Tamedia: Goldbach-Übernahme verschiebt sich

Christoph Tonini
Tamedia-CEO Christoph Tonini. (Foto: Tamedia)

Zürich – Der Zürcher Medienkonzern Tamedia muss sich bei der geplanten Übernahme der Medienvermarkterin Goldbach weiter gedulden. Aufgrund der laufenden Prüfung der Übernahme durch die Eidgenössische Wettbewerbskommission (Weko) ist die erforderliche Freigabe für die Übernahme nach wie vor ausstehend. Von Gesetzes wegen war der Medienkonzern daher nun verpflichtet, ein Gesuch um Verlängerung des Vollzugsaufschubs einzureichen, wie Tamedia am Montag mitteilte.

Mit einer Verfügung vom 10. August habe die Übernahmekommission Tamedia eine Verlängerung des Aufschubs des Vollzugs bis zum 31. Oktober 2018 nun genehmigt, hiess es in dem Communiqué weiter. Bereits zuvor hatte Tamedia bekannt gegeben, dass sich der Vollzug der Transaktion mindestens auf September oder Oktober 2018 verschieben wird. Der Handel mit Goldbach-Aktien auf der zweiten Handelslinie bleibt nun vorerst weiter aufrechterhalten.

Das im vergangenen Dezember von Tamedia lancierte Angebot an die Goldbach-Aktionäre war gemäss dem definitiven Endergebnis von Mitte April von knapp 97 Prozent der Aktionäre angenommen worden. Tamedia hatte 35,50 Franken je Goldbach-Aktie oder insgesamt 216 Millionen Franken geboten. Geplant ist, die verbleibenden Minderheitsaktionäre nach dem Vollzug der Übernahme im Rahmen einer Barabfindung zu entschädigen und die Goldbach Group zu dekotieren.

Mögliche marktbeherrschende Stellung
Doch hatte die Weko der Tamedia im Bezug auf eine schnelle Übernahme einen Strich durch die Rechnung gemacht. In einem eigenen Communiqué hatte die Behörde im Mai mitgeteilt, dass Anhaltspunkte darauf bestünden, dass der Zusammenschluss eine marktbeherrschende Stellung begründe oder verstärke. So erreiche Tamedia mit über 50 Medien und Digitalplattformen einen grossen Teil der Schweizer Bevölkerung in sämtlichen Sprachregionen und Goldbach besitze in der Schweiz eine der führenden Positionen in der Vermarktung elektronischer Medien.

Beim Zürcher Medienhaus hatte man mit Unverständnis auf das Vorgehen der Weko reagiert. Tamedia-CEO Christoph Tonini kritisierte im August das Prozedere der Weko in einem Interview mit dem Onlineportal „persoenlich.com“ als „weltfremd“. Während die Weko monatelang untersuche, ob auf dem Schweizer Werbemarkt eine wettbewerbsbeherrschende Stellung entstehe, flössen täglich mehr Werbegelder an die Tech-Konzerne Google und Facebook ab.

Auch „BaZ“-Übernahme wird geprüft
Für wenig Freude dürfte bei Tonini daher auch gesorgt haben, dass die Weko vor einer Woche die Prüfung der geplanten Übernahme der „Basler Zeitung“ durch Tamedia bekannt gab. Auch hier erklärte die Behörde, dass eine mögliche marktbeherrschende Stellung auf verschiedenen Märkten durch Tamedia die Folge sein könnte. (awp/mc/pg)

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