Uhrenverband rechnet mit einem Exportrückgang um 25 bis 30 Prozent

Uhrenverband rechnet mit einem Exportrückgang um 25 bis 30 Prozent

Neuenburg – Die Schweizer Uhrenbranche leidet stark unter den Folgen der Corona-Pandemie. Beim Schweizerischen Uhrenverband FH geht man im laufenden Jahr von einem deutlichen Rückgang der Uhrenexporte aus.

Der Verband rechnet 2020 mit einem Exportrückgang um 25 bis 30 Prozent. Dies sagte FH-Präsident Jean-Daniel Pasche am Donnerstag an der Generalversammlung des Dachverbandes gegenüber der Nachrichtenagentur AWP. In den ersten fünf Monaten waren die Ausfuhren von Zeitmessern „Made in Switzerland“ um knapp 36 Prozent auf 5,7 Milliarden Franken gesunken.

In den kommenden Monaten dürfte sich die Situation laut Pasche jedoch allmählich verbessern. Schliesslich durften die Uhren- und Schmuckboutiquen in vielen Ländern ihre Türen wieder öffnen. Gedämpft wird die Erholung allerdings durch die ausbleibenden Touristen. Vor allem in Europa werde das Fehlen asiatischer und amerikanischer Touristen das Geschäft belasten, so Pasche.

Schleppende Erholung
„Insgesamt bleibt die Situation für die Uhrenhersteller daher schwierig. Der Markt erholt sich nur langsam“, sagte der Verbandspräsident weiter. Die Erholung hänge davon ab, wie schnell die Kauflust der Konsumenten zurückkomme und wie sich die Pandemie weiterentwickle.

Mit Blick auf die Produktion von Uhren stellte Pasche fest, dass die meisten Uhrmacher ihre Tätigkeit wieder aufgenommen haben. Das sei jedoch aufgrund der vorsorglich getroffenen Gesundheits- und Hygienemassnahmen in den Fabriken nicht zu 100 Prozent möglich. Wie stark die Produktion hochgefahren wurde, unterscheide sich auch von Marke zu Marke teilweise erheblich.

Wie bereits im Anschluss an die Finanzkrise sind es laut Pasche auch in dieses Mal die Zuliefererfirmen der Uhrenbranche, welche als erste die Folgen der Krise stark zu spüren bekämen. Und diese Firmen dürften auch als letzte von einer allfälligen Erholung profitieren. Der Neuenburger Zulieferer Gilbert Petit-Jean musste beispielsweise bereits Personal entlassen.

Hayek rechnet mit schneller Erholung der Uhrenbranche
Auch Swatch-Chef Nick Hayek geht für den Bieler Uhrenkonzern von einem schwierigen Geschäftsjahr 2020 aus. „Es wird ein Jahr, das ganz klar tiefe Spuren im Resultat hinterlässt“, sagte Hayek im Gespräch mit der „Bilanz“. Doch Hayek rechnet mit einer schnellen Erholung der Branche. „Die Nachfrage wird in der zweiten Hälfte des Jahres jene vom letzten Jahr übertreffen“, ist der Hayek überzeugt. Ein Nachholbedarf sei bereits in Korea, Taiwan und China spürbar, also in jenen Ländern, die am schnellsten aus der Pandemie-Situation kamen.

„Die Leute haben immer Lust, zu konsumieren“, sagte Hayek weiter. Für die Swatch Group ist es beim Wiederaufschwung von Vorteil, dass über ein Drittel des Umsatzes in Greater China (Festlandchina, Taiwan, Hongkong und Macau) erzielt werden.

Wachstum im Internet
Wachstum soll laut Hayek auch aus dem Onlinemarkt kommen. Bisher erzielt die Swatch Group nur rund fünf Prozent ihres Umsatzes im Internet. Um das zu ändern, hat Omega eine neue Online-Plattform für Europa eröffnet, weitere Länder dürften bald folgen. In den USA geht Hayek mit der Marke Swatch in die Offensive. Das interne Ziel, 20 Prozent des amerikanischen Umsatzes im Swatch-Webshop abzuwickeln, bezeichnet er heute als zu wenig ambitiös.

An der Börse sieht Hayek die Swatch Group als „total unterbewertet“ an. Der Wert der Aktie sei momentan tiefer als ihr Bilanzwert. Deshalb habe man im Rahmen der Erbengemeinschaft Aktien hinzu gekauft. An ein Going-private denkt Hayek aber nach wie vor nicht: „Das ginge nur über Schulden, und das wollen wir nicht.“ (awp/mc/pg)

Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie

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