Nahost-Konflikt verändert Reiseverhalten
Zürich – Der Nahost-Konflikt verändert das Reiseverhalten der Schweizer Bevölkerung spürbar. Eine aktuelle repräsentative Befragung im Auftrag von DERTOUR Suisse zeigt: Bei der Ferienplanung gewinnen derzeit vor allem Sicherheit, politische Stabilität sowie ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis an Bedeutung. Gleichzeitig bevorzugen viele Reisende näher gelegene und gut erreichbare Destinationen in Europa.
Die Unsicherheit rund um den Nahost-Konflikt wirkt sich inzwischen konkret auf Reise- und Buchungsentscheide aus. Im Rahmen einer von DERTOUR Suisse in Auftrag gegebener repräsentativen Marktforschung in der Schweiz mit 1’000 Personen über alle Sprachregionen, Alter und Geschlechter hinweg, konnten zusätzliche Erkenntnisse zur aktuellen Situation gewonnen werden. Viele Reisende achten heute stärker auf die Sicherheitslage vor Ort sowie auf offizielle Reisehinweise. Gleichzeitig spielen auch finanzielle Überlegungen eine wichtige Rolle: Besonders gefragt sind aktuell Destinationen, die als sicher, unkompliziert erreichbar und preislich attraktiv wahrgenommen werden.
Naher Osten gilt als unsicheres Reiseziel
Die politische Sicherheit vor Ort und aktuelle Verunsicherung bei den Schweizer Reisenden zeigt sich deutlich beim Blick auf einzelne Regionen: Rund 80 % der Befragten stufen den Nahen Osten derzeit als unsicheres Reiseziel ein. Gleichzeitig zeigt die Befragung, dass aktuell eine kleine Minderheit (8 %) keinerlei Sicherheitsbedenken bezüglich der befragten Destinationen hat. Als sicher betrachten die Befragten Europa, die Antarktis sowie Ozeanien. Janine Luitle-Wicki, Head of Retail, meint zu dieser Entwicklung: «Die Lage im Nahen Osten hat sich seit Ende Februar entschärft. Bei unseren täglichen Gesprächen mit unseren Kundinnen und Kunden merken wir jedoch, dass der Nahe Osten in der Wahrnehmung einzelner Gäste immer noch als sehr unsicher gilt.»
Obwohl der Nahe Osten von einer grossen Mehrheit der Befragten als unsicheres Reiseziel eingestuft wird, ändern nur wenige ihre Pläne aufgrund dessen. 81 % der Befragten gaben an, ihre Reisepläne aufgrund des Konflikts nicht anzupassen. Fast jede fünfte Person in der Schweiz hat ihre Reisepläne jedoch angepasst. Am häufigsten werden dabei alternative Destinationen gewählt (42 %). Die Auswertung unterstreicht jedoch, dass die Lust am Reisen ungebrochen besteht und eine Mehrheit der Schweizer:innen an ihren Reiseplänen festhalten.
Romands sind entspannter
Die Reaktionen auf den Konflikt zeigen sich innerhalb der Schweiz unterschiedlich. In der Deutschschweiz spielt das Sicherheitsgefühl bei Reiseentscheidungen eine noch grössere Rolle als in der Westschweiz. Westschweizer:innen wiederum tendieren eher dazu, ihre Reisedetails anzupassen oder die Reise auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, statt vollständig auf die Reise zu verzichten.
Spanien und Italien profitieren vom Nahost-Konflikt
Aktuelle Auswertungen der Buchungszahlen von DERTOUR Suisse für Abreisen zwischen April und Oktober 2026 zeigen, dass sich die gestiegene Unsicherheit seit Ausbruch des Konflikts konkret im Buchungsverhalten niederschlägt. Die Daten verdeutlichen eine klare Verschiebung hin zu klassischen Mittelmeer-Destinationen. Besonders Spanien und Italien profitieren seit Ende Februar deutlich von der veränderten Nachfrage.
Italien entwickelt sich derzeit zu einem der grössten Gewinner der aktuellen Nachfrageverschiebung. In der Deutschschweiz legten die Buchungen nach dem 28. Februar 2026 deutlich zu (+66 %), nachdem die Nachfrage zuvor noch leicht rückläufig gewesen war. Auch Spanien verzeichnet in beiden Sprachregionen wieder positive Wachstumsraten.
Besonders stark profitieren Badeferien-Destinationen im Mittelmeerraum. Auffällig sind unter anderem starke Zuwächse für Malaga und Menorca sowie für mehrere italienische Regionen wie Venetien, Sizilien oder Kalabrien.
Familien bevorzugen gut erreichbare Destinationen
Gleichzeitig verzeichnen Fernreise- und Langstreckendestinationen, besonders Destinationen wie Mauritius, seit Ende Februar spürbare Rückgänge. Grund dafür ist das Drehkreuz Dubai, welches viele Reisende zur Anreise in solche Destinationen wählen und eine Zeit lang nicht mehr angeflogen werden konnte. Die Zahlen deuten darauf hin, dass viele Reisende deshalb bewusst auf näher gelegene Destinationen ausweichen.
Besonders ausgeprägt zeigt sich diese Entwicklung bei Familien. So steigen die Italien-Buchungen bei Familien mit Kindern markant an, während zuvor noch rückläufige Zahlen registriert wurden. Dies spricht dafür, dass Sicherheitsgefühl und Planbarkeit derzeit insbesondere für Familien eine zentrale Rolle spielen.
Die internen Buchungsdaten bestätigen damit die Ergebnisse der repräsentativen Umfrage: Schweizer Reisende reagieren sensibel auf geopolitische Entwicklungen und setzen bei der Ferienplanung aktuell verstärkt auf vertraute europäische Destinationen mit hoher Stabilität und kurzer Reisedistanz. (mc/pg)