Dieser Effekt dünnt sich jedoch aus. In den ersten drei Monaten 2012 hatten sich die Um­sätze im Vergleich zum Vorjahr noch um 2,1% erhöht. Im zweiten Quartal stagnierten sie auf Vorjahresniveau (+0,7%). Aufgrund des seit Monaten rück­läufigen Auftragseinganges könnten auch die Umsatzzahlen im zweiten Halb­jahr 2012 ins Minus drehen.

Kurzfristig keine Entspannung in Sicht
Alle wichtigen Indikatoren lassen darauf schliessen, dass sich die Lage in der MEM-Industrie kurzfristig nicht entspannen wird. Der Purchasing Managers› Index (PMI), der wichtigste Indikator für die Geschäftsentwicklung im Indust­riesektor, ist in der Schweiz und der Eurozone seit Monaten unter der Wachs­tumsschwelle. Der Schweizer Franken ist nach wie vor überbewertet. Der Druck auf die Exportpreise der Industrie (1. Halbjahr 2012: -2,3%) hielt des­halb weiter an. Damit dürfte sich die Margenerosion in den MEM-Firmen wei­ter akzentuiert haben, was sich direkt auf die Gewinnsituation der Unterneh­men auswirkt. Positiv ist einzig, dass sich die Beschäftigungszahlen (noch) nicht reduziert haben. Allerdings beginnt die Kapazitätsauslastung in der In­dustrie zu sinken. Nach durchschnittlich 89,9% im ersten Quartal 2012 lag sie im vergangenen Quartal noch bei 85,3%.

Entsprechend zurückhaltend schätzen die Unternehmer der MEM-Industrie die Entwicklung in den kommenden 12 Monaten ein. Bei den Auftragseingän­gen aus dem Ausland rechnen über 50% mit einer gleichbleibenden Entwick­lung. Der Anteil jener Unternehmer, die schlechtere Auftragseingänge erwar­ten, hat sich seit dem ersten Quartal von 16,1% auf 23,4% erhöht.

Keine neuen Belastungen für die Industrie
Aufgrund dieser schwierigen Ausgangslage sind die Unternehmen gezwun­gen, die Massnahmen zur Verbesserung der Konkurrenzfähigkeit konsequent voran zu treiben. Swissmem erwartet, dass die Politik und die Sozialpartner diese Anstrengungen unterstützen. Zusätzliche Belastungen der Industrie durch neuen Abgaben und Regulierungen schwächen die Unternehmen im Kampf um die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Sie gefährden damit Pro­duktionsstandorte und deren Arbeitsplätze in der Schweiz.

Solche neuen Belastungen drohen unter anderem durch die vorgeschlagenen Umsetzungsmassnahmen der «Energiestrategie 2050». Sie tragen den An­forderungen der Industrie nach hoher Versorgungssicherheit und wettbe­werbsfähigen Strompreisen ungenügend Rechnung. Die höheren KEV- und CO2-Abgaben verteuern künstlich die Energie.

Swissmem lehnt diese Massnahmen ab. Sie führen im Vergleich zur ausländi­schen Konkurrenz zu einseitig höheren Kosten und verschlechtern damit die internationale Konkurrenzfähigkeit der MEM-Industrie. Zudem fordert Swiss­mem, dass energieintensive Betriebe möglichst rasch von der KEV entlastet werden. Und dies ohne die restliche Industrie zusätzlich zu belasten.

Vorteilhafte Freihandelsabkommen mit China und Indien notwendig 
Im Bereich der Aussenhandelspolitik braucht die MEM-Industrie vorteilhafte Freihandelsabkommen mit China und Indien – auch gegen den Widerstand des Agrarsektors. Angesichts der wohl längerfristigen konjunkturellen Schwäche Europas kommt einem zollfreien Zugang der MEM-Firmen zu diesen Wachstumsmärkten eine noch stärkere  Bedeutung zu. (Swissmem /mc/ps)

Swissmem

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.