Uhrenbranche: Wie tief stecken Schweizer Manufakturen wirklich in der Krise?

Uhren
(Foto: Pixabay)

Die Uhrenbranche durchlebt aktuell schwere Zeiten – insbesondere in der Schweiz: Besonders schwerwiegend sind die Exportrückgänge. 2016 kam es sogar vermehrt zu Rückimporten nicht verkaufter Uhren aus der ganzen Welt. Besonders die teuersten Modelle kamen in diesem Jahr unverkauft zurück in die Schweiz, vor allem aus dem bis dato wichtigsten Absatzmarkt China.

So stellt sich die Frage, wie tief die Branche tatsächlich in der Krise steckt. Was sind die Gründe für diese Entwicklung? Und gibt es auch Lichtblicke?

Rückimporte und Entlassungen treffen Luxusmarken
In der Uhrenbranche stellt sich nach Jahren des Wachstums langsam Krisenstimmung ein: Einstmals exportierte Uhren werden inzwischen wieder in die Schweiz rückimportiert. Mit 39,5 Prozent der gesamten Uhrenimporte lag die Zahl der Rückimporte – also Uhren aus eigener Schweizer Herstellung – 2016 ganze 5,1 Prozent über dem Vorjahresniveau. Erstaunlich ist, dass der Wert der rückimportierten Zeitmesser im Schnitt 7.000 Franken (rund 6.550 Euro) beträgt. Damit scheinen sich vor allem die hochpreisigen Uhren zu Ladenhütern entwickelt zu haben. Die Folge sind Stellenstreichungen in einigen Manufakturen: So berichtet die Neue Zürcher Zeitung, dass schon im vergangenen Jahr Hersteller wie Bulgari oder Parmigiani ankündigten, Stellen kürzen zu müssen. In diesem Jahr folgten die Marken Ulysse Nardin, Piaget und Vacheron Constantin. Die Uhren dieser Marken liegen allesamt im hochpreisigen Segment. François Matile, Generalsekretär des Arbeitgeberverbandes der Schweizerischen Uhrenindustrie, schätzt den gesamten Stellenabbau in der Schweiz 2016 auf drei bis vier Prozent.

Einstiegssegment und Vintage-Markt sind weniger betroffen
Weniger betroffen scheinen Einsteigeruhren und erschwinglichere Luxusmodelle zu sein. Auch Vintage-Uhren und der Gebrauchtmarkt sind von der Krise aktuell nicht betroffen: Stefan Muser, Leiter eines Mannheimer Auktionshauses mit Schwerpunkt auf Vintage-Uhren, betont im Interview mit dem Manager Magazin, dass dieser Markt «noch recht stabil» sei. Beispiel Militäruhren: Hier gibt es nach wie vor ein großes Interesse unter Sammlern. Viele der bei Online-Markplätzen wie Chrono24 gehandelten Modelle haben inzwischen eine historische Bedeutung und leben von ihrer Geschichte – dafür gibt es fast immer einen Markt. Gute Nachrichten gibt es vorerst auch für die deutschen Uhrenmanufakturen: Im Zuge der diesjährigen Baselworld ist bereits bekannt geworden, dass Luxusmarken, die eher für Understatement bekannt sind, von dem Trend profitieren – so etwa der in Glashütte ansässige Hersteller Nomos. Während einige Schweizer Firmen bereits im Jahr 2015 Stellen einbüßen mussten, konnte Nomos laut Geschäftsführerin Judith Borowski um 30 Prozent wachsen.

Chinesischer Markt: Größte Herausforderung für die Branche
Der einstmals wichtigste Absatzmarkt China ist inzwischen zur größten Herausforderung geworden: Haben gutbetuchte Chinesen in den vergangenen Jahren noch für ein rasantes Wachstum gesorgt, jede Preiserhöhung mitgemacht und Luxus-Shoppingtrips in die Schweiz unternommen, hat sich das Kaufverhalten in Fernost inzwischen grundlegend verändert. Vor allem ein neues Anti-Korruptionsgesetz und hohe Einfuhrzölle schaden dem ehemals so profitablen Geschäft in China. Erhöhte Terrorgefahr in Europa wiederum sorgt zunehmend für sinkende Besucherzahlen aus Fernost – auch deshalb bleiben zahlreiche Uhren in den Schaufenstern liegen. Darüber hinaus hat sich auch der Geschmack der Zielgruppe verändert: Aufgrund des Anti-Korruptionsgesetzes ist in China inzwischen das schlichte Design von Marken wie Nomos angesagter. Darauf müssen sich einige Schweizer Marken einstellen, gleichzeitig aber auch die europäischen Märkte erneut in den Fokus nehmen. Nur so kann sich die Branche in der Schweiz langfristig aus der Krise manövrieren und in Zeiten wachsender wirtschaftlicher Unsicherheit und einer zunehmenden Billig-Konkurrenz durch Smartwatches auf dem Markt bestehen. (zVg/mc/hfu)

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