Arbeitslosigkeit in der Schweiz steigt weiter an

Arbeitslosigkeit in der Schweiz steigt weiter an

Bern – In der Schweiz sind immer mehr Menschen arbeitslos. Die sich abschwächende Konjunktur, der starke Franken oder auch der Zollkonflikt mit den USA haben im letzten Jahr am Arbeitsmarkt Spuren hinterlassen. Die Arbeitslosenquote dürfte weiter steigen, wenn auch nur leicht.

Im Jahr 2025 hat sich der seit 2023 beobachtete Trend steigender Arbeitslosenzahlen fortgesetzt. So kletterte die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt auf 2,8 Prozent nach 2,4 Prozent 2024 und tiefen 2,0 Prozent 2023, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Freitag mitteilte.

Für etwas Entlastung dürften der im Spätherbst mit den USA erzielte Zolldeal und die damit verbundenen Aufhellungen in der Exportbranche gesorgt haben. «Die Arbeitslosigkeit entwickelte sich jüngst etwas besser als im Herbst erwartet», sagte der Leiter der Direktion für Arbeit beim Seco, Jérôme Cosandey, an einer Telefonkonferenz.

Dezember-Quote über 3 Prozent
Zum Jahresende ist die Arbeitslosigkeit derweil primär wegen saisonaler Faktoren, wie den im Winter geringeren Aktivitäten auf dem Bau, gestiegen. Die Zahl der bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) als arbeitslos registrierten Personen nahm gegenüber November um 8415 auf 147’275 zu und lag um knapp 17’000 über dem Vorjahr.

Als Folge davon kletterte die Arbeitslosenquote im letzten Monat des Jahres erstmals seit Mai 2021 über die 3-Prozent-Schwelle. Sie rückte zum Vormonat um 0,2 Prozentpunkte auf 3,1 Prozent vor, verharrte zugleich aber um saisonale Effekte bereinigt bei 3,0 Prozent.

Mit einer Erholung am Arbeitsmarkt ist vorerst nicht zu rechnen: Für 2026 gehen die im Dezember im Rahmen des KOF Consensus Forecast befragten Ökonomen von einem Anstieg der Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt auf 3,1 Prozent aus. Auch die Ökonomen des Seco erwarten dies. «Mit einem spürbaren Rückgang wird erst 2027 gerechnet», so Cosandey.

Mehr Stellensuchende
Darüber hinaus sind in der Schweiz immer mehr Menschen auf Arbeitssuche. Im Dezember ist in den RAV die Zahl der Stellensuchenden gegenüber dem Vormonat um 5740 auf 231’624 Personen geklettert. Am Ende des Jahres 2024 zählte das Seco sogar 22’600 Jobsuchende weniger.

Gleichzeitig stieg allerdings die bei den RAV gemeldeten, offenen Stellen. Sie nahmen zum November um 3720 oder 10 Prozent auf 35’940 zu. Der Arbeitsmarkt sei aufgrund zahlreicher zu- und Abgängen ständig in Bewegung und viele Stellensuchende seien nur relativ kurz arbeitslos, erklärte Cosandey.

Kurzarbeit in der Industrie
Keine allzu deutlichen Folgen der in der Wirtschaft wachsenden Unsicherheiten sind bislang bei der Kurzarbeit auszumachen. Die dazu jeweils mit Verzögerung veröffentlichten Daten zeigen zwar für September einen Anstieg der von Kurzarbeit betroffenen Personen um ein Viertel auf 10’785. In den Anfangsmonaten des Jahres lag diese Zahl jedoch jeweils über 20’000.

Die meisten Firmen in Kurzarbeit stammen nach wie vor aus exportorientierten Industriebranchen. «Knapp 80 Prozent der Arbeitnehmenden mit bisher abgerechneter Kurzarbeitsentschädigung im September kamen aus der MEM- oder der Uhrenbranche», sagte Cosandey.

Einen Eindruck, wie sich die Kurzarbeit weiterentwickeln könnte, liefern die Voranmeldungen dazu. Nach einem Anstieg im Herbst, gingen die von Firmen beim Seco platzierten Voranmeldungen jüngst zurück. Und die Beanspruchung von Kurzarbeitsentschädigung dürfte laut Cosandey weiter zurückgehen. Auch da dürfte der US-Zolldeal entlasten. (awp/mc/pg)

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