Temenos will im Schweizer Markt aktiver werden

David Arnott
David Arnott, scheidender Temenos-CEO. (Foto: Temenos)

Temenos-CEO David Arnott. (Foto: Temenos)

Genf – Lange Zeit war es um einen der weltweit bekanntesten Software-Anbietern im Finanzsektor auffallend ruhig, wenn es um den Schweizer Markt ging. Hier machten Anbieter wie Avaloq, Finnova oder Sungard im grossen Stil Schlagzeilen und Abschlüsse. Das soll sich nun ändern, Temenos will im Schweizer Markt ebenso erfolgreich und bekannt werden, wie im Ausland.

Mit über 1’600 Installationen in über 150 Ländern, fast einer halben Milliarde US-Dollar Umsatz im 2013 und über 3’500 Mitarbeitenden in 58 Niederlassungen gehört Temenos zu den weltweit führenden Anbietern von Finanz-Software. In der Schweiz, wo sich der Hauptsitz des Unternehmens befindet, blieb es aber bis anhin auffallend ruhig um Temenos. Mit ein Grund mag gewesen sein, dass sich die hiesige Finanzindustrie noch zu wenig um die Kostenseite der IT-Plattformen kümmern musste, da die Margen im Finanzgeschäft im Vergleich zu anderen Industrien und im Vergleich zum Ausland traumhaft hoch waren. Das beginnt sich jetzt mit dem Wegfall des Bankkunden-Geheimnisses, der verschärften Konkurrenz aus dem Ausland und von branchenfremden Anbietern schnell und nachhaltig zu ändern. Während im Industrie-Sektor etwas mehr als 2 Prozent der Ausgaben auf die IT fallen, waren es bis anhin im Bankensektor um die 14 Prozent (Studie der Boston Consulting Group). In der Finanzkrise 2008-2009 fiel aber die Profitabilität (ROE) von vormals 16 Prozent auf 4-7 Prozent und hat sich seither bei 9 Prozent eingependelt. Das heisst, etwa anhaltend sieben Prozent Profitabilität fehlen gegenüber früherer Jahre und müssen durch weniger Ausgaben, zum Beispiel im IT-Bereich, kompensiert werden.

Wie sich Temenos-Kunden vom Rest der Welt unterscheiden
Temenos hat zusammen mit Deloitte  ein White Paper erstellt, um zu schauen, wie Temenos-Kunden bezüglich «Rendite auf den Vermögenswerten», «Eigenkapitalrendite» und «Kosten-Gewinnverhältnis» gegenüber Kunden mit alten (oft selbst entwickelten) Systemen und solchem mit modernen Systemen von direkten Konkurrenten abschneiden. Das Resultat in der folgenden Grafik zeigt, dass Temenos-Kunden in allen drei gemessenen Bereichen einen erheblichen Vorteil gegenüber den anderen Kunden aufweisen.

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Alte Hunde lernen keine neuen Tricks
Die lange gepflegte Tradition, bestehende Systeme weiter zu entwickeln, auf neue Systemplattformen zu migrieren und funktional auszuweiten, scheitert an der neusten Generation der Entwicklungen. Systeme, welche teilweise noch Lochkarten-Verarbeitung mit berücksichtigen und optimiert sind auf die Bedienung von Bancomaten, können nicht auf die neuen digitalen Kanäle erweitert werden (Smartphones, Soziale Medien). Die technischen Entwicklungen der letzten Jahre sind so fundamental, dass ein Bruch entstanden ist.

Der daraus entstehende Druck, zusammen mit der zunehmenden Dichte der Regulierungen, stellt viele kleine und mittlere Banken vor die grundsätzliche Entscheidung, welche IT-Systeme sie in Zukunft einsetzen möchten. Sogar Grossbanken kommen unter dem Kostendruck nicht mehr darum herum, «make or buy»-Szenarien ernsthaft gegeneinander abzuwägen. In dieser Situation sieht Temenos in der Schweiz neue Chancen für Anbieter moderner IT-Lösungen im Finanzsektor und wird sich intensiver als in der Vergangenheit im Heimmarkt zu positionieren versuchen. (mc/hfu)

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