Schweiz Tourismus spricht verstärkt einheimische Gäste an

Jürg Schmid
Schweiz Tourismus-Direktor Jürg Schmid. (Foto: PHOTOPRESS / Dominik Baur)

Schweiz Tourismus-Direktor Jürg Schmid an der Jahresmedienkonferenz 2015. (Foto: PHOTOPRESS / Dominik Baur)

Zürich – Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank im Januar bedeutet eine Verteuerung der Schweiz und hat massive Auswirkungen auf den Tourismus. Nach einer Analyse der aktuellen Lage zeigt Schweiz Tourismus (ST) ihre Strategie für die kommenden Monate auf. Zentrum der kurzfristigen Marketing-Aktivitäten bildet eine Stabilisierungskampagne zur Begeisterung der einheimischen Gäste für das Ferienerlebnis Schweiz.

Im vergangenen Jahr haben die Hotellogiernächte um insgesamt 0.9 Prozent auf 35,93 Millionen Übernachtungen zugelegt, wobei Schweizer und ausländische Gäste die gleichen Wachstumsraten verzeichneten. Bei den Schweizern wurde erstmals die Schwelle von 16 Millionen Übernachtungen erreicht. Auch der Trend Ende Jahr – für November und Dezember 2014 resultierte bei den Hotelübernachtungen ein Plus von 2.7% gegenüber der Vorjahresperiode – war vielversprechend. Die Freude darüber währte allerdings nur kurz, denn mit dem Entscheid der Schweizerischen Nationalbank zur Aufhebung des Euro-Mindestkurses traf eine neue Marktrealität ein.

Diese strapaziert die Schweizer Konkurrenzfähigkeit im Bereich Preis weiter. Das Neukundengeschäft ist in den letzten drei Jahren deutlich zurückgegangen. Der europäische Mittelstand möchte oder kann sich Schweiz-Ferien nicht mehr leisten und für Schweizerinnen und Schweizer sind Auslandsreisen nun noch günstiger geworden. Lediglich die weniger vom Euro-Franken-Kurs betroffenen Fernmärkte sind in geringerem Ausmass tangiert. Für alpine und ländliche Destinationen mit einem hohen Anteil europäischer Gäste sind zwischen 2015 und 2016 je nach Gästemix Auslastungseinbussen von bis zu 10% zu befürchten, wie Schweiz Tourismus an seiner Jahres-Medienkonferenz mitteilte. Der Strukturwandel der Hotellerie beschleunige sich und erstmals seien auch vorbildliche Betriebe gefährdet, so ST.

Im Fokus der kurzfristigen Massnahmen: Stabilisierung des Heimmarktes Schweiz
Eine Stabilisierungskampagne soll nun die Auswirkungen des freien Wechselkurses im Heimmarkt Schweiz akut abdämpfen. Finanziert wird die Kampagne mit einem Gesamtbudget von 3.9 Mio Franken durch Schweiz Tourismus mit der Beteiligung der Branche und nationalen Partnern. Inhaltlich schwärmen erst die Sympathieträger Sebi und Paul, ab Sommer bekannte Persönlichkeiten wie Bundesrat Schneider-Ammann unter dem Hashtag #VERLIEBTINDIESCHWEIZ von ihren Schweiz-Erlebnissen und sollen so einheimische Gäste inspirieren, ihre Ferien in der Schweiz zu verbringen. Bei Schweizern soll die Entdeckerlust für das eigene Land geweckt werden. Direkt buchbare Angebote bringen attraktiven Zusatzwert in diese Kampagne, die breit in den Schweizer Medien erscheinen wird. Eine erste Welle der Aktion startet bereits zu Ostern.

Chancen in weniger preissensiblen Europa-Märkten und Fernmärkten
In Europa konzentriert sich ST derweil vermehrt auf weniger währungssensible Märkte wie die nordischen Länder und die oberen Einkommensklassen in neuen Märkten des Baltikums, des Balkans und der Türkei. Dies geschieht unter anderem in enger Zusammenarbeit mit Swiss, die diese urbanen Zentren nun neu mit Direktflügen erschliesst. In Fernmärkten wie den USA, Indien, Südostasien oder China werden die geplanten Massnahmen (z.B. die intensivierte Zusammenarbeit mit den Reiseveranstaltern zu einer stärkeren Ansprache der Individualreisenden) weiter verfolgt und beschleunigt. Zusätzliche Mittel dienen ST zur Förderung von Individualreisen und saisonalem Tourismus aus Asien. Im Bereich Geschäftstourismus erfolgt hier eine Konzentration auf die sogenannten Incentive-Reisen. Zu diesen Zwecken werden die ST-Niederlassungen am arabischen Golf sowie in Südostasien ausgebaut.

Laut Schweiz Tourismus sind diese Mittelfristmassnahmen nur mit einer entsprechenden Budget-Aufstockung umsetzbar. Deshalb beantragt ST beim Parlament 30 Mio Franken zusätzliche Mittel also insgesamt 270 Mio Franken für die kommenden vier Jahre. Schweiz Tourimus verweist darauf, dass der ursprünglich vorgesehene Finanzierungsantrag für die Jahre 2016 bis 2019 von 240 Mio Franken noch einen Strategienkatalog unter den Bedingungen eines festen Euro-Wechselkurses von 1,20 Franken beinhaltet habe. Mit der Freigabe des Kurses durch die SNB hätten sich die Rahmenbedingungen fundamental geändert – mit entsprechenden Negativeffekten auf den gesamten Schweizer Tourismus. Der Bundesrat schlägt für den gleichen Zeitraum einen Gesamtkredit in Höhe von 220 Mio Franken vor. (ST/mc/pg)

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