VAT meldet Auftragseinbruch im zweiten Quartal und senkt Jahresausblick

VAT meldet Auftragseinbruch im zweiten Quartal und senkt Jahresausblick
Michael Allison, CEO VAT Group. (Foto: VAT)

Haag – Das rasante Wachstum des Halbleitermarktes gerät ins Stottern: Das bekommt der Vakuumventilhersteller VAT zu spüren. Weil Grosskunden aus der Speicherchipindustrie Investitionsvorhaben verschoben haben, schraubt VAT die Umsatzerwartungen für das Gesamtjahr deutlich nach unten. Gegen Jahresende sollte es allerdings wieder besser laufen.

Für VAT-Chef Michael Allison ist die momentane Flaute die kleinste Marktkorrektur, die er bislang im Halbleitermarkt erlebt hat. «Langfristig wird das Wachstum immer noch sehr stark sein.» Neue Trends wie Datenzentren, die Vernetzung von Geräten und selbstfahrende Autos dürften die bisherigen Wachstumstreiber aus dem PC- und Mobilmarkt ablösen.

Profitables Geschäft
VAT hat zuletzt stark von der Nachfrage nach Speicherchips, Displays und Solarmodulen profitiert. Für deren Produktion werden nämlich hochwertige Vakuumventile gebraucht. So beliefert VAT etwa Kunden wie Samsung, Intel oder LG. Insgesamt hat das Unternehmen damit in den ersten sechs Monaten des Jahres 386,6 Millionen Franken umgesetzt, das ist fast ein Fünftel mehr als in der Vorjahresperiode.

Zudem ist das Geschäft auch lukrativ: Vom Umsatz blieben 31,6 Prozent als Betriebsgewinn vor Amortisationen und Abschreibungen (EBITDA) übrig. Der operative Gewinn kletterte damit um 28,1 Prozent auf 122,1 Millionen Franken. Unter dem Strich blieb ein Reingewinn von 83,6 Millionen Franken, ein Plus von rund 40 Prozent.

Auftragseinbruch im Juni
In den letzten Monaten hatten sich allerdings die Anzeichen gemehrt, dass in der Halbleiterindustrie der Investitionseifer etwas erlahmt. Das bekam VAT nun insbesondere im zweiten Quartal deutlich zu spüren: In dieser Zeit konnte VAT 12,9 Prozent weniger neue Aufträge an Land ziehen als noch im Vergleichsquartal. Grosskunden verschoben laut VAT Projekte bis Ende 2018 oder sogar bis 2019.

Grund dafür sind laut VAT die erheblichen Erweiterungen der Produktionskapazitäten, die erst einmal verdaut werden müssen. Auch der von den USA angezettelte Handelskrieg mit Europa und insbesondere China dämpft durch die ausgelöste Unsicherheit die Investitionslust. Andere Zulieferer der Halbleiterindustrie sind ebenfalls davon betroffen, beispielsweise die Messtechnikfirma Inficon oder das in der Röntgen- und Vakuumtechnik tätige Unternehmen Comet.

Bei VAT kam der Auftragseingang insbesondere im Juni ins Stocken. In dem Monat sei wohl der Tiefpunkt erreicht worden, sagte VAT-Chef Allison. Zwar dürfte es auch im dritten Quartal noch harzen. Da die Kunden jedoch mit einem robusten Startquartal 2019 rechneten, könnte VAT als Zulieferer im vierten Quartal 2018 wieder Aufwind verspüren.

Langfristig gute Perspektiven
Dennoch muss sich VAT im Gesamtjahr mit deutlich kleineren Umsatzzuwächsen begnügen als bislang erwartet: Statt 15 bis 20 Prozent soll sich das Wachstum noch im mittleren einstelligen Bereich bewegen.

Die EBITDA-Marge soll etwa auf dem Halbjahresstand bleiben, jedoch sieht sich VAT auf Kurs, das mittelfristige Ziel von 33 Prozent Marge bis 2020 zu erreichen. Beim Reingewinn und dem Gewinn pro Aktie soll es ungeachtet der Wachstumsverlangsamung deutlich nach oben gehen.

VAT ist laut Allison zudem hervorragend positioniert, um auch künftig von der Digitalisierung zu profitieren. Bei den Vakuumventilen für den Halbleitermarkt verteidigte VAT seine Marktführerschaft mit einem Anteil von 64 Prozent. Über alle bedienten Segmente kommt das Unternehmen laut eigenen Angaben auf einen Marktanteil von 47 Prozent nach 45 Prozent im Vorjahr.

An der Börse legte sich am Donnerstag die anfängliche Enttäuschung im Handelsverlauf zumindest etwas: Nach einem zwischenzeitlichen Minus von rund 10 Prozent lagen die Aktien bis am frühen Nachmittag noch knapp 3 Prozent im Minus. (awp/mc/ps)

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