UPC Cablecom startet neue TV-Plattform Horizon

Eric Tveter, CEO UPC Cablecom.

Zürich – Knapp ein Jahr nach dem Einstieg von Sunrise ins TV-Geschäft, der den Kampf um den Zuschauer angeheizt hatte, rüstet UPC Cablecom nach. Die Kabelnetzbetreiberin startet am nächsten Montag die neue TV-Plattform Horizon, mit der Cablecom ihr TV-Angebot ins App-Zeitalter führt. Kunden können nun erstmals auch bei der Cablecom TV auf iPad und iPhone schauen. Bisher hatte hier die Swisscom die Nase vorn. Man könne gleichzeitig bis zu vier iPads oder iPhones, mit der neuen Horizon-Empfangsbox verbinden, sagte der Produkteverantwortliche Koen Verwee am Freitag bei der Präsentation in Zürich.

Allerdings kann man im Gegensatz zur Swisscom das Fernsehgerät noch nicht vom iPhone oder iPad aus über Apps steuern. Diese Funktion solle später kommen, hiess es. Aussagen zum Datum wollten die Cablecom-Verantwortlichen noch nicht machen. Besitzer von Mobilgeräten mit Android- oder Windows-Betriebssystemen müssen sich ebenfalls gedulden.

Nur minimales Nachhol-TV
Auch das zeitversetzte Fernsehen, mit dem verpasste Sendungen noch einmal angeschaut werden können, ohne dass man sie aufgenommen haben muss, ist zum Start erst in einer Minimalvariante für die Sender von SRF, MTV und Nickelodeon erhältlich. Das Nachhol-TV hatte Sunrise im letzten Jahr erstmals auf breiter Front in der Schweiz lanciert. Die Swisscom zog Hals über Kopf nach und führte ebenfalls eine Replayfunktion ein.

Vorerst werde Cablecom für das zeitversetzte Fernsehen auf eine App des Internet-TV-Anbieters Zattoo zurückgreifen, sagte Verwee. Ein eigene Replayfunktion werde erst später kommen, war am Rande der Medienkonferenz zu erfahren. Ein Nachteil bleibt genauso wie bei der Konkurrenz von Sunrise und Swisscom: Um das volle Angebot nutzen zu können, benötigen die Kunden weiterhin ein Empfangsgerät pro Fernseher. Später im Jahr will Cablecom kleinere Empfangsgeräte einführen, die sich mit der Hauptbox übers drahtlose Wifi-Netz verbinden. Damit sollen dann Aufnahmen auch am Zweit- und Drittfernseher angeschaut werden können.

Konkurrenz schärfer geworden
Wieviele Kunden die Kabelnetzbetreiberin mit der neuen TV-Plattform der Konkurrenz abluchsen wolle, wollte Cablecom-Chef Eric Tveter nicht sagen: «2012 hatten wir ein Rekordjahr. Und ich erwarte, dass 2013 noch besser wird», sagte Tveter. Horizon werde das Wachstum beschleunigen. Cablecom ist mit einem Einstiegsangebot in die Offensive gegangen, nachdem die Swisscom im vergangenen Sommer ihr gesamtes TV-Angebot auf Smartphones und Tablet-Computer ausgeweitet hatte: Die Kabelnetzbetreiberin schaffte die Verschlüsselung für 55 Sender des digitalen Basisangebots ab, worauf die Swisscom ebenfalls mit einem Einsteigerangebot über 60 TV-Sender konterte.

Sunrise, das bisher beim Rennen um die Einsteigerangebote und TV auf iPad und iPhone nicht mitgemacht hatte, will die Lage analysieren. «Wir schauen uns das an», sagte Sprecher Michael Burkhardt. Allerdings müsse sich Sunrise TV mit dem grössten HD-Angebot der Schweiz und der Replay-Funktion keineswegs verstecken. Angesichts der neuen Angebote ist das digitale Fernsehen in der Schweiz im letzten Jahr massiv gewachsen. Bei der Swisscom nahm die Zahl der Kunden bis Ende September im Vergleich zum Vorjahr um 31 Prozent auf 728’000 zu. Bei den Kabelnetzbetreibern stieg der Kundenbestand um ein Viertel auf 1,27 Mio. Davon entfallen 689’000 Haushalte auf die Cablecom. Nachzügler Sunrise dürfte laut Swisscom-Schätzungen 24’000 Kunden angelockt haben. (awp/mc/ps)

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