Kunstmuseum Bern: Meret Oppenheim – Mon Exposition

Kunstmuseum Bern
Meret Oppenheim, Ma gouvernante - my nurse - mein Kindermädchen, 1936/1967, Servierplatte aus Metall, Schuhe, Schnur, Papier, 14x33x21 cm, Moderna Museet Stockholm, (Copyright Pro Litteris, 2021 Foto: Albin Dahlström)

Bern – Das Kunstmuseum Bern präsentiert in Zusammenarbeit mit der Menil Collection in Houston und dem Museum of Modern Art, New York, die erste grosse transatlantische Retrospektive zu Meret Oppenheim. Sie umfasst rund 200 Schlüsselwerke auf Papier, Objekte, Skulpturen und Gemälde und gibt unter anderem Einblick in das weltweit grösste Museumskonvolut der Künstlerin, welches im Kunstmuseum Bern aufbewahrt wird. Bern ist die erste Station der Ausstellung und die einzige in Europa.

Schlüsselwerke aus fünf Jahrzehnten
Heute gilt Meret Oppenheim als bedeutendste Schweizer Künstlerin des 20. Jahrhunderts und wichtigste Vertreterin des Surrealismus. Dass ihr Werk deutlich vielfältiger ist, zeigt die transatlantische Retrospektive Meret Oppenheim. Mon exposition, die das bedeutende Œuvre Oppenheims aus fünf Jahrzehnten präsentiert. Thematisiert werden die Anfänge der Künstlerin im Paris der 1930er-Jahre genauso wie ihre weitere künstlerische Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg.

Ein radikal offenes Kunstkonzept von verblüffender Aktualität
Oppenheims radikal offenes Kunstkonzept, ihre Verbundenheit mit den lebendigen Kunstszenen von Paris, Basel und Bern sowie deren Bedeutung für ihre künstlerischen Schaffensphasen werden in der Ausstellung deutlich. Gleichzeitig tritt die Vielfalt von Oppenheims Œuvre und dessen verblüffende Aktualität zutage. Viele Phasen von Oppenheims Schaffen wurden – und werden zum Teil bis heute – ausschliesslich unter den Vorzeichen des Surrealismus rezipiert. Meret Oppenheim selbst hat sich jedoch vehement gegen jede einseitige Vereinnahmung gewehrt. Die Werkauswahl und insbesondere die wenig bekannten Werke aus den 1960er-, 1970er- und 1980er-Jahren zeigen Oppenheim als zeitgenössische Künstlerin, die in der Auseinandersetzung mit Pop Art, Nouveau Réalisme und monochromer Malerei eine eigenständige und kraftvolle künstlerische Stimme entwickelte.

Paris – Basel – Bern
Meret Oppenheim wurde 1913 in Berlin geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie in Süddeutschland, Basel und im Tessinder Ort Carona. Nach der Schulzeit fällte sie den Entschluss, Künstlerin zu werden. Mit nur 18 Jahren fuhr sie 1932 erstmals für einige Monate nach Paris und arbeitete in verschiedenen Ateliers. Bald lernte sie Jean Arp, Alberto Giacometti, Max Ernst und Sophie Taeuber-Arp kennen. Im Oktober 1933 stellte sie erstmals an einer Ausstellung der surrealistischen Gruppe aus und bewegte sich fortan im Kreis um André Breton, wo sie Freundschaften mit Leonor Fini, Dora Maar, Marcel Duchamp, Man Ray und André Pieyre de Mandiargues knüpfte. In den 1930er-Jahren emigrierte Oppenheims Familie in die Schweiz, da sie in Deutschland aufgrund ihres jüdischen Namens diskriminiert wurde.

Auch Oppenheim zog daraufhin nach Basel. Der Kontakt zu ihren Pariser Künstlerfreunden, von denen viele ebenfalls das Land verliessen, fand fast nur noch über Briefe statt. Die Isolation empfand Oppenheim als Einschränkung, und sie wirkte sich auch auf ihre künstlerische Produktivität aus. 1949 heiratete Oppenheim Wolfgang La Roche und zog mit ihm nach Bern. Dort endete schliesslich 1954 die seit 1937 anhaltende und von Oppenheim selbst als Krise bezeichnete Phase. Sie bezog ein Atelier und wurde Teil der sehr lebendigen Berner Kunstszene, die sich regelmässig im Café de Commerce traf. Durch zahlreiche Ausstellungen, darunter ihre erste Retrospektive im Moderna Museet in Stockholm, etablierte sich Oppenheim als Künstlerin. 1972 bezog sie wieder ein Atelier in Paris und pendelte von da an zwischen Bern, Paris und Carona. Es folgten die erste Retrospektive in der Schweiz, der Kunstpreis der Stadt Basel, der Grosse Kunstpreis Berlin und eine Einladung an die documenta.

Mon exposition
1984 zeigte die Kunsthalle Bern erstmals eine grosse Oppenheim-Retrospektive. Grundlage dafür war eine Gruppe von Zeichnungen mit dem Titel «M.O.: Mon exposition», in der Oppenheim eine Ausstellung ihres Lebenswerks mit mehr als zweihundert Arbeiten imaginierte, die sie dafür ausgewählt und in Miniaturansicht widergegeben hatte. Sie betonte jedoch stets, dass es sich dabei «nur um ein Beispiel» unter zahlreichen möglichen Retrospektiven handle. Die Retrospektive im Kunstmuseum Bern steht unter demselben Vorzeichen und betont damit Oppenheims selbstbewussten Umgang mit ihrem eigenen Werk, dessen Rezeption sie seit den 1970er-Jahren aktiv mitsteuerte.

Rahmenprogramm
Die Ausstellung wird von einem vielfältigen Begleitprogramm gerahmt. Neben regelmässigen öffentlichen Führungen und einem Programm für Familien und Kinder findet am 3. November 2021 von 18:00 bis 19:00 Uhr ein Digital Curator’s Talk mit Nina Zimmer, Kunstmuseum Bern, Anne Umland, The Museum of Modern Art, und Natalie Dupêcher, The Menil Collection, via Zoom statt. Am 6. November 2021 um 15:00 Uhr treten die Künstlerin Sophie Jung und die Dichterin und Autorin Quinn Latimer in einen künstlerischen Dialog mit den Gedichten und Werken von Meret Oppenheim. Am 9. November 2021 liest die Berner Autorin Meral Kureyshi aus ihrem

Buch Fünf Jahreszeiten. Am 28. November 2021 um 13:00 Uhr teilen die Zeitgenossen und Weggefährten Marlies Kornfeld, Lisa Wenger, Christoph Bürgi und Christian Jaquet im Gespräch ihre Erinnerungen an Meret Oppenheim, und von Dezember 2021 bis Januar 2022 finden dreimal Spezialführungen über Oppenheims Umgang mit Materialien mit Nathalie Bäschlin, Leiterin Konservierung, statt.

Digitorial
Dank der grosszügigen Unterstützung des Migros Pionierfonds entwickelt das Kunstmuseum Bern ein Digitorial zur Ausstellung. Es handelt sich dabei um ein digitales Kunstvermittlungsangebot, das als Onlineerlebnis aus Text, Fotografien, Werken und Filmausschnitten konzipiert wird. Es beleuchtet das Leben und vielseitige Schaffen Oppenheims und fokussiert dabei auf ihre Selbstbehauptung als Künstlerin. Das Digitorial ist ab Montag, 4. Oktober 2021, frei zugänglich unter: meretoppenheim.kunstmuseumbern.ch. (Kunstmuseum Bern/mc/pg)

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