Zweieinhalb Mal so viele Grenzgänger wie vor 25 Jahren

Keller
(Bild: bluedesign / AdobeStock)

Neuenburg – 343’000 Grenzgängerinnen und Grenzgänger wurden 2020 in der Schweiz gezählt. Das sind fast zweieinhalb Mal so viele wie vor 25 Jahren als ihre Anzahl noch 140’000 betrug. Auch im Coronajahr 2020 wurde eine Zunahme registriert, allerdings eine geringe.

6,7 Prozent der Erwerbstätigen in der Schweiz sind Grenzgängerinnen und Grenzgänger. Fast alle stammten aus Nachbarländern: 55 Prozent aus Frankreich, 23 Prozent aus Italien und 18 Prozent aus Deutschland.

Die meisten Grenzgängerinnen und Grenzgänger, nämlich über 98 Prozent, arbeiten in Grenzkantonen: über ein Viertel von ihnen (27 Prozent) in Genf, ein Fünftel im Tessin, 17 Prozent in den Basler Halbkantonen und 10 Prozent im Jura. Genf hat mit 90’000 Grenzgängerinnen und Grenzgängern nur in absoluten Zahlen die Mehrheit, am meisten arbeitende Zollpendler weist das Tessin mit 29 Prozent auf.

Vergleicht man die am Donnerstag vom Bundesamt für Statistik (BFS) für das vierte Quartal 2020 veröffentlichten Zahlen mit den Verhältnissen von vor 25 Jahren fällt eine Verschiebung von den Kantonen Basel zu Genf auf: 1996 arbeiteten 28,6 Prozent aller Schweizer Grenzgängerinnen und Grenzgänger in den beiden Basel und 18,9 Prozent in Genf. Im vierten Quartal 2020 kam nur noch jeder sechste Schweizer Grenzgänger in die Gegend ums Rheinknie (-11,8 Prozentpunkte), dafür 26,8 Prozent nach Genf (+7,9 Prozentpunkte).

Letztes Jahr betrug die Zunahme an Grenzgängern insgesamt in der Schweiz etwas unter 2 Prozent, ungefähr wie 2018. Spitzenwerte wurden in den Jahren 2006 und 2011 gemessen mit Zunahmen von über 9 Prozent. Abgesehen von den Jahren 1996 bis 1998, als die Zahl der Grenzgängerinnen und Grenzgänger leicht zurückging, war der Anstieg in den letzten Jahren beinahe linear um durchschnittlich 2,7 Prozent im Jahr.

Personenfreizügigkeit mit wenig Auswirkung
Die Zunahme stagnierte in den ersten Jahren nach 2002, obwohl damals die Personenfreizügigkeit eingeführt wurde. Durch die schrittweise Öffnung des Schweizer Arbeitsmarkt wurden die Bedingungen für den Erhalt einer Grenzgängerbewilligung erleichtert. So wurde Mitte 2002 die tägliche Rückkehrpflicht für Grenzgängerinnen und Grenzgänger durch eine wöchentliche Rückkehrpflicht ersetzt. In der Statistik schlug sich das nicht gross nieder.

Deutlicher waren die Zuwächse in der Folge der zweiten Phase der Übergangsperiode ab Juni 2004, als der Inländervorrang und die Lohnkontrolle abgeschafft wurden. Die Anzahl Grenzgängerinnen und Grenzgänger wuchs zwischen Ende 2004 und 2007 um durchschnittlich 6,5 Prozent pro Jahr auf 210’000 Personen Ende 2007. Danach pendelte sich die Zahl der Grenzpendler auf 3,9 Prozent ein.

Korrelation mit Wirtschaftswachstum
Wichtiger als die Arbeitsmarktliberalisierung erwies sich für Grenzgängerinnen und Grenzgänger laut Statistik das Wirtschaftswachstum. Das Wachstum der Anzahl Grenzgängerinnen und Grenzgänger korreliert mit dem Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP). Je besser die Wirtschaft läuft, desto mehr ausländische Arbeitskräfte werden benötigt. Spitzen waren in den Jahren um 2000, 2006, 2011 und 2019 auszumachen.

Am meisten arbeiten in der Industrie
Verglichen mit den inländischen Erwerbstätigen waren Grenzgängerinnen und Grenzgänger im 4. Quartal 2020 überdurchschnittlich häufig in der Industrie tätig. Von den inländischen Erwerbstätigen arbeiteten nur 20,6 Prozent im sogenannten sekundären Sektor tätig, bei den Grenzgängerinnen und Grenzgängern 32,3 Prozent.

Wie bei den Inländern auch überwog bei Grenzgängerinnen und Grenzgängern der tertiäre Sektor: Während 77,1 Prozent aller inländischen Erwerbstätigen Ende 2020 im Dienstleistungsbereich arbeiteten, waren es bei den Grenzgängerinnen und Grenzgängern lediglich 67 Prozent. Allerdings wächst ihr Anteil: Seit Einführung der Personenfreizügigkeit nahm die Zahl der Grenzgänger im tertiären Sektor um 200 Prozent zu, im sekundären aber nur um 54 Prozent.

Wie viele Grenzgänger in welchem Wirtschaftszweig arbeiten, unterscheidet sich nach Kanton. In den Kantonen Jura und Neuenburg beispielsweise sind ein Fünftel bis ein Viertel der Zollpendler in der Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten und Uhren tätig. In Basel und im Aargau ist die Chemieindustrie das häufigste Betätigungsfeld. (awp/mc/ps)

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