USI: Eine neue Fakultät in Biomedizin-Wissenschaften

Medizin
(Foto: Tobilander - Fotolia.com)

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Lugano – Die USI Università della Svizzera italiana hat am 4. Oktober, dem Bericht zu einer neuen Fakultät in Biomedizinwissenschaften in einer außerordentlichen Sitzung zugestimmt. Das Dokument wird nun dem Tessiner Regierungsrat (Consiglio di Stato) vorgelegt, welcher in den kommenden Monaten eine Mitteilung verfassen wird, die dann im Grossen Rat (Gran Consiglio) diskutiert werden muss.

Aus akademischer Sicht sind die Umrisse des Projekts geklärt: nun muss die Politik über die Vorschläge der Studiengruppe Szenarien zur Strukturierung der klinischen Ausbildung in der Medizin im Tessin entscheiden. Die neue Fakultät würde folgende Elemente einschließen: ein Institut der Humanmedizin, welches für die Organisation und Verwaltung des Masters in Medizin verantwortlich wäre; ein Forschungsinstitut in Biomedizin (IRB) und diesbezügliche Ausbildungsaktivitäten auf Doktorandenebene; Weiterbildung in Entrepreneurship mit der Gründung eines Center of Advanced Studies in Biomedical Entrepreneurship (CASEbiomed); andere Ausbildungs- und Forschungsaktivitäten in Kollaboration mit der Kommunikations- und der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, sowie mit der Fakultät für Informatik.

Schwierigkeiten des Finanzplatzes kompensieren
Der Mangel an Schweizer Ärzten und die Notwendigkeit auf Mediziner aus dem Ausland zurückzugreifen, sowie die begrenzte Anzahl von Studienplätzen an den Schweizer Fakultäten stehen häufig im Mittelpunkt des nationalen politischen Diskurses. In dieser Hinsicht ist das Projekt der USI auf einer Linie mit der Entscheidung des „Dialog Nationale Gesundheitspolitik“, eine ständige Plattform von Bund und Kantonen: ab dem Studienjahr 2018/2019 ist eine Zunahme von 300 Plätzen, gegenüber den heutigen Zahlen in der Schweiz, vorhergesehen.

Im Tessin begrüßt man die Konzipierung neuer Entwicklungsstrategien, auch um die Schwierigkeiten des Finanzplatzes zu kompensieren. Die wissenschaftliche Forschung könnte in dieser Hinsicht ein fundamentales Element darstellen, insbesondere im Feld der Biomedizin, der Kardiologie, der Onkologie und der Neurologie. Es scheint also, als ob das nationale und kantonale Klima die Gründung einer neuen Fakultät in diesem Sektor stark begünstigt. Diese Fakultät stellt eine einmalige Gelegenheit zur wissenschaftlichen, sozialen, sowie wirtschaftlichen Entwicklung des Tessins dar, welche nicht verpasst werden sollte.

Der Master in Humanmedizin: eine erweiterte Zusammenarbeit mit verschiedenen Fakultäten
Da USI‘s Master in Medizin in einem Institut der Humanmedizin an einer Fakultät der Biomedizinwissenschaften untergebracht wäre, könnte er von der Zusammenarbeit mit verschiedenen Partneruniversitäten profitieren. Eine von ihnen wird die Rolle der Referenzuniversität übernehmen und für die Akkreditierung des Masters und die Anerkennung der ersten Studientitel zuständig sein. Die Partneruniversitäten werden gleichermaßen in den Feldern der Didaktik, der Forschung, und der Klinik, sowie beim Anwerben neuer Studenten kollaborieren.

USI’s Master, welcher im ersten Jahr zwischen 60 und 70 Studenten aufnehmen würde, wird nur dann Erfolg haben, wenn er neben qualitativ hochwertigem Unterricht auch zusätzliche Möglichkeiten bieten kann, die ihn von anderen Ausbildungsprogrammen unterscheiden. Unter Berücksichtigung des Kompetenzkatalogs des BAG (Bundesamt für Gesundheit) wäre es denkbar, dass sich der Master in zweifacher Hinsicht von anderen differenziert:

  1. Eine Vertiefung der wissenschaftlichen Kompetenzen für eine bessere Vorbereitung auf die Forschung. Dank der Kompetenzen des Forschungsinstituts in Biomedizin und des Instituts der Computerwissenschaften, kann USI von Beginn an günstige Möglichkeiten bieten und damit das neue Programm zur klinischen Ausbildung attraktiv gestalten.
  2. Eine Vertiefung hinsichtlich der Verwaltung der Public Health, mit besonderem Fokus auf die Familienmedizin. Bereits im ersten Bericht der Arbeitsgruppe wurde die Möglichkeit der Gründung eines Instituts in Familienmedizin angedeutet, wie es bereits an verschiedenen Fakultäten geplant ist und wie auch in diversen politischen Initiativen befürwortet wird. Eine Ausbildung in Familienmedizin ist eine Form der Spezialisierung nach dem Master, aber bereits während des Studiums könnten einzelne Kurse darin angeboten werden. USI’s Kompetenzen im Feld der Gesundheitskommunikation (Health Communication) und der öffentlichen Gesundheit (Public Health), und die jeweiligen wissenschaftlichen Netzwerke könnten eine weitere interessante Stütze darstellen.

Kosten und nächste Schritte
Vorherige Studien hatten sich ausschließlich mit dem Master in Humanmedizin beschäftigt. Der jetzige Vorschlag einer Fakultät in Biomedizinwissenschaften erweitert zwar das Tätigkeitsfeld, stellt jedoch einen Organisationskontext dar, der mit einer Reihe von Aktivitäten im Einklang ist, welche bereits laufen und durch eigene Kanäle finanziert werden. Es müssen daher keine Änderungen an den vorherigen finanziellen Schätzungen vorgenommen werden: die Differenz zwischen Einnahmen (CHF 17’790’000) und Ausgaben (CHF 23’130’000) beträgt 6 Millionen Schweizer Franken und stellt die Berechnungsgrundlage des außerordentlichen Beitrags des Kantons dar. Im vorgeschlagenen Modell müsste die Grundforschung auf finanzielle Unterstützung durch private Stiftungen zurückgreifen, welche für die Verwaltung und Finanzierung verantwortlich wären und eine klare Trennung der Kosten ermöglichen würden. Schon jetzt werden im Tessin 21,5 Millionen CHF in die Grundlagenforschung und 9 Millionen CHF in die klinische Forschung investiert. Eine klare und schnelle Stellungnahme des Consiglio di Stato sowie später des Gran Consiglio stellen die wichtigsten Schritte auf dem Weg zu einer erfolgreichen Realisierung des Projekts dar. (USI/mc/hfu)

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