LLC in Florida: schnelle Gründung, und wo das deutsche Finanzamt mitredet

LLC in Florida: schnelle Gründung, und wo das deutsche Finanzamt mitredet
Cape Coral (Bild: David Wilson - https://www.flickr.com/photos/davidwilson1949/44302281040/)

Eine Firma gründen in Minuten, 280 Stück in einer Woche: In Florida ist das möglich. Doch ausgerechnet das deutsche Finanzamt kann Florida-Gründern noch zehn Jahre nach dem Start Probleme machen.

280 Limited Liability Companies in einer Woche: Mit dieser Zahl beschreibt DARIA US, ein deutsches Immobilienunternehmen in Cape Coral, Florida, nach eigenen Angaben die Rekordwoche seiner Gründungsabteilung. Das Unternehmen wickelt für seine Mitglieder Firmengründungen, Kontoeröffnungen und den Aufbau einer US-Kredithistorie ab. Ob Rekord oder Routine: Ein solches Pensum ist überhaupt nur in einem System möglich, das keine Notartermine kennt, kein Handelsregister und kein Stammkapital.

Was in Florida Minuten dauert, dauert in Deutschland Wochen.

Solche Zahlen sind Teil eines grösseren Musters: Deutsche Unternehmen verlagern Investitionen ins Ausland. In der Konjunkturumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer zum Jahresbeginn 2026 planen 43 Prozent der Industrieunternehmen Investitionen jenseits der Grenze. 41 Prozent nennen Kostensenkung als Motiv, der höchste Wert seit Beginn der Erhebung 2003. Fast jedes zweite investitionswillige Unternehmen zielt dabei auf Nordamerika.

Das Geld folgt derselben Richtung. Ende 2024 lag der Bestand deutscher Direktinvestitionen in den USA laut Bundesbank bei über 460 Milliarden Euro, die USA sind damit das wichtigste Zielland deutschen Unternehmenskapitals. Und Florida ist einer der Orte, an denen dieser Trend ankommt: Rund 650’000 Anträge auf Unternehmensgründung zählte die US-Zensusbehörde 2025 in dem Bundesstaat, damit liegt Florida in der Spitzengruppe aller US-Staaten. Über 200 Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum sitzen bereits im Sunshine State, der bilaterale Handel übersteigt fünf Milliarden Dollar jährlich. Deutschland zählt laut SelectFlorida, der staatlichen Wirtschaftsförderung, zu Floridas grössten Handelspartnern.

Das Vehikel der Wahl ist fast immer dasselbe: die LLC. Sie macht den Einstieg verlockend einfach. 125 Dollar Gründungsgebühr bei der Florida Division of Corporations, null Mindestkapital, Bearbeitung in fünf bis zehn Werktagen. Wer in Deutschland eine GmbH gründen will, braucht einen Notar, 25’000 Euro Stammkapital und mindestens zwei Wochen. Allein die Beurkundung des Gesellschaftsvertrags kostet 300 bis 800 Euro, hinzu kommen Handelsregistereintrag und Gewerbeanmeldung. Bei der LLC entfällt das alles. Der Reiz der amerikanischen Alternative leuchtet ein. Doch der wahre Preis einer Florida-LLC steht nicht auf der Rechnung der Florida Division of Corporations.

Von der Idee zur LLC: fünf Schritte

Die Gründung folgt einem klaren Ablauf. Zuerst prüfen Gründer über Sunbiz.org, ob ihr Wunschname verfügbar ist. Der Name muss „LLC» oder „L.L.C.» enthalten. Dann brauchen sie einen Registered Agent: eine Person oder Firma mit physischer Adresse in Florida, erreichbar während der Geschäftszeiten. Kommerzielle Agents kosten 100 bis 300 Dollar im Jahr.

Die Gründungsurkunde, die Articles of Organization, reichen Gründer online ein, für 125 Dollar. Dazu gehört ein Gesellschaftervertrag, das Operating Agreement. Er landet nicht beim Staat, regelt aber, wer was entscheidet und wem was gehört. Wer darauf verzichtet, für den gelten Floridas Standardregeln. Die passen selten zum eigenen Geschäft. Zuletzt beantragen Gründer eine Steuernummer bei der US-Steuerbehörde IRS, die sogenannte EIN. Sie ist kostenlos. Deutsche ohne US-Sozialversicherungsnummer müssen den Antrag allerdings per Fax oder Post stellen und warten dann mehrere Wochen. Gesamtkosten: 225 bis 425 Dollar. Gesamtdauer: fünf bis zehn Werktage. Eine GmbH kostet in derselben Zeit noch nicht einmal den Notartermin.

Was das BFH-Urteil 2025 ändert

Die Gründung macht kaum Probleme. Die Steuern schon. Ein Urteil des Bundesfinanzhofs vom Frühjahr 2025 verschärft die Lage für Deutsche mit US-LLC erheblich. Der Kern: Wer als deutscher Staatsbürger mehr als 16’500 Euro im Jahr gewerblich verdient, bleibt bis zu zehn Jahre nach dem Wegzug in Deutschland steuerpflichtig. Das gilt auch für Einnahmen über eine LLC in Florida.

Dazu kommt ein Grundproblem: Beide Länder sehen die LLC unterschiedlich. Für die US-Steuerbehörde existiert eine Ein-Personen-LLC praktisch nicht, alles läuft über die Person dahinter. Deutschland besteuert sie wie eine Personengesellschaft. So landen die Einkünfte direkt beim Gründer. Und wenn der noch Bezüge zu Deutschland hat, beim deutschen Fiskus. Hinzu kommt eine jährliche Meldepflicht in den USA: Ausländische LLC-Eigentümer müssen der Steuerbehörde offenlegen, welches Geld zwischen ihnen und ihrer Firma geflossen ist. Wer die Frist versäumt, riskiert empfindliche Strafen.

