CH-Verlauf: Ausverkauf geht weiter
Zürich – Die weltweiten Finanzmärkte bleiben in erhöhter Alarmbereitschaft. Entsprechend geht es an den europäischen Börsen und auch hierzulande erneut abwärts. Da die Wall Street erst mit dem heutigen Handelstag in die Börsenwoche startet, wird auch die Reaktion der US-Anleger auf die «Causa Grönland» mit Spannung erwartet. Aktuell deuten die US-Futures auf eine deutlich schwache Börseneröffnung hin. Und auch sonst spiegeln Entwicklungen wie die Rekordpreise für Gold und Silber, der weiter erstarkende Franken oder auch der gestiegene Volatilitätsindex VSMI die erhöhte Nervosität der Börsianer wider.
«Im Falle von weiteren schlechten Nachrichten, also einer Eskalation auf dem WEF in Davos oder zusätzlichen Trump-Zöllen für Staaten, welche seinem Friedensrat nicht beitreten, könnte eine Aktienmarktkorrektur schnell dynamischer ausfallen», kommentiert ein Stratege. Immerhin scheint die EU dieses Mal eine gewisse Entschlossenheit zu zeigen. In Brüssel ist mittlerweile die Rede von einer «Handels-Bazooka». Neben diesem politischen Newsflow wird am Nachmittag interessant, ob es endlich ein Urteil vom US-Supreme Court zu Trumps Importzöllen gibt. «Die Wahrscheinlichkeit für eine Urteilsverkündung heute oder morgen erscheint hoch, weil es sonst bis Mitte Februar dauern könnte, bis es soweit ist», erklärt ein Marktbeobachter.
Der SMI verliert gegen 10.50 Uhr 1,22 Prozent auf 13’11,37 Punkte. Der 30 Titel umfassende SLI verliert 1,17 Prozent auf 2122,72 und der breite SPI 1,21 Prozent auf 18’112,60 Zähler. Im SLI geben alle bis auf drei Werte nach.
Tief im Kurskeller notieren Logitech mit einem Verlust von 6,6 Prozent auf 70,78 Franken. Bei dem Computerzubehör-Hersteller flattern sowohl Anleger als auch Analysten seit gut vier Wochen die Nerven. Zahlreiche Analysten ruderten zurück. So hagelte es jüngst Abstufungen von Exane BNP Paribas und Barclays in den neutralen Bereich und am heutigen Handelstag eine frische Rating-Senkung von Morgan Stanley sogar auf «Underweight». Hauptargumente für die Vorsicht sind die Preissteigerungen im Speichersegment, was die Nachfrage nach PCs und den passenden Geräten von Logitech dämpfen dürfte.
Mit einigem Abstand folgen dann erst die nächsten Verlierer. ABB etwa geben um 2,2 Prozent nach. Geschlossen im Minus rangieren zudem Finanzwerte. Julius Bär, UBS und auch Partners Group verlieren zwischen 1,8 und 2,2 Prozent.
Deutlich tiefer notieren auch die beiden Pharma-Schwergewichte Roche und Novartis (beide -1,4%). Sie beide hatten sich am Montag in der ersten Verkaufswelle noch etwas besser als der Markt gehalten. Dies gelingt am heutigen Berichtstag nur dem dritten Schwergewicht, Nestlé, mit -0,1 Prozent.
Generell entwickeln sich Gesundheitswerte recht unterschiedlich. Während die beiden schwergewichtigen Pharmas zusammen mit dem Generikaspezialisten Sandoz (-1,8%) auf den Verkaufslisten stehen, gewinnen Sonova (+1,9%) und Alcon (+1,0%) gegen den Trend hinzu. Auch Straumann (-0,3%) hielten sich im frühen Handel noch in der Gewinnzone. Alcon erhalten durch eine neu ausgesprochene Kaufempfehlung der Deutschen Bank Auftrieb.
Die stärksten Ausschläge sind allerdings in den hinteren Reihen zu sehen. Dort gewinnen Komax (+3,7%) nach Zahlen hinzu, während DocMorris (-8,9%) nach einem freundlichen Start mittlerweile tief im Minus rangieren. Noch negativer reagieren Anleger auf die Gewinnwarnung des Energiekonzerns BKW (-11%).
Derweil können Clariant (+0,4%) von den Plänen des deutschen Henkel-Konzerns profitieren. Dieser will das niederländische Unternehmen Stahl Holdings für bis zu zwei Milliarden Euro zu kaufen. Clariant ist mit knapp 15 Prozent an Stahl Holdings beteiligt und könnte so frisches Geld in die Kassen gespült bekommen. (awp/mc/ps)