bonainvest: Smart Living auf Schweizerdeutsch

bonainvest: Smart Living auf Schweizerdeutsch

Solothurn – Alain Benz nimmt seinen Schlüsselbund aus der Aktentasche und hält einen kleinen Schlüsselanhänger vor ein Feld neben der Eingangstür. Die Schiebetür öffnet sich, er betritt das Foyer und wendet sich einem Aluminiumkasten zu. An dessen Vorderseite befinden sich Türen in verschiedenen Grössen. Wieder greift Benz zum Schlüsselanhänger, hält ihn an den Kasten, und eine der Türen öffnet sich wie von Geisterhand. Benz entnimmt ein Paket und sagt: „So einfach kann es sein, ein Paket zu bekommen.“

Die Paketstation im Eingangsbereich ist Teil des Smart Living Lofts, das Benz für seinen Arbeitgeber, den Schweizer Immobilienkonzern bonainvest, eingerichtet hat. Die Station dient als Beispiel für smarte Technologien, die sowohl jungen Berufstätigen als auch gehbehinderten älteren Menschen dienen sollen.

„Smart ist für uns alles, was ein gutes Leben ermöglicht“
Nichts im Showroom ist dem Zufall überlassen. Die eingebauten, elektrisch bewegten Schiebetüren zum Beispiel machen es Rollstuhlfahrern einfach, sich ohne Hilfe zu bewegen. „Smart ist für uns alles, was ein gutes Leben ermöglicht“, sagt Benz. Und zwar nicht nur hier und heute, sondern auch im Alter, wenn die körperlichen oder gar die geistigen Kräfte nachlassen.“ Der Gründer und Verwaltungsratsvorsitzende von bonainvest, Ivo Bracher, begann vor Jahren, über altersgerechtes Wohnen nachzudenken, als seine an den Rollstuhl gefesselte Großmutter umziehen musste.

Dennoch will er sein Geschäftsmodell nicht auf Altenwohnanlagen reduziert sehen. „Was die Lebensqualität junger Menschen erhöht, dient auch älteren“, sagt Bracher. Das gilt nicht nur für smarte Technologien, sondern auch für die Dienstleistungen, die er über die Tochterfirma bonacasa anbietet: einen zuverlässigen Reinigungsservice oder eine zeitweise persönlich anwesende Concierge zum Beispiel.

Insgesamt 19 Industriepartner
In dem smarten Loft sind Küchengeräte, Leuchten, schlicht alle elektrischen Verbraucher vernetzt und über ein zentrales Display zu steuern. Über einen analogen Kippschalter lassen sich, ähnlich wie in einem Hotelzimmer, aber auch alle Verbraucher mit einem Handgriff ausschalten. Insgesamt 19 Industriepartner steuern die Technik bei. Darunter ABB, der Schweizer Konzern sorgt für die digitale Vernetzung. Allzu viel will Alain Benz, der Geschäftsführer der boncasa AG, allerdings gar nicht über Technik sprechen. Denn dass es die gibt und dass sie funktioniert, ist bekannt. Auf dem Herzen liegt Alain Benz vielmehr, wie die „Tekkies“, so nennt er die Ingenieure seiner Industriepartner, und die Immobilienwirtschaft zusammenfinden.

„Smart“ macht weniger als fünf Prozent des Immobilienpreises aus
Eine Weitergabe der Mehrkosten für eine smarte Wohnung an den ohnehin belasteten Käufer ist oft nicht möglich, obwohl sie fast immer weniger als fünf Prozent des Immobilienpreises ausmachen. „Dass bestimmte Ausstattungsmerkmale wie vollkommene Barrierefreiheit in einer alternden Gesellschaft auch der Wertbeständigkeit dienen können, daran denken viele Immobilienkäufer schlichtweg nicht“, erläutert Benz.

Eine Barriere für die smarte Technik stellt die Organisation in der Wohnungswirtschaft dar. Denn die grossen Immobilienkonzerne verwalten ihre Liegenschaften in der Regel nicht selbst, sondern geben alle laufenden Aufgaben von der Erstellung der Mietverträge bis zur Steuerung der Handwerker an Hausverwaltungen ab. Dabei handelt es sich in der Regel um kleine, lokal agierende Betriebe, die pauschal vergütet werden. „Für eine ausführliche Beratung zur Konfiguration der Hauselektronik fehlt oft nicht nur die Zeit, sondern auch das Know-how“, diagnostiziert Benz. Doch nicht nur die Hausverwaltungen müssten sich bewegen, sondern auch die Elektroindustrie – so seien die Bedienungsanleitungen oft viel zu lang und mehr für den Installateur geschrieben als für den Nutzer.

Digitale Assistentin, die Schweizerdeutsch versteht
Wegen der Schwierigkeiten in der praktischen Umsetzung ist Benz davon überzeugt, dass ein „Weiter so“ in der Wohnungswirtschaft nicht reicht. Deshalb forscht bonainvest bereits an noch smarteren Lösungen. Gemeinsam mit der Hochschule Luzern und ABB entstand der Avatar „Anne“, eine digitale Assistentin, die auch Schweizerdeutsch versteht. Einmal auf das Tablet geladen, hilft Anne nicht nur bei der Haussteuerung, sondern erinnert auf Wunsch auch an die Medikamenteneinnahme. Mit der ETH Zürich arbeitet bonainvest an einem neuen Notrufgerät, das auf Verhaltensmuster und nicht mehr auf feste Schwellwerte reagiert. Immer im Fokus ist dabei: „Die Technik muss sich an den Menschen anpassen, nicht umgekehrt“, so Benz.

Die Zeit für einen Paradigmenwechsel in der Wohnungswirtschaft scheint in der Eidgenossenschaft angebrochen. (bonainvest/mc/hfu)

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