Das Ende der Komfortzone: Warum 60/40 im Jahr 2026 nicht mehr genügt

Das Ende der Komfortzone: Warum 60/40 im Jahr 2026 nicht mehr genügt
Mathias Niederhauser, Managing Director, Digital Solutions, Petiole Asset Management. (Bild: Petiole/mc)

Von Mathias Niederhauser, Managing Director, Digital Solutions, Petiole Asset Management

Das klassische 60/40-Portfolio hat Anleger über Jahrzehnte zuverlässig begleitet. Doch was lange als robuste Standardlösung galt, verliert unter den heutigen Marktbedingungen zunehmend an Tragfähigkeit. Hohe Zinsen, geopolitische Spannungen und strukturelle Verschiebungen in der Weltwirtschaft haben die Spielregeln verändert.

Der zentrale Pfeiler des Modells, die negative Korrelation zwischen Aktien und Obligationen, ist brüchig geworden. Inflationsschocks und koordinierte geldpolitische Eingriffe haben dazu geführt, dass sich beide Anlageklassen in Stressphasen immer häufiger gleichläufig entwickeln. Die vermeintliche Sicherheit traditioneller Diversifikation erweist sich damit als trügerisch.

Gleichzeitig hat sich ein stilles, aber relevantes Risiko aufgebaut: die Konzentration der öffentlichen Märkte. Wenige Grossunternehmen, vor allem aus dem Technologiesektor, dominieren die wichtigsten Aktienindizes. Wer heute in globale Indizes investiert, hält faktisch eine Wette auf eine kleine Gruppe von Geschäftsmodellen – oft ohne sich dessen bewusst zu sein.

Während sich die Aufmerksamkeit vieler Investoren weiterhin auf börsenkotierte Märkte richtet, wächst ein erheblicher Teil der realwirtschaftlichen Wertschöpfung ausserhalb der Börsen. Die Zahl kotierter Unternehmen sinkt, Firmen bleiben länger privat, und ganze Sektoren sind in öffentlichen Indizes nur marginal vertreten. Industrie- und Unternehmensdienstleistungen, Logistik, Gesundheitswesen, Infrastruktur oder Immobilien prägen weite Teile der Wirtschaft, nicht jedoch die Indexlandschaft.

Entscheidend ist dabei nicht nur, wo investiert wird, sondern wie Renditen entstehen. In öffentlichen Märkten werden Erträge zunehmend von Bewertungsänderungen und Stimmungsumschwüngen bestimmt. In privaten Märkten dagegen entsteht Wert primär durch operative Entwicklung: Effizienzgewinne, Konsolidierung, Bilanzstärkung und stabile Cashflows. Diese Renditetreiber sind weniger sichtbar, aber langfristig belastbarer.

Private Anlagen sind kein Allheilmittel. Illiquidität, längere Kapitalbindungen und eine hohe Abhängigkeit von der Managerqualität verlangen Disziplin und strukturiertes Vorgehen. Gerade deshalb sind sie für professionelle Investoren interessant, die nicht auf tägliche Preissignale angewiesen sind, sondern auf langfristige Wertschöpfung setzen.

Die Konsequenz ist klar: Portfolios, die ausschliesslich auf öffentliche Märkte setzen, bilden die heutige Wirtschaft nur noch unzureichend ab. Öffentliche Märkte bleiben unverzichtbar für Liquidität und Transparenz. Doch wer sich weiterhin allein auf sie verlässt, akzeptiert steigende Konzentrations- und Korrelationsrisiken.

Die eigentliche Frage für 2026 lautet daher nicht, ob private Märkte eine Rolle spielen sollen, sondern ob Investoren bereit sind, ihre Portfolioarchitektur an die Realität einer fragmentierten, weniger börsenorientierten Wirtschaft anzupassen. Das Festhalten an überholten Modellen mag bequem sein – es ist jedoch zunehmend riskant.

Petiole Asset Management

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