St. Moritz Art Film Festival veröffentlicht Programm der Jubiläumsausgabe

St. Moritz Art Film Festival veröffentlicht Programm der Jubiläumsausgabe
Cinema Scala St. Moritz. (Foto: SMAFF)

St. Moritz – Das St. Moritz Art Film Festival (20.–23. August 2026) veröffentlicht das vollständige Programm seiner fünften Ausgabe. Unter dem Motto «If Music» versammelt das Festival internationale Film- und Videokunst, Schweizer Premieren, Künstlergespräche und immersive Arbeiten. Zu den Gästen zählt der britische Musiker Rusty Egan, Mitbegründer der Band Visage und des legendären Londoner Blitz Club, der Ende der 1970er-Jahre zum kreativen Zentrum der New-Romantic-Bewegung wurde. Egan präsentiert am Samstag, 22. August die Dokumentation «Blitzed!» über den Club, hält einen Talk und legt ein exklusives DJ-Set auf. Als Guest of Honour begrüsst das Festival den britischen Regisseur Peter Greenaway, dessen Film «The Cook, the Thief, His Wife & Her Lover» zu den prägenden Werken des europäischen Autorenkinos zählt. Im Rahmen einer Sonntagsmatinée am 23. August präsentiert Greenaway seinen Film «The Draughtsman’s Contract» und spricht in einem Talk mit seiner Familie über sein Werk und sein künstlerisches Schaffen.

Unter dem diesjährigen Thema «If Music» widmet sich das SMAFF der Frage, wie Film zu Rhythmus, Resonanz und Bewegung werden kann. Teil der offiziellen Auswahl ist unter anderem die Schweizer Premiere des Oscar-prämierten Kurzfilms «Two People Exchanging Saliva» von Natalie Musteata und Alexandre Singh mit Zar Amir Ebrahimi.

Mit Rusty Egan empfängt das Festival eine Schlüsselfigur der britischen Musik- und Popkultur. Als Mitglied der New-Wave-Band Visage landete er mit «Fade to Grey» einen internationalen Hit. Als Mitbegründer des legendären Blitz Club schuf er gemeinsam mit Steve Strange einen Ort, der Mode, Musik und Kunst auf einzigartige Weise zusammenführte und eine ganze Generation prägte. Wer den Club betreten wollte, musste den strengen Dresscode erfüllen – selbst Mick Jagger wurde an der Tür abgewiesen. Boy George arbeitete dort zeitweise an der Garderobe, Mitglieder von Spandau Ballet gehörten zu den Stammgästen, und David Bowie besetzte Blitz-Regulars für sein Musikvideo «Ashes to Ashes».

Der ursprünglich als Maler ausgebildete Peter Greenaway gehört zu den profiliertesten Kritikern des konventionellen Erzählkinos. In Werken wie «The Cook, the Thief, His Wife & Her Lover» begreift er Film weniger als klassisches Erzählmedium denn als Gesamtkunstwerk. Seine Filme folgen häufig strengen Ordnungsprinzipien wie Zahlenreihen, Alphabeten oder Taxonomien und verbinden Malerei, Musik, Architektur, Literatur und Film zu komplex komponierten, sinnlichen und oft provokanten Bildwelten. Am St.Moritz Art Film Festival spricht Greenaway unter anderem über «The Greenaway Alphabet», in dem Saskia Boddeke ein ebenso persönliches wie vielschichtiges Porträt ihres Mannes zeichnet.

Eine Auswahl weiterer Programmpunkte mit Künstler:innen, die ihre Arbeiten persönlich präsentieren und im Rahmen von Artist Talks Einblicke in ihre Praxis geben:

