Wirtschaftsstandort: Drohende Abwanderung bei F&E

Nanotechnologie

Zürich – Die Beratungsfirma KPMG und die Swiss-American Chamber of Commerce erwarten einen Exodus von Forschung und Entwicklung aus der Schweiz. Um die drohende Abwanderung zu bremsen, fordern sie Steuererleichterungen für in der Schweiz forschende Unternehmen.

2008 hätten Schweizer Unternehmen 12 Mrd CHF im Inland und 15,8 Mrd CHF im Ausland für die Forschung ausgegeben, rechnet KPMG vor. Der Trend zur Verlagerung ins Ausland verstärke sich, sagte KPMG -Steuerexperte Jörg Walker in einem Gespräch mit den Medien am Dienstag in Zürich. Die Swiss-American Chamber of Commerce hat mit einer Umfrage bei börsenkotierten und grossen privat gehaltenen Unternehmen aller Branchen ermittelt, dass 60% in den kommenden fünf bis zehn Jahren zumindest Teilbereiche von Forschung und Entwicklung ins Ausland verlagern könnten.

Hohe Lohnkosten fallen ins Gewicht
Grund dafür sind die hohen Lohnkosten in der Schweiz und die Nähe zu den ausländischen Märkten. Grössere Unternehmen könnten sich bei Investitionen in neue Forschungsstandorte gerade in Zeiten eines sehr starken Frankens gegen die Schweiz entscheiden, halten die Experten fest.

130 bis 170 % der Ausgaben von der Steuer abziehen?
KPMG will im Verbund mit der Swiss-American Chamber of Commerce und gestützt auf Studien der Universität St. Gallen den Trend umkehren. KMPG und Universität St. Gallen halten es für sinnvoll, wenn Unternehmen 130% der Forschungsausgaben von der Steuer abziehen können. Bis 10 Mio CHF schlagen sie einen erhöhten Abzugsatz von 170% vor.

Impulse für politische Diskussion um Steuererleichterungen
Laut Steuerexperte Walker muss die Politik dazu bereit sein, eine halbe bis eine Milliarde auf Steuerseite einzusetzen. Mit den Vorschlägen wolle KMPG der politischen Diskussion um Steuererleichterungen für Forschung und Entwicklung einen Impuls geben, sagte Walker.

Der Schauffhauser Nationalrat Thomas Hurter (SVP) hat eine Motion eingereicht, mit der in der Schweiz forschenden Unternehmen steuerlich entlastet werden sollen. Diese wurde im April vom Nationalrat gutgeheissen und liegt im Moment beim Ständerat, wo sie allerdings auf Widerstand stösst. (awp/mc/pg)

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