Betreiber der Bar in Crans-Montana geraten ins Visier der Justiz
Crans-Montana – Nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana hat die Walliser Staatsanwaltschaft eine Strafuntersuchung gegen die beiden Barbetreiber eröffnet. Ihnen werden fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst vorgeworfen.
Das teilte die Kantonspolizei Wallis am Samstag mit. Sie wies darauf hin, dass bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung gilt.
Die Strafuntersuchung wurde demnach am Freitagabend aufgrund der ersten Ermittlungsergebnisse eröffnet. Laut Staatsanwaltschaft deutet alles darauf hin, dass die Feuersbrunst von «Wunderkerzen» ausging, die auf Champagnerflaschen angebracht waren und zu nahe an die Decke kamen.
Gemäss Bildern in den sozialen Netzwerken soll eine Person auf den Schultern einer anderen Person versehentlich die Decke in Brand gesetzt haben. Die Ermittler legen ihren Fokus nun unter anderem auf den Lärmschutzschaum, der an der Decke angebracht war.
«Auch wir trauern»
Bei den Besitzern der Bar «Le Constellation» handelt es sich um ein französisches Ehepaar. «Lassen Sie uns in Ruhe, auch wir trauern», sagte der Ehemann am Samstag Medienschaffenden vor seinem Haus im Wallis.
Am Freitag hatte er gegenüber Westschweizer Medien angegeben, dreimal innert zehn Jahren kontrolliert worden zu sein. Alles sei «im Rahmen der Normen» abgelaufen. Gegenüber dem Online-Portal «20 Minuten» versicherte er: «Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um zur Klärung der Ursachen dieser Tragödie beizutragen.»
«Die Schweiz ist tieftraurig»
Am Unglücksort machte sich am Samstag Bundesrat Beat Jans ein Bild von der Lage. Im Gedenken an die Opfer legte er einen Blumenstrauss nieder. «Die Schweiz ist tieftraurig», sagte er. Der Schock über die unermessliche Tragödie sitze tief.
Der Bund schaltete auf seiner Website ein Kondolenzbuch auf. Trauernde sollen ihr Mitgefühl für die Opfer des Unglücks zum Ausdruck bringen können.
Am Sonntagvormittag will der Bischof von Sitten, Jean-Marie Lovey, für eine Messe nach Crans-Montana kommen. Anschliessend soll ein Gedenkmarsch für die Opfer stattfinden.
Vier Todesopfer identifiziert
Beim Brand in der Bar kamen nach aktuellem Kenntnisstand 40 Menschen ums Leben. 119 Personen wurden verletzt, viele davon schwer. Mit wenigen Ausnahmen sind seit Freitag alle Verletzten identifiziert.
Von den Todesopfern konnten bislang vier formell identifiziert werden. Dabei handelt es sich um zwei Schweizerinnen im Alter von 21 und 16 Jahren sowie zwei Schweizer im Alter von 16 und 18 Jahren, wie die Walliser Polizei mitteilte. Die Leichname wurden den Familien übergeben.
Schulen öffnen wieder
Trotz der Brandkatastrophe nehmen die Walliser Schulen am Montag den Unterricht wieder auf. Betroffene Klassen erhalten psychologische Unterstützung. Es sollen Gesprächsräume eingerichtet und bei Bedarf Spezialisten beigezogen werden.
Viele junge Menschen sind unter den Opfern der Katastrophe, darunter auch mehrere Schülerinnen, Schüler und Studierende aus dem Kanton Waadt. Auch an den dortigen Bildungseinrichtungen werden Gesprächs- und Unterstützungsangebote bereitgestellt. Ziel ist es laut Kanton, Trauer und Emotionen zu respektieren und gleichzeitig einen möglichst normalen Schulbetrieb sicherzustellen.
Spitäler stark gefordert
Die Spitäler im Wallis und in anderen Kantonen sind wegen der vielen Verletzten stark gefordert. Für die Behandlung der Brandopfer wurden teilweise andere Eingriffe verschoben, so etwa im Universitätsspital Zürich (USZ) und im Kinderspital Zürich.
Dort werden fünf minderjährige Brandopfer behandelt, die im künstlichen Koma liegen. Ihre Versorgung erfordert zahlreiche operative Eingriffe.
Im Unispital Lausanne liegen 22 Personen mit schwersten Brandverletzungen. Über Verschiebungen geplanter Operationen soll im Laufe des Wochenendes entschieden werden. (awp/mc/pg)