  • Anna Franceschini (Italien) – In «Nothing Is More Mysterious. A Fact That Is Well Explained» (2010) erkundet Franceschini mit zwei langsamen Kamerabewegungen das Amsterdamer Pianola Museum. Dabei rücken die Mechanik der Instrumente, Oberflächen, Licht und Materialität in den Mittelpunkt. Der 16-mm-Film entstand während eines Aufenthalts in den Niederlanden; Franceschinis Arbeiten wurden unter anderem im Centre Pompidou gezeigt und an den Filmfestivals von Rotterdam und Locarno präsentiert.
  • Diego Marcon (Italien) – In «La Gola» (2024) tauschen zwei hyperrealistische Puppen in Form eines Briefwechsels Geschichten über ein opulentes Bankett und den gesundheitlichen Verfall einer Mutter aus. Marcon verbindet dabei Elemente von Melodram, Horror und Musik zu einer präzise komponierten filmischen Erzählung. Seine Arbeiten wurden unter anderem an der Biennale di Venezia gezeigt und liefen bei den Filmfestivals von Cannes, Rotterdam und London.
  • Jingru (Cyan) Cheng (China/Grossbritannien) – Die Architektin, Filmemacherin und Forscherin realisierte «Till Ashes Turn into Pines» (2025) gemeinsam mit Chen Zhan und Mengfan Wang. Der experimentelle Dokumentarfilm begleitet ältere Frauen in einem Dorf in Zentralchina, deren Lebensunterhalt von den umliegenden Kiefernwäldern abhängt, und untersucht die Verflechtungen von Landschaft, Arbeit und den Folgen der rasanten Urbanisierung. Die Arbeit ist Teil des Projekts «Ripple Ripple Rippling».
  • Jonathas de Andrade (Brasilien) – In «Jangadeiros e Canoeiros» (2025) begleitet der brasilianische Künstler traditionelle Flösser und Kanufahrer im Nordosten Brasiliens. Der Film geht aus de Andrades Arbeit mit Küstengemeinschaften hervor und verbindet Beobachtung, Choreografie, Handwerk und soziale Realität. De Andrade vertrat Brasilien 2022 an der Biennale di Venezia.
  • Giulia Guidi (Italien) – «Flying Glove (#1, #5, #7)» (2023) zeigt drei vom Wind aufgeblasene, animierte Handschuhe. Die Arbeit wurde mit traditionellen Animationstechniken entwickelt und auf 16-mm-Schwarzweissfilm gedreht. Sie wird als Schweizer Premiere gezeigt und untersucht Wiederholung, Licht und Bewegung.
  • Susanne Bürner (Deutschland) – «The Floor All Around Me» (2024) spielt im Mériadeck-Quartier in Bordeaux, einem auf zwei Ebenen angelegten Stadtviertel aus den 1970er-Jahren, in dem Fussgänger- und Autoverkehr getrennt organisiert sind. Bürner zeigt, wie Menschen die Architektur als Hindernis, Bühne oder Spiegel in ihre Bewegungen einbeziehen. Die Soundarbeit von Eliav Brand greift die Geräusche des Quartiers auf und rhythmisiert die filmischen Sequenzen.
  • Shuang Li (China) & Osheyack – In «Still» (2022) verbinden Shuang Li und der Produzent Osheyack Stockbilder, eine synthetische Stimme und elektronischen Sound zu einer Reflexion über digitale Bildwelten und künstliche Emotionen. Das Video wurde von Nowness Asia als Erkundung einer körperlosen Stimme beschrieben, die Raum und Zeit durchquert; Fact Magazine verortet die Arbeit im Nachdenken über den «Tod des Bildes». Shuang Li war unter anderem an der Biennale von Venedig vertreten und nahm 2024 an der Whitney Biennial teil.
  • Andrew Norman Wilson (USA) – In «Silvesterchlausen» (2025) richtet Wilson den Blick auf die traditionelle Neujahrspraxis im Appenzell: Männer ziehen in aufwendig handgefertigten Kostümen durch den Schnee, jodeln, läuten Glocken und besuchen Häuser. Zwischen dokumentarischer Beobachtung und künstlerischer Inszenierung entsteht ein Film über Ritual, Gemeinschaft und gelebte Tradition.
  • Ken Okiishi (Japan/USA) – «The Chronicle of A.M. Bach» (2025) porträtiert den französischen Cembalisten Jean-Luc Ho und setzt sich mit historisch informierter Aufführungspraxis sowie der zeitgenössischen Interpretation der Musik Johann Sebastian Bachs auseinander. Der Film verbindet Musik, Tanz und Reflexion über das Verhältnis von Vergangenheit und Gegenwart.
  • Ross Birrell (Schottland) – Mit «Muslim Shaggan» (2025), «Hand Conduction», «Quartet», «Duet», «A Beautiful Living Thing» und «The Passion (Blue)» ist Ross Birrell gleich mit mehreren Arbeiten am SMAFF vertreten. Der schottische Künstler war Teil der documenta 14; seine Praxis umfasst Film, Installation, Musik, Text und Performance und verbindet häufig Fragen von Ort, Politik, Poesie und Klang.
  • Camilo Restrepo (Kolumbien) – In «La Bouche» (2017) verbindet Restrepo die Geschichte eines Vaters, der nach der Ermordung seiner Tochter zwischen Trauer und Rache schwankt, mit den musikalischen Darbietungen des guineischen Perkussionisten Mohamed Bangoura («Red Devil»). Der auf 16-mm-Film gedrehte Kurzfilm wurde 2017 an der Directors’ Fortnight in Cannes gezeigt. Restrepo gewann zweimal den Pardino d’argento in Locarno und 2020 den Preis für den besten Erstlingsfilm an der Berlinale.
  • Leiko Ikemura (Japan/Schweiz) – In «Jardin Nocturno» (2022) verbindet Ikemura Malerei, Klang und Bewegung zu einer immersiven Videoprojektion. Aus Nahaufnahmen ihrer dunklen, abstrakten Gemälde entfaltet sich eine traumartige Landschaft aus Licht, Schatten und Resonanz, in der der Film selbst zu einem rhythmischen Erfahrungsraum wird. Ikemuras Werke wurden unter anderem im Centre Pompidou, im Kunsthaus Zürich sowie im National Museum of Modern Art in Tokio gezeigt.

Das vollständige Programm ist HIER verfügbar. (St. Moritz Art Film Festival/mc/ps)

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