Sulzer mit leicht rückläufigem Bestellungseingang nach neun Monaten

Thomas Dittrich

Sulzer Interims-CEO und CFO Thomas Dittrich. (Foto: Sulzer)

Winterthur – Der Industriekonzern Sulzer hat in den ersten neun Monaten 2015 etwas weniger Bestellungen erhalten. Klammert man indes den negativen Währungseffekt aus, erhöhte sich der Auftragseingang leicht. Dafür ist vor allem der Energie- und Wassermarkt verantwortlich, welcher die Schwäche im Öl- und Gasmarkt mehr als wettmachen konnte. Geholfen haben dem Unternehmen auch Einsparungen aus dem Sulzer Full Potential-Programm. Insgesamt wurden die Prognosen knapp erfüllt. Am bisherigen Ausblick auf das Gesamtjahr wird festgehalten

Der Bestellungseingang reduzierte sich um 1,4% auf 2,27 Mrd CHF. Bereinigt um Währungseinflüsse ergab sich hingegen ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 3,0%, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilt. Der negative Währungseffekt beläuft sich auf 4,4%. Damit hat Sulzer am unteren Ende der Erwartungen der Analysten abgeschlossen. Betrachtet man das dritte Quartal für sich allein, ergab sich ein knappes währungsbereinigtes Plus von 0,9%, bei einem negativen Währungseffekt von 5,6%.

Seit Jahresbeginn sei man mit wachsenden Herausforderungen im Öl- und Gasmarkt und in China konfrontiert, was allerdings auf währungsbereinigter Basis durch ein starkes Ergebnis im Energie- und Wassermarkt mehr als kompensiert worden sei, schreibt Sulzer zum Geschäftsverlauf. Auch Einsparungen des Sulzer Full Potential-Programms trugen zur Kompensation bei.

Weitere Werksschliessungen
Nach Regionen betrachtet erhöhte sich der Auftragseingang auf währungsbereinigter Basis in Europa, dem nahen Osten und in Afrika, wogegen in Nord-, Mittel- und Südamerika ein moderater Rückgang registriert wurde. Ein signifikanter Rückgang wurde in der Region Asien/Pazifik verzeichnet, dies hauptsächlich wegen China.

Nebst dem schon länger laufenden Sulzer Full Potential-Programm, welches sich gemäss heutigen Aussagen wie geplant entwickelt, hat Sulzer in jüngster Vergangenheit verschiedene Restrukturierungsprogramme angekündigt. So soll, um der anhaltenden Schwäche im Öl- und Gasmarkt zu begegnen, die Kapazität der grössten Division Pumps Equipment reduziert werden. Dazu werden die Produktionskapazitäten in Brasilien, den USA und China angepasst und der Personalbestand reduziert. Im Rahmen dieses Restrukturierungsprogramms wird nun die Pumpenfabrik im texanischen Brookshire in den USA geschlossen, wie ebenfalls heute bekanntgegeben wird. Ausserdem wird die Stilllegung der Giesserei im finnischen Kotka erwogen.

Bereits im Juni hatte das Unternehmen die operativen Strukturen in Division Chemtech angepasst und den Abbau von rund 130 Stellen durch natürliche Fluktuation angekündigt. Dabei wurde die Schliessung der Produktionsstätte Apparatebau der Division Chemtech in Allschwil mit 20 Mitarbeitenden angekündigt. Auch in China, Singapur und Kanada werden Fabrikationskapazitäten abgebaut.

Prognosen bestätigt und präzisiert – Öl- und Gasmarkt bleibt schwach
Mit Blick auf die Entwicklung der einzelnen Divisionen im dritten Quartal ergab sich in der grössten Division Pumps Equipment ein währungsbereinigter Rückgang der Bestellungen um 3,9% und ein Minus von 5,4% bei Rotating Equipment Services. Hier hätten sich die Herausforderungen in der Öl- und Gasindustrie im Laufe der ersten neun Monate verschärft. Die Division Chemtech steigerte die Aufträge im Quartal dagegen um gut 21%, was vor allem mit dem starken Geschäft des Bereichs Tower Field Services begründet wird.

Für das Gesamtjahr 2015 werden die bisherigen Prognosen bestätigt und teilweise präzisiert. Demnach ist auf währungsbereinigter Basis mit einem «moderaten» Rückgang des Umsatzes und einem leichten Rückgang des Bestellungseingangs zu rechnen. Der währungsbereinigte operative EBITA dürfte gegenüber dem Vorjahr um 10 bis 15% zurückgehen. Sulzer rechnet vorläufig mit einem anhaltend tiefen Ölpreis und einer entsprechend gedämpften Investitionsfreudigkeit bei den Kunden im Öl- und Gasmarkt.

Festgehalten wird auch an der mittelfristigen Zielsetzung, ab 2018 eine EBITA-Marge um 4 bis 6 Prozentpunkte über dem Wert von 2014 (rund 10%) zu erreichen.

An der Börse verzeichneten die Sulzer-Aktien am Donnerstag in einem freundlichen Gesamtmarkt ein Minus von 1,7% auf 99,50 CHF. Die Zahlen wurden insgesamt als solide bezeichnet, bemängelt wurde allenfalls, dass das Momentum weiter nach unten zeige und dass keine Neuigkeiten zur Besetzung des CEO-Postens zu hören waren. (awp/mc/upd/ps)

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