Straumann H1: Gewinnsprung dank Sonderfaktoren

Beat Spalinger

Straumann-CEO Beat Spalinger. (Foto: Straumann)

Basel – Der Dentalimplantatehersteller Straumann hat im ersten Halbjahr 2012 unter einem schwachen Konjunkturumfeld gelitten; zeitgleich fiel die Abkühlung des Marktes mit verschiedenen kostenintensiven Projekten zusammen. Der ausgewiesene Gewinn ist zwar deutlich gestiegen, unter Ausklammerung von im Vorjahr angefallenen Sondereffekten sackte der Überschuss jedoch ab. Das Unternehmen will keine weiteren eigenen Aktien mehr zurückkaufen.

Straumann musste in der Berichtsperiode einen Umsatzrückgang von 1,5% auf 361,7 Mio CHF hinnehmen. In Lokalwährungen gerechnet gingen die Verkäufe um 0,2% zurück. Nach dem Wegfall von negativen Sondereffekten kletterten der EBIT um 37% auf 53,3 Mio und der Reingewinn um 14% auf 43,8 Mio CHF. Straumann hatte im Vorjahr eine Wertminderung von 40,2 Mio auf einen japanischen Distributor vorgenommen.

Wird dieser Effekt ausgeklammert, fielen der EBIT sowie der Reingewinn auf vergleichbarerer Basis um jeweils knapp 33% hinter das Vorjahresergebnis zurück. Mit den vorgelegten Zahlen wurden die Prognosen der Analysten verfehlt.

Kostenintensive Projekte und Marktabkühlung
Gemäss Straumann drückten unter anderem die Kosten für eine neue Organisationsstruktur sowie für den Ausbau des Vertriebs in Nordamerika auf die Gewinne. Die initiierten Projekte seien für das künftige Wachstum wichtig, betont Konzernchef Beat Spalinger gemäss Mitteilung. «Dank eines effizienten Kostenmanagements konnten wir jedoch einen Teil dieser zusätzlichen Kosten durch Einsparungen an anderer Stelle kompensieren», lässt sich der CEO zitieren.

«Unser Marktumfeld entwickelte sich enttäuschend; der von uns erwartete allmähliche Aufschwung ist ausgeblieben», so Spalinger weiter. In Nordamerika und den Schwellenmärkten erzielte das Unternehmen zwar ein zweistelliges Wachstum in Lokalwährungen. Dies habe jedoch nicht ausgereicht, um den Rückgang in der grössten Konzernregion Europa auszugleichen.

Nordamerika mit Abkühlung im zweiten Jahresviertel
Nordamerika verzeichnete im ersten Halbjahr ein zweistelliges Wachstum (+10% in LW), angetrieben durch ein aussergewöhnlich starkes erstes Quartal (+14%). Der Zuwachs im zweiten Jahresviertel belief sich noch auf 7%. Trotz der jüngsten Abschwächung blieben die fundamentalen Wachstumsfaktoren für den Markt jedoch weiterhin intakt, betont Straumann. Der Beitrag von Nordamerika zum Gruppenumsatz belief sich auf rund ein Viertel.

Europa, die Region steht für 56% der Verkäufe, leide hingegen unter der anhaltend schwierigen Wirtschaftslage. Hier sanken die Verkäufe im ersten Halbjahr um 5% in Lokalwährungen, für das zweite Quartal resultierte gar ein Minus von 7%. Vor allem in der Italien und auf der iberischen Halbinsel dürfte sich die Situation gemäss Einschätzung des Unternehmens nicht so bald verbessern.

Deutschland lag leicht hinter dem Vorjahresergebnis, während Frankreich und Grossbritannien erneut eine überdurchschnittliche Entwicklung gezeigt hätten.

Aktienrückkauf eingestellt
Wie Straumann weiter mitteilte, habe der Kauf einer 49%-Beteiligung an der brasilianischen Neodent die Liquidität der Gesellschaft deutlich verringert. Man habe deshalb entschieden, das Aktienrückkaufprogramm nicht weiterzuführen. Insgesamt habe Straumann 204’000 eigene Aktien für 29 Mio CHF erworben. Ursprünglich wollte Straumann für maximal 100 Mio CHF kaufen.

Die Neodent-Transaktion wurde im Mai abgeschlossen. Straumann hat ferner die Option, ihren Anteil über die nächsten sechs Jahre auf 100% zu erhöhen.

Guidance gesenkt
Für das Gesamtjahr gibt sich Straumann zurückhaltend. Der Markt für Zahnersatz dürfte bestenfalls stabil bleiben. Die Gruppe erwartet zwar, den Markt zu übertreffen. Doch im Vergleich zu früheren Angaben liegen die Wachstumsaussichten tiefer. Im Frühjahr hatte die Gruppe noch ein Marktwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich in Aussicht gestellt.

Straumann rechnet für 2012 neu mit einer EBIT-Marge in der Grössenordnung des Halbjahresergebnisses (14,7%). Zuvor hatte die Prognose «mindestens auf Niveau des Vorjahres» (vor Sondereffekten) gelautet. Der entsprechende Vergleichswert lag damit früher bei 17,3%. (awp/mc/pg)

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