«NZZ»-Redaktion will keinen nationalkonservativen Chef

Etienne Jornod
Etienne Jornod, VR-Präsident der NZZ-Mediengruppe. (Foto: NZZ Mediengruppe)

Etienne Jornod, VR-Präsident der NZZ-Mediengruppe. (Foto: NZZ Mediengruppe)

Zürich – Nach den «NZZ»-Korrespondenten warnen auch die «NZZ»-Redaktoren in einem Brief an den Verwaltungsrat vor der Ernennung eines Chefredaktors mit nationalkonservativer Gesinnung. 163 Mitglieder der «NZZ»-Redaktion haben die Stellungnahme unterzeichnet, die praktisch identisch ist mit jener von 63 Korrespondenten vom Montag.

Nach Ansicht der Redaktion würde ein nationalkonservativer Chefredaktor «das Ende der Kultur einer liberalen und weltoffenen NZZ bedeuten», wie es in dem am Dienstag veröffentlichten Brief heisst. Mit grösster Besorgnis habe die Redaktion zur Kenntnis genommen, dass der Verwaltungsrat der NZZ-Mediengruppe mit Markus Somm Gespräche über die Nachfolge von Markus Spillmann geführt habe.

Blocher-Intimus Somm hatte am Montag mitgeteilt, er habe mit der Führung der NZZ-Mediengruppe Gespräche geführt, aber «nach reiflicher Überlegung» beschlossen, seine Tätigkeit als Chefredaktor und Verleger der «Basler Zeitung» weiterzuführen. Auch nach der Absage von Somm sei die NZZ-Redaktion tief besorgt um die Zukunft der NZZ. «Sollte sich die politische Richtung, in der offenbar nach einem neuen Chefredaktor gesucht worden ist, bestätigen, so protestieren wir gegen diese Pläne in aller Schärfe», heisst es in der Stellungnahme.

Über 60 NZZ-Korrespondenten warnen vor Rechtsruck der Zeitung
Am Montag hatten in einem Brief an die Chefredaktion über 60 Korrespondentinnen und -Korrespondenten der NZZ ihre Besorgnis ausgedrückt, dass «die Kultur einer liberalen und weltoffenen NZZ» in Gefahr sei. Im Brief wird die NZZ-Chefredaktion aufgefordert, auf das Anhörungsrecht der Redaktion zu pochen.

«…verurteilen wir diese Pläne in aller Schärfe.»
Auch nach der Absage von Somm sind wir tief besorgt über die Zukunft der NZZ. Sollte sich die politische Richtung, in der offenbar nach einem neuen Chefredaktor gesucht worden ist, bestätigen, so verurteilen wir diese Pläne in aller Schärfe», heisst es in dem in der Sendung «10vor10» des Schweizer Fernsehens SRF vom Montagabend vorgestellten Schreiben.

Weiter heisst es in dem Brief: «Mit der Wahl eines Chefredaktors mit rechtskonservativer Gesinnung gerieten die liberale Publizistik und Kultur der NZZ unter die Räder. Dagegen wehren wir uns mit allem Nachdruck.» Der Brief ist in voller Länge auch auf der Website von SRF nachzulesen. NZZ-online fasste den Inhalt lediglich zusammen. (awp/mc/upd/pg)

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