Ausnahmen existieren. Freiberufler fallen nicht unter die erweiterte beschränkte Steuerpflicht. Ebenso wenig Gründer, deren gewerblicher Gewinn unter 16.500 Euro bleibt. Doch für die Mehrheit der deutschen LLC-Gründer verschärft das BFH-Urteil die steuerliche Realität. Fachleute wie der Steuerrechtler Dietmar Gosch warnen deshalb: Wer seine Florida-LLC vom Schreibtisch in Deutschland aus führt, betreibt sie aus Sicht des Finanzamts womöglich in Deutschland. Und zahlt dann auch hier Steuern.

Bankkonto: die unsichtbare Hürde

Die LLC steht. Die EIN liegt vor. Jetzt fehlt das Bankkonto. Hier scheitern viele Deutsche. Ohne Social Security Number und ohne US-Wohnsitz bleibt der Weg zur klassischen US-Bank versperrt. Fintechs wie Mercury und Relay bieten eine Alternative: Kontoeröffnung aus der Ferne, ohne SSN, mit EIN und den Gründungsdokumenten. Doch seit 2025 prüfen beide Anbieter strenger und haben zahlreiche Konten von Kunden ohne US-Wohnsitz geschlossen.

Mercury verlangt inzwischen Nachweise über tatsächliche US-Geschäftstätigkeit: Mietverträge, US-Kundenverträge, Rechnungen. Eine reine Registered-Agent-Adresse genügt den Banken nicht mehr. Wer als Ausweichoption bleibt: Wells Fargo, vor Ort in einer Filiale. Die Bank gilt als foreigner-friendly und verlangt keine SSN. Und dann der Credit Score, die amerikanische Note für Kreditwürdigkeit. Ohne Kredithistorie in den USA starten Deutsche bei null. Es gibt Wege, den Aufbau zu beschleunigen, etwa Kreditkarten mit hinterlegter Kaution. Trotzdem dauert es sechs bis zwölf Monate, bis der erste Score steht.

Wie gross der Bedarf an Begleitung ist, zeigen Gründungsabteilungen wie die von DARIA: Die eigentliche Arbeit beginnt erst nach der Registrierung bei Sunbiz, beim Konto, bei der Kredithistorie, bei den Meldepflichten. Die Gründung ist der leichteste Teil.

Fünf Fehler, die teuer werden

Wirtschaftskanzleien in Florida beschreiben immer wieder dieselben Muster, an denen LLCs deutscher Gründer scheitern.

Der gefährlichste Fehler: die Vermischung privater und geschäftlicher Finanzen. Wer private Ausgaben über das Firmenkonto laufen lässt, kann vor Gericht den wichtigsten Vorteil der LLC verlieren, den Haftungsschutz. Dann ist das persönliche Vermögen angreifbar.

Der zweite Klassiker: die Gründung ohne Operating Agreement. Solange das Geschäft läuft, fällt das nicht auf. Zerbricht die Partnerschaft, regeln Floridas Standardparagrafen die Gewinnverteilung und die Zuständigkeiten, nicht der Wille der Gründer. Solche Streits enden regelmässig vor Gericht und kosten mehr, als jedes Anwaltshonorar für den Vertrag gekostet hätte.

Der dritte: ein unzuverlässiger Registered Agent. Der Agent nimmt Klagezustellungen entgegen. Erreicht ihn eine Zustellung nicht, läuft die Frist zur Verteidigung trotzdem. Nach 20 Tagen ohne Reaktion kann das Gericht ein Versäumnisurteil sprechen. Ohne Verhandlung, ohne Verteidigung.

Der vierte: Vorlagen aus dem Internet. Standardverträge passen selten zu den Florida-Statuten. Auch bei der Adresse sind die Behörden streng: Ein Postfach genügt nicht, verlangt wird eine physische Adresse. Wer das übersieht, verliert Wochen im Genehmigungsprozess.

Und zuletzt: die laufenden Pflichten. Jede LLC muss bis zum 1. Mai einen Jahresbericht einreichen, für 138,75 Dollar. Wer die Frist verpasst, zahlt 400 Dollar Strafe obendrauf. Wer den Bericht ganz auslässt, riskiert die Zwangsauflösung der Firma.

Was bleibt

In Cape Coral entstehen unterdessen weiter LLCs im Wochentakt. 125 Dollar, ein paar Klicks, fertig. Die Gründung dauert Minuten. Was danach kommt, dauert Jahre: Steuererklärungen in zwei Ländern, Bankkonten mit verschärften Prüfverfahren, Credit Scores bei null, jährliche Compliance-Pflichten.

Die LLC in Florida bleibt ein leistungsfähiges Werkzeug für deutsche Gründer. Schneller, günstiger, unbürokratischer als die GmbH. Aber nur für Gründer, die wissen, was sie nach dem Klick auf „Submit» erwartet.

Infokasten: LLC Florida vs. GmbH Deutschland

 LLC FloridaGmbH Deutschland
Gründungsgebühr125 USD300–800 EUR (Notar) + 150–300 EUR (Register)
MindestkapitalKeines25.000 EUR (12.500 EUR sofort)
ZeitrahmenEintragung oft binnen weniger Tagen möglich2–4 Wochen
Notar erforderlichNeinJa
Jährliche Pflicht138,75 USD (Annual Report)Abhängig vom Umsatz
Online-GründungJa (Sunbiz.org)Nein (Notar-Pflicht)

(Da/mc/hfu)


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