Teure Medikamente und ambulante Behandlungen als Kostentreiber

Medikamente

Neuenburg – Die Ausgaben der obligatorischen Krankenpflegeversicherung sind in den zwölf Jahren von 1998 bis 2010 teuerungsbereinigt um 6,9 Milliarden Franken gestiegen. Die Zunahme lässt sich nur zu einem kleinen Teil dem Bevölkerungswachstum oder der Alterung zuordnen. Es sind vor allem die ambulanten Behandlungen sowie die Medikamente, die zu deutlich höheren Kosten führten. Dies zeigt eine Mehrjahres-Studie des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan).

Die Gesamtausgaben im Gesundheitswesen der Schweiz beliefen sich 2010 auf 62,5 Milliarden Franken. Knapp ein Drittel dieser Ausgaben, 22 Milliarden Franken, wurden durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) gedeckt. Zwischen den Jahren 1998 und 2010 haben die Ausgaben im Rahmen der OKP um jährlich 4,6 Prozent zugenommen, stärker als die Gesamtausgaben (+3,8%). Dies zeigt sich deutlich bei den Pro-Kopf-Kosten, welche miteinander verglichen wurden. Während diese Kosten im Jahr 1998 für eine versicherte Person durchschnittlich 1640 Franken betrugen, waren es 2010 rund 2680 Franken – unter Berücksichtigung der Teuerung eine Zunahme um 3,2 Prozent pro Jahr.

Moderate Zunahme der stationären Behandlungen
Drei Leistungsbereiche der Krankenversicherungen decken 92 Prozent der Gesamtausgaben ab: die ambulante Behandlung, die stationäre Behandlung sowie die Vergütung von Medikamenten und Material. Am stärksten nahmen die Kosten von 1998 bis 2010 bei Medikamenten und Material zu (+4,9% pro Jahr). Auch die Kosten im Bereich der ambulanten Behandlung stiegen deutlich an (+4,2% pro Jahr).

Die stationäre Behandlung in Spitälern zeigte laut Obsan eine vergleichsweise moderate Kostenzunahme (+3,3% pro Jahr). Insbesondere haben neue therapeutische Methoden dazu geführt, dass die Betroffenen kürzer stationär oder oft auch ambulant behandelt werden können. Spitalaufenthalte wurden in den letzten Jahren trotzdem teurer, da während des Aufenthalts mehr oder teurere Leistungen angeboten werden.

Alterung der Gesellschaft ist nicht Hauptgrund für Kostenzunahme
Je nach Kanton fallen die OKP-Gesamtkosten unterschiedlich aus. Die Analyse des Obsan zeigt, dass Kantone, welche 1998 überdurchschnittlich hohe Pro-Kopf-Kosten hatten, fast durchwegs auch 2010 überdurchschnittlich hohe Kosten aufwiesen. Die höchsten Pro-Kopf-Kosten zeigten über den gesamten Zeitraum die Kantone Genf und Basel-Stadt; die tiefsten die Kantone Appenzell Innerrhoden und Nidwalden, was auf strukturelle Unterschiede der Kantone hindeutet. Auffallend ist auch, dass die Kantone Genf und Waadt einen deutlich tieferen Anteil der Ausgaben im stationären Bereich aufweisen, der durch höhere Ausgaben für ambulante Leistungen kompensiert wird.

Alterung und Bevölkerungszunahme erklären nur einen Fünftel der Kostenveränderung zwischen 1998 und 2010. Wichtigste Ursache des Kostenzuwachses bei den ambulanten Leistungen im Spital ist die Zunahme der Konsultationen. Bei den in der Arztpraxis behandelnden Spezialistinnen und Spezialisten ist der Kostenzuwachs darauf zurückzuführen, dass die Konsultationen von älteren Personen zugenommen haben und dass das Leistungsvolumen für Letztere gestiegen ist. Zusätzlich spielt die Wahl neuerer und teurerer Medikamente eine Rolle, und zu einem kleineren Teil auch die Zunahme des Pro-Kopf-Konsums.

Weitere Zunahme der Kosten erwartet
Das Obsan geht davon aus, dass die OKP-Kosten auch in den kommenden Jahren weiter zunehmen werden. Zum einen wird die Alterung der Bevölkerung zu einer Zunahme chronischer und damit kostenintensiver Krankheiten führen. Zum anderen werden bedeutende technische Fortschritte erwartet, die zwar die Qualität der Behandlung verbessern werden, aber auch zu einer weiteren Kostenzunahme beitragen werden. (Obsan/mc/pg)

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