Uhrenexporte wachsen mit Brexit-Sorgen im Februar

Uhrenexporte wachsen mit Brexit-Sorgen im Februar

Biel – Im Monat Februar haben die Schweizer Uhrenexporte zugelegt und damit die hohe Hürde aus dem Vorjahr übersprungen. Überrascht hat der starke Anstieg in Grossbritannien, wo sich die Uhrenverkäufer aus Sorge vor einem ungeordneten Brexit mit Uhren eingedeckt haben.

Der Export von Schweizer Uhren hat nach dem Rückgang im Dezember und dem verhaltenen Jahresstart im Januar an Fahrt gewonnen. Im Februar stieg das Volumen der Uhrenexporte gemäss der am Dienstag veröffentlichten Statistik des Schweizerischen Uhrenverbands (FH) nominal um 3,4 Prozent auf 1,76 Milliarden Franken.

Damit ist der Branche der Start ins neue Jahr geglückt, nachdem die Uhrenexporte bereits im Januar entgegen den Erwartungen leicht zulegen konnten. Und das war nicht einfach, schliesslich lag die Latte sowohl im Januar als auch im Februar mit den im Vorjahr erzielten zweistelligen Wachstumsraten sehr hoch.

Sorgen vor Brexit-Chaos
Die treibende Kraft des Aufschwungs im Februar war überraschenderweise Grossbritannien. Dort hat sich das Exportvolumen auf 127 Millionen Franken mehr als verdoppelt. Beim Uhrenverband glaubt man, dass sich britische Uhrengeschäfte auf einen möglichen ungeordneten Austritt der Insel aus der EU vorbereiten und allfälligen Problemen am Zoll vorbeugen.

Grossbritannien rückte aufgrund der „Brexit-Hamsterkäufe“ in der Rangliste der wichtigsten Exportmärkte für Schweizer Uhrenhersteller um einen Rang auf den vierten Platz vor. Der drittgrösste Markt China fand derweil nach zwei Monaten mit sinkenden Raten in die Wachstumsspur zurück und das Exportvolumen zog um 15 Prozent an. Zweistelliges Wachstum erreichten auch Japan und Singapur.

Dagegen wurde in den beiden grössten Absatzmärkten Hongkong und USA die jeweils hohe Vergleichsbasis nicht übertroffen: Nach Hongkong wurden in Franken gerechnet 3,8 Prozent weniger verschifft, für die USA resultierte gar ein Minus von 6,6 Prozent.

Grosse Nachfrage nach teuren Uhren
Ein Blick auf die Entwicklungen der verschiedenen Preiskategorien zeigt, dass sich teure Schweizer Uhren im Ausland nach wie vor einer grossen Beliebtheit erfreuen. Die Zeitmesser mit einem Exportwert von über 3’000 Franken legten im Volumen um 7,5 Prozent zu. Dieser Trend sei seit beinahe zwei Jahren ungebrochen,

Schwach schnitten erneut Uhren mit einem Exportpreis von unter 200 Franken ab. In Franken sank das Exportvolumen bei den günstigsten Uhren um 15 Prozent. In den beiden mittleren Preissegmenten waren die Veränderungen nicht allzu stark.

In Stückzahlen gerechnet wurden 8,6 Prozent weniger Uhren ins Ausland exportiert. Das ist Ausdruck der entgegengesetzten Entwicklung bei den teuersten und den günstigsten Uhren.

Anleger kaufen zu
Die besser als erwartet ausgefallene Februar-Statistik treibt die Kurse der Uhrenaktien in die Höhe. Schliesslich hatten Analysten nicht mit einem Exportanstieg, sondern vielmehr mit einem Rückgang gerechnet.

Bis am frühen Nachmittag rücken die Titel der Swatch Group um 3,7 Prozent zurück über die Schwelle von 300 Franken vor und die Papiere der Genfer Luxusgruppe Richemont gewinnen gut 2 Prozent. Mit Zurückhaltung wurden dagegen die in der vergangenen Woche von Swatch-Chef Nick Hayek gewohnt optimistischen Aussagen zum Geschäftsverlauf seiner Gruppe aufgenommen.

Hayek beteuerte am Donnerstag an der Bilanzmedienkonferenz, dass Swatch gut ins Jahr 2019 gestartet sei und sich die Uhren in Märkten wie China, den USA, Grossbritannien oder der Schweiz einer „sehr guten“ Nachfrage erfreuten. Zugleich warnte er davor, den Exportdaten der Zollverwaltung zu grosse Bedeutung beizumessen. Den sie zeigten nicht auf, wieviele Uhren tatsächlich verkauft werden. (awp/mc/ps)

FH

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